In der Theorie ist die Zerstörung von des iranischen Atomprogramms ganz einfach: Der Angriff "beginnt mit einem koordinierten Schlag, einschließlich eines nie da gewesenen Cyberangriffs, der das iranische Regime und seine Fähigkeit zu wissen, was im eigenen Land los ist, komplett paralysieren wird", heißt es in einem vom israelisch-amerikanischen Blogger Richard Silverstein veröffentlichten, angeblichen israelischen Kriegsplan.
Gleichzeitig mit der Cyberattacke zerstört Israel in dem Szenario die tief in die Berge eingegrabenen Bunker des iranischen Atomprogramms mit Spezialsprengköpfen und nutzt "über Jahre gesammelte Geheimdienstinformationen", um "die Wohnungen des Führungspersonals des Atom- und des Raketenentwicklungsprogramms" zu bombardieren. Darauf folgt eine weitere Angriffswelle unter anderem mit Flugzeugen, die "mit einer bisher der Öffentlichkeit unbekannten elektronischen Kriegsausrüstung ausgestattet sind, die noch nicht einmal unseren US-Verbündeten enthüllt sind".
Ganz Israel rätselt, was es mit diesem futuristisch anmutenden Angriffsszenario auf sich hat. Dass es sich um einen realistischen Angriffsplan handelt, glaubt selbst Silverstein nicht. Der Blogger gilt als gut vernetzt und glaubwürdig. Wahrscheinlich sei es eine Art "Verkaufsbroschüre" für einen Angriff auf den Iran, für den Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak seit Monaten unermüdlich werben. In jedem Fall handelt es sich bei dem Dokument um eine neue, besonders schillernde Wendung im Propagandakrieg, der dem möglichen echten Krieg vorausgeht.
Seit Monaten drohen Netanjahu und Barak mit einem baldigen Alleingang des israelischen Militärs - ohne Unterstützung der verbündeten Supermacht USA -, um einen "neuen Holocaust" durch den Iran zu stoppen. In den vergangenen Tagen wurde die Debatte durch eine Reihe dramatischer Medienberichte wieder einmal angeheizt.
Gleichzeitig nahm das Heimatschutzkommando die lange Zeit aus Geldmangel gestoppte Verteilung von Gasmasken wieder auf und stellte ein neues System vor, das Israelis im Falle eines iranischen Gegenangriffs per SMS vor Raketen warnen soll. Der scheidende Heimatschutzminister Matan Vilnai sagte in einem Interview, dass ein solcher iranischer Gegenschlag etwa 500 israelische Todesopfer kosten würde.
Israels Präsident Schimon Peres hat am Donnerstag einen militärischen Alleingang seines Landes gegen den Iran ausgeschlossen. "Es ist klar, dass wir es nicht alleine machen können. Es ist klar, dass wir gemeinsam mit den USA handeln müssen", sagte Peres dem israelischen Sender Channel 2 in einem Interview zu seinem 89. Geburtstag. Er sei überzeugt, dass es im amerikanischen Interesse sei, den Iran zu stoppen.
Nach Angaben israelischer Medien dringt Regierungschef Benjamin Netanjahu auf einen Angriff im Herbst - es sei denn, US-Präsident Barack Obama würde klarer als bisher versprechen, dass die USA den Iran spätestens bis Mitte 2013 notfalls militärisch stoppen.
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Barak und Netanjahu halten laut israelischen Medien die Verhandlungen um das iranische Atomprogramm für gescheitert und den Krieg für unausweichlich. Damit gehören sie aber zu einer Minderheit im Kabinett, in der Militärführung und im Volk. 61 Prozent der jüdischen Israelis glauben laut einer neuen Umfrage des Israel Democracy Institute, dass ihr Militär ohne die USA nicht in der Lage sei, das Atomprogramm des Iran zu zerstören.
Das mutmaßliche Werbedokument für den Krieg wäre nicht der erste unkonventionelle Versuch, die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit und der Möglichkeit des Angriffs zu überzeugen. Vergangene Woche brachte die Zeitung "Haaretz" ein Interview mit einem anonymen "Entscheidungsträger", der die Regierungsargumente für einen Angriff bestätigte. Später stellte sich heraus, dass der Interviewpartner niemand anders war als der Verteidigungsminister selbst.
mit DPA