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Merken   Drucken   12.04.2011, 11:27 Schriftgröße: AAA

Rüstungs-Ranking: Diese Staaten rüsten am meisten auf

Strategie, Konfliktherde, Prestige - weltweit geben Regierungen Milliarden fürs Militär aus. Doch einige setzen auch den Rotstift bei ihrer Armee an. FTD.de zeigt die zehn Länder mit den höchsten Rüstungsausgaben.
Die weltweiten Militärausgaben sind nach Angaben des Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) in 2010 auf 1630 Mrd. Dollar gestiegen. Das sind 1,6 Prozent mehr als im Jahr davor. Verglichen zum Vorjahr fiel der Zuwachs aber deutlich geringer aus: 2009 kletterte der Gesamtbetrag noch um fast sechs Prozent. Nach Angaben von Sipri war der Zuwachs 2010 damit so gering wie seit 2001 nicht mehr.
Gegen diesen Trend handelt vor allem Lateinamerika. Trotz geringer Bedrohung von Außen stiegen die Militärausgaben um 5,8 Prozent, was die Stockholmer Experten vor allem mit dem Wirtschaftswachstum in der Region erklären. Die andernorts schwächeren Zuwächse oder gar Rückgänge begründen sie mit den Nachwehen der Finanzkrise.
FTD.de zeigt, welche Länder am meisten für ihre Rüstung ausgeben - und erklärt, warum sie das tun.
Ein Soldat geht an einem Hubschrauber vorbei   Ein Soldat geht an einem Hubschrauber vorbei
Italien fällt mit Militärausgaben von insgesamt 36,97 Mrd. Euro in der Statistik von Platz acht auf Platz zehn - wegen einer Etatkürzung. Diese Entwicklung lässt sich in vielen europäischen Ländern beobachten: Nachdem jahrelang aufgerüstet wurde, haben Finanz- und Eurokrise dazu geführt, dass viele EU-Staaten beim Militär den Rotstift ansetzen. 2010 gab Europa insgesamt 2,8 Prozent weniger für seine Armeen aus als noch im Jahr zuvor. Grund dafür ist laut Sipri vor allem der Versuch, Defizite zu reduzieren. Besonders stark macht sich das in kleineren osteuropäischen Ländern sowie in Griechenland bemerkbar.
Ein indischer Panzer bei einer Militärübung am Strand von Madhavpur   Ein indischer Panzer bei einer Militärübung am Strand von Madhavpur
Indien (2009 auf Platz zehn) gab 41,28 Mrd. Dollar für sein Militär aus – soviel wie noch nie zuvor. Beim Waffenimport ist das boomende Schwellenland weltweit sogar auf Platz eins. Der Grund für die hohen Investitionen in Rüstung sind nach Angaben der Stockholmer Experten mehrere: Der schwelende Konflikt mit Pakistan, aber auch die dauernde Rivalität mit Russland und China treibt die Ausgaben für die Armee. Zudem will die Regierung durch die Importe fremder Technologien auch die Entwicklung der landeseigenen Rüstungskonzerne vorantreiben.
Soldaten der Bundeswehr bei einer Militärübung   Soldaten der Bundeswehr bei einer Militärübung
Wie andere europäische Staaten ließ sich auch Deutschland (2009 auf Platz sechs) seine Bundeswehr im vergangenen Jahr weniger kosten als noch 2009. Die Kosten gingen von 46,84 Mrd. auf 45,15 Mrd. Dollar in 2010 zurück - ungeachtet der dauernden Auslandseinsätze zum Beispiel in Afghanistan oder vor der somalischen Küste, wo die Bundesmarine am Kampf gegen Piraten beteiligt ist. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat beim Rüstungsetat weitere Kürzungen in Aussicht gestellt. Dagegen stemmt sich allerdings vor allem der Bundeswehrverband. Der sieht deutsche Auslandseinsätze gefährdet, wenn weitere Kürzungen durchgesetzt werden. Schon jetzt fehle es teilweise am passenden Equipment. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kostet die Fortsetzung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan Deutschland rund 3 Mrd. Euro pro Jahr. Insgesamt schätzt das DIW die Kosten für die Beteiligung an dem Konflikt auf 13 Mrd. Euro.
