Allein die nackten Daten über diese Unterkunft lassen vermuten, dass hier kein normaler Untersuchungshäftling untergebracht ist: Zwei private Flügel mit 500 Quadratmeter Grundfläche im 5. Stock des "Internationalen Medizinzentrums" bei Kairo, Gästezimmer für Übernachtungsbesuch, Konferenzräume, Schwimmbad, Sauna, Jacuzzi und Behandlungszimmer mit modernsten Geräten. An den Eingängen Sicherheitskontrollen. Selbst die Ärzte müssen ihre Handys abgeben. Hier lebt seit fast einem Jahr Hosni Mubarak.
Seit vergangenem August wird Ägyptens Ex-Präsident in Kairo der Prozess gemacht wegen mutmaßlicher Veruntreuung von Staatsvermögen und wegen des Todes Hunderter Demonstranten, die Anfang vergangenen Jahres gegen ihn rebelliert hatten.
Für diesen Samstag hat das Gericht die Urteilsverkündung angesetzt. Staatsanwaltschaft und Nebenkläger haben die Todesstrafe beantragt. Doch Beobachter sind skeptisch. Die Beweisführung der Anklage gilt nicht als hieb- und stichfest. Einige Opferanwälte vermuten, dies sei von der Staatsanwaltschaft gewollt, um einen Freispruch aus Mangel an Beweisen zu ermöglichen.
Nur zwei Wochen vor der Stichwahl um das Präsidentenamt, wird das Urteil mit Spannung erwartet. Für den Fall, dass Mubarak nicht die geforderte Höchststrafe erhalten sollte, haben Opfergruppen Proteste angekündigt. Gewalttätige Ausschreitungen werden befürchtet.
Egal wie es ausgeht. Viele Ägypter empörte bereits während des Prozesses die Sonderbehandlung Mubaraks. Seine Verteidiger berichten, er leide an Krebs und Herzproblemen. Opferanwälte beharren allerdings darauf, dass er wie andere kranke Häftlinge auch in einem Gefängniskrankenhaus behandelt werden könnte.
Einem Bericht der ägyptischen Zeitung "Al-Watan" zufolge, der die Luxus-Haftbedingungen enthüllte, übernachtet die ehemalige First Lady Suzanne Mubarak nicht nur ständig in der Klinik. Sie führt sich sogar auf wie die Hausherrin. Nur einmal sei sie etwas zu weit gegangen. Mit den Worten "ich werde Dir das Genick brechen" soll sie einmal eine Krankenschwester angefahren haben, weil diese sich zu laut mit ihren Kolleginnen unterhalten habe. Als sie beklagte, bekam sie noch eine Ohrfeige dazu, schreibt "Al-Watan".
Ein Offizier der Wache soll daraufhin versucht haben, Suzanne Mubarak nahezubringen, dass sie sich nicht mehr alles erlauben könne. "Beruhigen Sie sich etwas, gnädige Frau", soll der Soldat gesagt haben, "vergessen sie nicht, dass die Lage nicht mehr so ist wie früher."
Der gestürzte Präsident selbst verbringt den Informationen zufolge einen Großteil des Tages damit, die Nachrichten in den Staatszeitungen "Al-Ahram" und "Al-Achbar" sowie im Staatsfernsehen zu verfolgen. Mubarak liebe es, mit allen um ihn herum - von den Schwestern und Ärzten bis zu den Wachen - zu diskutieren, schreibt "al-Watan", vor allem wenn seine Frau einmal nicht da sei. Von seinen Gesprächspartnern wolle er unbedingt wissen, ob die Menschen auf der Straße ihn wirklich so hassten.