Bedingung für einen gelungenen Übergang zu einem neuen Weltwährungssystem sei, dass die USA ihr massives Budgetdefizit in den Griff bekommen. Sonst drohten große Probleme: "Wenn Investoren die Meinung erlangen, dass die US-Politik nicht gewillt ist, dem amerikanischen Volk die unangenehme Wahrheit ins Gesicht zu sagen, dann wird sich die Flucht aus dem Dollar beschleunigen", sagte Eichengreen. Ein Dollar-Crash wäre die Folge, der das Weltfinanzsystem ins Chaos stürzen könnte.
"Finanzkrisen entstehen oft um Wahlen herum, das sind Phasen der Unsicherheit", sagte der Starökonom, der sich ausgiebig mit der Entstehung derartiger Krisen beschäftigt hat. Bis zu den Wahlen im November 2012 müsse die US-Regierung daher einen verbindlichen Fahrplan für den Defizitabbau auf den Tisch legen.
Die US-Regierung soll nach Ansicht von Eichengreen allerdings nicht sofort mit harten Maßnahmen anfangen - wichtig sei zunächst ein verbindlicher Plan. "Doch wenn in der zweiten Hälfte 2011 die private Nachfrage anzieht, dann sollte man entschlossen mit der Konsolidierung beginnen." Eichengreen plädiert dafür, die gerade erst verlängerten Steuererleichterungen aus der Ära Bush 2012 auslaufen zu lassen - "je nach Stärke der Erholung für alle Einkommensschichten". Für viele US-Politiker seien Steuererhöhungen ein Tabu. "Doch sie sind unausweichlich, um das Defizitproblem anzupacken."
Eichengreen ist sicher, dass die US-Bevölkerung bereit ist, harte Einschnitte zu akzeptieren. "Ich glaube, es gibt eine gewisse Einsicht bei den Amerikanern." Das gelte jedoch nicht für die Politik. "Ich sehe weder beim Präsidenten noch bei den Führern der republikanischen Opposition die Bereitschaft, harte Entscheidungen zu treffen", sagte Eichengreen.