Die USA halten dagegen. Ständig suchen Diplomaten und Vertreter Brüsseler Außenhandelskammern Entscheidungsträger der Kommission, des Europaparlaments und der Mitgliedstaaten auf, um sie zu bearbeiten. Der Ansturm sei noch extremer als beim umstrittenen EU-US-Bankdatenabkommen Swift und beim Flugdatenabkommen PNR, sagte ein altgedienter Brüsseler Amtsträger. "Es gibt ja bisher noch nicht einmal einen offiziellen Entwurf der Kommission."
Doch die Kampagne zeigt Wirkung. So habe unter anderem EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström erhebliche Vorbehalte gegen Redings Pläne angemeldet, hieß es in Diplomatenkreisen. Malmströms Behörde, die Generaldirektion Inneres, ist in Brüssel als extrem USA-freundlich bekannt. Einige Amtskollegen sollen Reding sogar gedrängt haben, die Vorstellung des neuen Gesetzes aufzuschieben. Die Luxemburgerin habe sich aber geweigert, berichteten Diplomaten. Reding äußerte sich auf FTD-Anfrage weder zu ihren Gesetzesplänen noch zur US-Kampagne.
Datenschützer erwarten nun eine Aufweichung des Entwurfs. "Es ist zu befürchten, dass der ursprüngliche Vorschlag der Kommissarin durch die Lobby verwässert wird, vor allem bei den Strafen", sagte Kirsten Fiedler von der European Digital Rights Initiative (EDRI), einem Zusammenschluss von 28 europäischen Bürgerrechtsorganisationen. In einem Vorabentwurf vom Dezember, welcher der FTD vorliegt, droht die EU-Kommission den Konzernen bei Verstößen gegen den Datenschutz für EU-Bürger Geldbußen von bis zu fünf Prozent ihres Jahresumsatzes an.
Der Justizexperte der Grünen-Europaabgeordneten, Jan Philipp Albrecht, sagte, die Konzerne hätten selbst großes Interesse daran, dass alles so bleibt, wie es ist. "Google und Co. erwirtschaften dank der jetzigen laxen US-Datenschutzbestimmungen hohe Gewinne auf Kosten der Privatsphäre von EU-Bürgern." Reding ist für ihre Verordnung auf die Zustimmung des Europaparlament und der Mitgliedstaaten angewiesen.