Der konservative Herausforderer von US-Präsident Barack Obama, Mitt Romney, verliert nach Bekanntwerden seiner abschätzigen Kommentare über ärmere Amerikaner in der Wählergunst. Einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zufolge sehen 43 Prozent der Befragten Romney als weniger vorteilhaft an als zuvor. Fast 60 Prozent der Befragten sahen in Romneys Äußerungen eine unfaire Herabsetzung eines großen Teils der Amerikaner.
In einer täglichen Erhebung von Reuters konnte Obama seinen Vorsprung gegen Romney am Mittwoch gegenüber dem Vortag um einen Punkt auf fünf Prozent ausbauen. Demnach würden 48 Prozent der Befragten für Obama stimmen, wenn jetzt die Wahlen wären. Romney käme auf 43 Prozent.
Der Multimillionär Romney hatte während einer exklusiven Wahlkampfveranstaltung über die Anhänger von Obama gesagt, sie sähen sich als Opfer und setzten nur darauf, dass der Staat sie unterstützen müsse. Der Auftritt während einer Spendengala im Mai war heimlich mitgeschnitten und später dem linksgerichteten Magazin "Mother Jones" zugespielt worden. Dieses veröffentlichte den Film auf seiner Website, was in den USA und sogar weltweit hohe Wellen schlug.
"Es sind 47 Prozent, die zu ihm (Obama) halten, die abhängig sind von der Regierung, die sich als Opfer sehen und die glauben, dass die Regierung sich um sie kümmern muss", sagt Romney in dem mit versteckter Kamera gedrehten Mitschnitt abfällig. An seinen Äußerungen gab es auch in der eigenen Partei Kritik. Mehrere Senatoren gingen auf Distanz. Die Wahl ist am 6. November.
Romney versuchte, seine Äußerungen abzuschwächen und versicherte am Mittwoch in einem Fernsehinterview, ihm lägen alle Amerikaner am Herzen. "Mein Wahlkampf dreht sich um 100 Prozent", sagte der Ex-Gouverneur dem Sender Univision. "Er dreht sich um die 100 Prozent in Amerika, und ich sorge mich um sie. Ich bin besorgt über die Tatsache, dass das Leben für Amerikaner in den vergangenen vier Jahren härter geworden ist." Das Interview war zunächst im Internet ausgestrahlt worden. Das Romney-Lager veröffentlichte dann Auszüge, bevor das Interview am späten Abend im amerikanischen Fernsehen zu sehen war.
Ipsos-Meinunsgforscherin Julia Clark nannte das Video ein Problem für Romney, wenn auch kein wahlentscheidendes. "Solche Dinge haben einen Einfluss auf das Image des Kandidaten, aber es ist nicht entscheidend dafür, für wen die Leute am Wahltag tatsächlich stimmen", sagte Clark.