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Merken   Drucken   09.01.2011, 20:09 Schriftgröße: AAA

Hohe Verschuldung: Starökonom warnt vor Dollar-Crash

Exklusiv Barry Eichengreen, bekannter Währungsexperte, glaubt, die US-Devise werde ihre Rolle als alleinige Weltleitwährung verlieren. Auf dem Weg dorthin könnten die USA in die Rolle Griechenlands geraten. von Martin Kaelble, Berlin
"Amerika bleiben höchstens fünf Jahre, eher sogar weniger, um seinen Haushalt in Ordnung zu bringen - sonst werden die Finanzmärkte die USA ins Visier nehmen wie Griechenland", sagte der Berkeley-Professor im Interview mit der FTD. "Ich denke nicht, dass dies bereits 2011 passieren könnte, auch nicht unbedingt 2012 - aber nicht viel später, wenn Washington nichts tut", sagte Eichengreen.
Barry Eichengreen   Barry Eichengreen
In seinem neuen, am vergangenen Freitag in den USA veröffentlichten Buch "Exorbitant Privilege" prophezeit der Finanzexperte das Ende des Dollar  als alleinige internationale Leitwährung. "Mit dem sinkenden ökonomischen Gewicht der USA steuert die Welt auf ein System mit mehreren internationalen Leitwährungen zu", sagte Eichengreen der FTD. Das sei historisch durchaus nicht ungewöhnlich. "Es dürfte sogar ein stabileres internationales Finanzsystem mit sich bringen - doch die Frage ist, wie die Welt dorthin kommt."
Wie bewegt sich der Euro 2011 gegenüber dem Dollar?

 

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Bedingung für einen gelungenen Übergang zu einem neuen Weltwährungssystem sei, dass die USA ihr massives Budgetdefizit in den Griff bekommen. Sonst drohten große Probleme: "Wenn Investoren die Meinung erlangen, dass die US-Politik nicht gewillt ist, dem amerikanischen Volk die unangenehme Wahrheit ins Gesicht zu sagen, dann wird sich die Flucht aus dem Dollar beschleunigen", sagte Eichengreen. Ein Dollar-Crash wäre die Folge, der das Weltfinanzsystem ins Chaos stürzen könnte.
"Finanzkrisen entstehen oft um Wahlen herum, das sind Phasen der Unsicherheit", sagte der Starökonom, der sich ausgiebig mit der Entstehung derartiger Krisen beschäftigt hat. Bis zu den Wahlen im November 2012 müsse die US-Regierung daher einen verbindlichen Fahrplan für den Defizitabbau auf den Tisch legen.
Die US-Regierung soll nach Ansicht von Eichengreen allerdings nicht sofort mit harten Maßnahmen anfangen - wichtig sei zunächst ein verbindlicher Plan. "Doch wenn in der zweiten Hälfte 2011 die private Nachfrage anzieht, dann sollte man entschlossen mit der Konsolidierung beginnen." Eichengreen plädiert dafür, die gerade erst verlängerten Steuererleichterungen aus der Ära Bush 2012 auslaufen zu lassen - "je nach Stärke der Erholung für alle Einkommensschichten". Für viele US-Politiker seien Steuererhöhungen ein Tabu. "Doch sie sind unausweichlich, um das Defizitproblem anzupacken."
Eichengreen ist sicher, dass die US-Bevölkerung bereit ist, harte Einschnitte zu akzeptieren. "Ich glaube, es gibt eine gewisse Einsicht bei den Amerikanern." Das gelte jedoch nicht für die Politik. "Ich sehe weder beim Präsidenten noch bei den Führern der republikanischen Opposition die Bereitschaft, harte Entscheidungen zu treffen", sagte Eichengreen.

Teil 2: Kapitalkontrollen werden zunehmen

  • Aus der FTD vom 10.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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