22.01.2010, 08:54
Innenpolitisches Signal: Obama kastriert US-Banken
Nach dem jüngsten Wahlerfolg der Republikaner holt der US-Präsident zum Gegenschlag aus. Ziel seines Angriffs ist wieder einmal die Wall Street. Er kündigt eine besonders scharfe Finanzmarktregulierung an - und schickt so die US-Börsen auf Talfahrt. Dort ist von "Konfusion" die Rede.
von Christine Mai
US-Präsident
Barack Obama will die Größe und Handelsaktivitäten der amerikanischen Banken stark begrenzen. So soll der Eigenhandel beschnitten werden, was de facto einem Verbot risikoreicher Geschäfte zur Gewinnmaximierung gleich kommt. Die Ankündigungen verstärkten die Verluste an der Wall Street. Vor allem die Kurse von Bankaktien und die Papiere von Börsenbetreibern verzeichneten Abwertungen.
Obama attackierte die Bankenbranche zum zweiten Mal innerhalb einer Woche. Er machte seine Pläne am Donnerstag öffentlich. Banken sollen keine Hedge-Fonds oder Private-Equity-Fonds besitzen oder in solche Instrumente investieren dürfen. Beim Eigenhandel agieren Geldhäuser nicht im Auftrag von Kunden, sondern auf eigene Rechnung. Diese Aktivitäten sind für die Institute lukrativ, aber auch riskant. Geldhäuser, die sie weiter verfolgen wollen, müssten sich daher aufspalten. Nur noch Eigenhandel, der mit dem Kundengeschäft zusammenhänge, werde erlaubt sein, sagte ein Beamter Obamas. Eine neue, noch nicht bezifferte Obergrenze für Aktiva soll außerdem verhindern, dass die Institute zu groß werden.
Als Ziel nannte Obama, eine Rückkehr zu "alten Praktiken" zu verhindern, die zur Finanzkrise geführt hatten. "Nie mehr wird der amerikanische Steuerzahler von einer Bank in Geiselhaft genommen werden, die zu groß ist, um sie Pleite gehen zu lassen." Der US-Präsident kündigte an, er werde nicht vor der mächtigen Finanzbranche und deren Lobbyisten zurückschrecken. "Wenn diese Leute einen Kampf wollen, ist das ein Kampf, den ich bereit bin aufzunehmen."
Kursinformationen und Charts
Obamas Worte schockierten die Wall Street. Der
Dow-Jones -Index der Standardwerte schloss zwei Prozent schwächer bei 10.389 Punkten. Der breiter gefasste
S&P 500 sank um 1,9 Prozent auf 1116 Zähler. "Aktuell herrscht Konfusion am Markt", kommentierte John Spinello, Anleihenstratege bei Jefferies, den Umstand, dass konkrete Auswirkungen der Obama-Ideen bisher nicht absehbar sind.
Nach Meinung von Analysten wären Schwergewichte der Bankenwelt wie
Goldman Sachs und
JP Morgan betroffen. "Wenn sie den Eigenhandel stoppen, dann wird das nicht nur Liquidität aus dem Markt nehmen, sondern die ganze Struktur der Wall Street verändern", sagte ein Kenner der Wall Street. Auch die Deutsche Bank würden die neuen Regeln treffen.
Die Aktien der großen Institute stürzten unmittelbar nach der Ankündigung ab, das Papier von
Morgan Stanley verlor in der Spitze sieben Prozent, die Titel anderer Geldhäuser über vier Prozent. Deutliche Abschläge mussten auch die Aktionäre von Goldman Sachs hinnehmen. Die Titel fielen um 4,12 Prozent auf 160,87 $. Goldman hatte im vierten Quartal mehr verdient als jede andere Wall-Street-Bank. Mit seinem Jahresgewinn von 13,4 Mrd. $ übertraf das Institut die Erwartungen deutlich. Das Angstbarometer Vix gewann 14 Prozent. Der Index gibt den Preis von Optionen wider, mit denen sich Anleger gegen Kursschwankungen absichern können. Bereits vor der erwarteten Ankündigung Obamas waren die Märkte sehr nervös gewesen.
Teil 2: Obama will kämpfen
-
FTD.de, 22.01.2010
© 2010 Financial Times Deutschland