FTD.de » Politik » International » Nouriel Roubini - Gemeinsam gegen die Flaute

Merken   Drucken   16.07.2010, 11:00 Schriftgröße: AAA

Konjunktur: Nouriel Roubini - Gemeinsam gegen die Flaute  

Kommentar Das weltweite Wachstum wird sich verlangsamen. Wenn nicht alle großen Volkswirtschaften etwas tun, drohen der Rückfall in die Rezession und eine weitere Finanzkrise. von Nouriel Roubini und Ian Bremmer
Ian Bremmer ist Präsident der Denkfabrik Eurasia Group. Nouriel Roubini ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität New York.
Wie es aussieht, steht der Weltwirtschaft in diesem Jahr eine erhebliche Abkühlung bevor. Die Sparprogramme einiger Länder werden das Wachstum verlangsamen. Bestandsbereinigungen nehmen ihren Verlauf. Es verpuffen die Auswirkungen steuerlicher Maßnahmen, die der Zukunft Nachfrage gestohlen haben - wie die Abwrackprämie in den USA, Steuervorteile für Käufer von Eigenheimen oder Vergünstigungen für umweltfreundliche Geräte. Die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt bleiben schwierig. Der schmerzhafte Schuldenabbau in den Bankbilanzen sowie bei finanziell angeschlagenen Privathaushalten, Finanzinstituten und Staaten setzt sich fort.
Regierungen und Verbraucher, die über ihre Verhältnisse lebten, werden nun weniger ausgeben, konsumieren und importieren. Doch deswegen geben diejenigen in China, Deutschland und Japan, die zu viel gespart haben, nicht mehr Geld aus. In einer Welt des Überangebots wird die Erholung der weltweiten Nachfrage schwach ausfallen.
Gefühlte Rezession
Das realistischste Wachstumsszenario ist ein schmerzhaftes, selbst wenn uns ein Rückfall in die Rezession, der "Double Dip", erspart bleibt. In den USA wird sich ein Wachstum von 1,5 Prozent in der zweiten Jahreshälfte und 2011 wie eine Rezession anfühlen, da Arbeitslosigkeit und Haushaltsdefizite wahrscheinlich weiter steigen, die Immobilienpreise sinken und Banken folglich bei Hypotheken und Krediten mehr Verluste machen.

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  • FTD.de, 16.07.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 18.07.2010 16:36:29 Uhr   focus: Und was sagt Goldie?

    Hatzius: “Warum ist die Wirtschaft so schwach? Und was kann die Regierung dagegen tun?”
    Er kommt auf die Kenysianer zurück, auf einen Flassbeck uvam..
    Hatzius stellt einen “noch nie dagewesenen Beschäftigungsrückgang” fest, und untermauert die Aussage mithilfe vonCharts. Dieser Einbruch ist – wie Deutschland – doppelt tragisch, denn einerseits fallen Steuereinnahmen aus, und andererseits gehen über die “automatischen Stabilisatoren” die Sozialausgaben hoch – und damit natürlich das Defizit der Öffentlichen Hand.

    Seine sektorale Sicht der Dinge (wobei er in “Privatsektor”, “Staat” und “Ausland” unterteilt), und kommt zum logischen Schluss: “Da diese 3 Sektoren ein geschlossenes System darstellen, müssen die Schulden des einen immer die gleich hohen Forderungen der anderen Sektoren sein. In Summe muss der Saldo auf null aufgehen.” Auch nichts Neues!
    Im Resultat daher für alle zusammen sogar noch schlimmer, weil das Wachstum ausfallen, die Steuereinnahmen zurückgehen und damit die öffentlichen Defizite nicht zurückgehen, sondern sogar noch steigen werden. Es wäre deshalb vernünftiger, so Hatzius, öffentliche Defizite von vornherein in Kauf zu nehmen, denn solange der Privatsektor spart, seien diese ohnehin nicht zu verhindern. Die Öffentliche Meinung mag damit ihre Schwierigkeiten haben, aber der Bondmarkt habe keine!

    Die kapitalistischste Bank der Welt liegt in ihrer ökonomischen Einschätzung auf ein und derselben Linie wie Flassbeck oder uvam, und nicht etwa den Jollies von der INSM oder den Nachplapperpapageien in den Wirtschaftsredaktionen.

  • 16.07.2010 12:25:27 Uhr   Dr. O. Wonko: die Problematik der Konsumfinanzierung
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