Gates wies darauf hin, dass die europäischen Nato-Staaten zwar mehr als zwei Millionen Soldaten unter Waffen hätten, in Afghanistan jedoch kaum in der Lage seien, eine Truppenstärke von 25.000 bis 45.000 Mann aufrechtzuhalten. Beim Einsatz gegen Libyens Machthaber Muammar Gaddafi habe sich herausgestellt, dass ein eigentlich für 300 Einsätze ausgelegtes Zentrum schon mit etwa der Hälfte Probleme habe. Zudem müssten die USA Versorgungsdefizite bei der Munition ausgleichen.
Eine Sprecherin der Allianz erklärte, auch der niederländische Ex-Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer teile Gates' Sorgen. Im Moment "sieht Europa recht bleich aus", sagte er. Bei den Ausgabenkürzungen fehle jede Koordinierung.
Gates hatte zuvor beim Nato-Verteidigungsministertreffen angeprangert, dass sich zu wenige Länder an den Angriffen in Libyen beteiligten. Am Mittwoch hatte er einige Partnerländer ins Gebet genommen: Deutschland und Polen, die sich aus der Militäraktion heraushalten, sollten Wege zur Unterstützung finden, forderte er Nato-Kreisen zufolge. Spanien, die Türkei und die Niederlande, die sich am Libyen-Einsatz beteiligen, forderte er auf, Luftangriffe zu fliegen.
Gates hatte schon unter Präsident George W. Bush als Verteidigungsminister gedient. Präsident Barack Obama hat den bisherigen CIA-Chef Leon Panetta als neuen Verteidigungsminister nominiert.