Kopf des Tages:Raj Rajaratnam, Wall-Street-Star in Handschellen
Der Milliardär Raj Rajaratnam spendete an Hilfsbedürftige, ließ seine Hedge-Fonds von der US-Börsenaufsicht kontrollieren, ganz freiwillig. Doch nun ist der angebliche Saubermann aufgeflogen - als Teil einer New Yorker Bande. von Felix Wadewitz
Die Fotografen und Kameramänner warteten schon auf ihn. Sie wollten das Bild des Wochenendes, und sie bekamen es: Raj Rajaratnam in Handschellen. Ein angesehener Milliardär und Unterstützer von Barack Obama - abgeführt von zwei FBI-Agenten wie ein lausiger Krimineller. Mit gesenktem Kopf, schnaufend und schwitzend, völlig verknittert, verschwand Rajaratnam im Polizeiauto. Das abrupte Ende eines rasanten Aufstiegs, der den in Sri Lanka geborenen Wall-Street-Star zum reichsten Mann seines Heimatlandes gemacht hat.
Verschwörung und Wertpapierbetrug in bislang unbekanntem Ausmaß sind die Anklagepunkte. Besonders pikant: Zum ersten Mal hat ein Richter in einem Fall von Insiderhandel an der Wall Street das Anzapfen von Telefonen erlaubt. Das ist sonst eher bei der Mafia, Drogenkartellen und Schwerverbrechern üblich. Nun drohen dem Gründer des Hedge-Fonds Galleon bis zu 20 Jahre Gefängnis.
Der Milliardär Raj Rajaratnam
Bislang schien Rajaratnam alles richtig gemacht zu haben. Uni in England, MBA-Abschluss in den USA, rasante Karriere im Finanzbusiness. 1997 gründet der Experte für die IT-Branche einen Hedge-Fonds, verdient damit 1,3 Mrd. $ und landet unter den Top 600 der reichsten Menschen der Welt. Mit Ehefrau und drei Kindern lebt der 52-Jährige in einer schicken Luxuswohnanlage in der Upper East Side von Manhattan.
Auch gab Rajaratnam praktisch keinen Anlass, als gierig tituliert zu werden. Im Gegenteil, als an Weihnachten 2004 die Tsunamiwelle auf Sri Lanka trifft, spendet er Millionen an die Opfer, hilft mit beim Wiederaufbau. Kritik dagegen bringt dem Tamilen ein, als er auch Geld für die Eingliederung der Rebellen von den Tamil Tigers gibt.
Im US-Wahlkampf outet sich der Finanztycoon als Fan der Demokraten, spendet für Barack Obama und Hillary Clinton. Seine 3,5 Mrd. $ schweren Hedge-Fonds lässt Rajaratnam freiwillig von der Börsenaufsichtsbehörde SEC kontrollieren, obwohl er das nicht muss. "Seht her, bei uns ist alles sauber", soll das signalisieren. Kleine, schwarze Flecken weist seine weiße Weste aber auf: 2005 muss er 2 Mio. $ wegen unkorrekter Börsendeals zahlen. Das ist aber nicht mehr als eine Art Strafzettel wegen Falschparkens.
Zuletzt habe Rajaratnam möglicherweise Verdacht geschöpft. Deshalb griff das FBI zu, bevor der Manager einen geplanten Flug nach London antreten konnte. "Rajaratnam ist kein Master of the Universe", sagte ein Ermittler der US-Börsenbehörde SEC in Anspielung auf die Traumrenditen der Galleon-Fonds. 20 Mio. $ Gewinn soll die Gruppe mit ihren Aktiendeals ergaunert haben. Das ist zwar die höchste bislang bekannte Summe in einem solchen Fall. Warum der Milliardär Rajaratnam dafür aber solch ein Risiko einging, ist bislang sein Geheimnis. Er und sein Fonds sollen bis zu 18 Mio. $ abgeschöpft haben, so der Staatsanwalt.
Erst einmal ist Rajaratnam auf freiem Fuß. Der Richter setzte die Kaution auf 100 Mio. $ fest. Seinen Reisepass musste der Milliardär abgeben.
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