FTD.de » Politik » International » US-Notenbanker will die Wall Street in Ketten legen
Merken   Drucken   27.05.2010, 14:20 Schriftgröße: AAA

Regulierung der Finanzmärkte: US-Notenbanker will die Wall Street in Ketten legen

Jeffrey Lacker von der Richmond-Fed tritt für eine harte Geldpolitik ein. Die Gesetzesentwürfe zur Finanzmarktreform kritisiert er. Der Schutz für das System fällt ihm zu großzügig aus. Als Beispiel empfiehlt er Paul Volcker.

Die Gesetzesentwürfe des amerikanischen Kongresses zur Finanzmarktreform sind nach Ansicht eines Notenbankers nicht in der Lage, künftige Exzesse zu verhindern: "Meine erste Einschätzung ist, dass sowohl die Vorlage des Repräsentantenhauses als auch des Senats genügend Kompetenzen für staatliche Rettungen schaffen, so dass die Marktdisziplin unterminiert und der Teufelskreis, der uns das teure Sicherungsnetz erst eingebrockt hat, aufrechterhalten wird", sagte Jeffrey Lacker, Präsident der Distriktnotenbank Richmond.

Laut Lacker bürgte der Staat Ende 2008 rund 59 Prozent aller Verbindlichkeiten des Finanzsektors. 1999 seien es nur 45 Prozent gewesen. Der Anstieg sei eine direkte Konsequenz "unausgesprochener Garantien". An den Gesetzesentwürfen stört Lacker vor allem der Schutz kurzfristiger Gläubiger. Ihre Anreize zur Überwachung des Managements würden durch den Schirm der öffentlichen Hand verringert, so Lacker.

Er fordert die Abgeordneten auf, sich am historischen Beispiel von Ex-Fed-Chef Paul Volcker zu orientieren. Der heutige Präsidentenberater jagte Ende der 70er-Jahre den Leitzins nach oben, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Solch eine Strategie, die kurzfristig Schmerzen in Kauf nehme, um langfristig Vorteile zu schaffen, sei empfehlenswert. "Wir werden den Zirkel nur durchbrechen, wenn wir den staatlichen Eingriffen Grenzen setzen. Nur so können wir das Fundament des Finanzsystems stärker machen", sagte Lacker.

Der 54-jährige Lacker gilt in den USA als Falke. Regelmäßig macht er sich für eine baldige Straffung der Geldpolitik stark. Dieses Jahr ist er bei Zinsentscheiden allerdings nicht stimmberechtigt. Die Richmond-Fed ist für die Aufsicht unter anderem von Bank of America Merrill Lynch, Capital One und BB&T zuständig.

Geldpolitik Tauben und Falken der Fed

Vergangene Woche hatte der Senat seinen Gesetzesentwurf verabschiedet, nachdem das Repräsentantenhaus bereits sich im Dezember geeinigt hatte. Die Regelwerke sehen unter anderem eine stärkere Aufsicht von Finanzholding-Gesellschaften und weitreichendere Eingriffskompetenzen vor. So kann eine Bank künftig zerschlagen und abgewickelt werden.

Momentan werden die beiden Entwürfe harmonisiert. Als ein Streitpunkt gilt die Derivateregulierung. Auf Drängen der Vorsitzenden des Agrarausschusses Blanche Lincoln hatte der Senat einen Passus aufgenommen, der Banken zur Abspaltung ihres Derivatehandels zwingen würde.

Nicht nur die Banken, sondern auch das Weiße Haus sind gegen diesen Paragrafen. Michael Barr, stellvertretender Finanzminister, stellte am Mittwoch klar, dass die Obama-Regierung den Lincoln-Vorstoß nicht begrüße. Er werfe auch Interpretationsspielräume auf: "Es ist schwer abzusehen, wie dieser Passus in der Praxis funktionieren würde."

  • FTD.de, 27.05.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler