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FTD-Serie: Davos 2012 - Die Krise der Eliten

 
Merken   Drucken   25.01.2012, 10:29 Schriftgröße: AAA

Interview mit Davos-Chef Schwab: "Das kapitalistische System passt nicht mehr in die Welt"

Die Gesellschaft hat die Exzesse im Finanzsystem zugelassen, ohne rechtzeitig die notwendigen Regeln zu etablieren. Dadurch stellt sich das kapitalistische System selbst in Frage. Das sagte Klaus Schwab, Chef des Weltwirtschaftsforums in Davos, im FTD-Interview.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Laurent Gillieron
Exklusiv Die Gesellschaft hat die Exzesse im Finanzsystem zugelassen, ohne rechtzeitig die notwendigen Regeln zu etablieren. Dadurch stellt sich das kapitalistische System selbst in Frage. Das sagte Klaus Schwab, Chef des Weltwirtschaftsforums in Davos, im FTD-Interview.

FTD Herr Schwab, Sie haben in diesen Tagen die Elite der Welt zu Gast. Hat sie versagt, indem sie die Gefahren des Finanzkapitalismus nicht rechtzeitig adressiert hat?

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Klaus Schwab Die Realität ist komplexer, als Sie es in der Frage darstellen. Wir leben heute in einer vernetzten Welt, in der die alten Machtstrukturen längst nicht mehr gelten. Nur von "der Elite" zu sprechen ist daher ein zu sehr simplifiziertes Bild. Auf Grund von technologischen und wirtschaftlichen Entwicklungen haben sich die Machtzentren auf vielen Ebenen verschoben - es gibt viele neue Akteure, eine global vernetzte Wirtschaft, mehr Transparenz und auch mehr Möglichkeiten der Meinungsäusserung und Einflussnahme. Auch die Politiker haben versagt und letztlich wir alle, denn wir haben als Gesellschaft die Exzesse im Finanzsystem zugelassen. Wir haben es nicht rechtzeitig geschafft, die notwendigen Regeln zu etablieren, um eine Pervertierung des Systems zu verhindern. Man kann durchaus sagen, dass das kapitalistische System in seiner jetzigen Form nicht mehr in die heutige Welt passt.

FTD Auch die Form, wie die Eliten mit autoritären Regimen umgehen, passt nicht mehr. Wurden die nicht viel zu lange verschämt geduldet?

Schwab Das ist ein gutes Beispiel, um die heutige Machtverschiebung zu beschreiben. Zum einen muss festgehalten werden: es gibt heute wesentlich mehr Demokratie als noch vor 40 Jahren; wir sprechen also von einem Trend, der schon seit längerem besteht. Durch die weite Verbreitung von Informationstechnologien ist es für autoritäre Regime überall in der Welt schwieriger geworden - man kann heute nicht mehr einfach von oben befehlen und erwarten, dass Entscheidungen durchgesetzt werden können. Die davon betroffenen Menschen müssen heute in Problemlösungen miteinbezogen werden.

FTD Lösen die Graswurzelbewegungen die alten Eliten in ihrer Gestaltungshoheit ab?

Schwab Auch hier darf man die Dinge nicht vereinfachen. In der Tat, wir befinden uns in einem großen Umbruch. Durch den Fortschritt in der Informationstechnologie verschieben sich die Machtverhältnisse - Information, Macht und Einflussnahme sind heute weit verbreitet, aber auch diffuser. Selbst wer nicht zur Mittel- oder Oberschicht gehört, kann sich über die Welt informieren und integrieren. Insofern ergänzen Graswurzelbewegungen das Gesamtbild, in dem es immer mehr vernetzte und voneinander abhängige Stakeholder in der Welt gibt. Eine oft übersehene Gruppe ist die Jugend. 50 Prozent der Weltbevölkerung ist unter 27 Jahren.

Um Lösungen für unsere globalen Herausforderungen zu finden, müssen wir schon allein aus diesem Grund die Jugend auf allen Ebenen engagieren - lokal, regional, national und global - denn sie ist ein wesentlicher Bestandteil von dem großen gesellschaftlichen Umbruch, der sich heute vollzieht. Weil wir uns dieses wichtigen Trends bewusst sind, ziehen wir beim World Economic Forum seit Neuestem diese Altersgruppe in unsere Aktivitäten mit ein. So wird erstmals eine ausgewählte Gruppe von Jugendlichen - sogenannte "Global Shapers" - an unserem Jahrestreffen in Davos teilnehmen. So wird das Gesamtbild der heutigen Stakeholder und Entscheidungsträger besser vertreten sein und die Meinung der Jugend miteinbezogen.

Teil 2:

  • Aus der FTD vom 25.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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