Der saudische Prinz Mohammed bin Nayef betrachtet Waffen der ...   Der saudische Prinz Mohammed bin Nayef betrachtet Waffen der Grenztruppen
Saudi-Arabien (2009 auf Platz neun) stockte 2010 seinen Rüstungsetat am stärksten aus, zumindest im Vergleich mit anderen Ländern im Mittleren Osten. 45,24 Mrd. Dollar gab der Staat für sein Militär aus. Saudi-Arabien gilt als wichtigster Verbündeter der USA in der arabischen Welt und ist stark in den Kampf gegen den internationalen Terrorismus eingebunden. In der politischen Unruheregion investieren viele Länder zunehmend in Waffen und Soldaten, insgesamt sind es mit 111 Mio. Dollar rund 2,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Vor allem die ölreichen Staaten sind darum bemüht, ihre Verteidigungshaushalte aufzustocken. Der Rohstoffexport beschert ihnen hohe Einnahmen – gleichzeitig steigt damit das Bedürfnis nach militärischer Sicherung gegen andere Länder. Auch in Afrika legten vor allem die Öl produzierenden Länder Nigeria, Algerien und Angola bei ihren Rüstungsausgaben zu.
Japanische Soldaten   Japanische Soldaten
Mit seinen Militärausgaben von 54,53 Mrd. Dollar gehört Japan (2009 auf Platz sieben) nach absoluten Zahlen zu den Ländern mit den größten Rüstungsbudgets. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt ist das allerdings nur ein Anteil von etwa ein Prozent, was für eine Industrienation vergleichsweise wenig ist. Ein Großteil des Budgets fließt in die Unterhaltung amerikanischer Militärstützpunkte, den Aufbau von Raketenabwehrsystemen und in Personalausgaben.
Unter den Industrienationen ist Japan auch deswegen eine Besonderheit, weil es lediglich über sogenannte "Selbstverteidigungsstreitkräfte" verfügt. Ein Artikel in der Verfassung schränkt das Recht des Staates zur Durchführung von Militäraktionen stark ein. Im globalen Friedensindex 2010 - einem anderen internationalen Ranking zum Militärverhalten der Länder - rangiert Japan auf Platz drei und damit so weit vorne wie sonst kein Staat mit vergleichbarem politischen Einfluss.
Eine Topol-M Interkontinentalrakete auf dem roten Platz in Moskau   Eine Topol-M Interkontinentalrakete auf dem roten Platz in Moskau
2010 lagen die Ausgaben für das Militär in Russland (2009 ebenfalls auf Platz fünf) bei 58,67 Mrd. Dollar. Jüngst hat die Regierung angekündigt, bis 2020 umgerechnet rund 475 Mrd. Euro in die Armee des Landes zu investieren. Sie will nach Angaben des Kreml vor allem die veraltete Technik austauschen und in neue Atom-U-Boote, Kampfflugzeuge und Hubschrauber investieren.
Präsident Dmitri Medwedew hatte 2010 als Ziel ausgegeben, dass die militärische Ausstattung auf das Niveau der USA gebracht werden soll. Grund dafür sind zum einen strategische Interessen, zum anderen Konfliktherde in benachbarten Regionen wie beispielweise dem Kaukasus. Laut einem Bericht der Regierung läuft die geplante Aufrüstung sehr schleppend. Erst 30 Prozent der für 2010 geplanten Neuerungen seien realisiert worden, heißt es darin.
Französische Soldaten beim Einsatz in Libyen   Französische Soldaten beim Einsatz in Libyen
Frankreich ist im Ranking von Platz drei auf Platz vier gerutscht. Das Land hatte seine Ausgaben auf 59,32 Mrd. Dollar eingedampft. Frankreich hatte zu jenen Staaten gehört, die in der Wirtschaftskrise die Militärausgaben nach oben geschraubt hatten, um den wirtschaftlichen Abschwung zu bremsen. Nun setzt Frankreich bei seiner Armee den Rotstift an. Im vergangenen Jahr wollten sich das deutsche und das französische Verteidigungsministerium zusammen tun und gemeinsam Kosten sparen, indem Teile der Verwaltung zusammengelegt werden sollten. 2011 sind allein für Operationen im Ausland 630 Mio. Euro budgetiert, wovon etwa zwei Drittel für Afghanistan vorgesehen sind.
Britische Tornado-Kampfflugzeuge werden auf einem italienischen ...   Britische Tornado-Kampfflugzeuge werden auf einem italienischen Militärstützpunkt für ihren Einsatz in Libyen vorbereitet
Großbritannien (2009 auf Platz vier) hat seinen Militäretat entgegen dem Trend in Europa noch einmal aufgestockt - von 57,91 Mrd. auf 59,59 Mrd. Dollar. Vor allem der Einsatz in Afghanistan erweist sich für den Inselstaat laut Sipri als besonders kostspielig. Jüngst hat das britische Verteidigungsministerium kurzfristig einen Sparplan für das Militär vorgelegt. Bis 2014 und 2015 sollen demnach die Ausgaben um 7,5 Prozent (8 Mrd. Pfund) reduziert werden. Neben dem Rüstungs- und Personalabbau sollen Verträge zu Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie Kaufverträge revidiert werden. 900 Rüstungsprojekte sind von den Einsparungen betroffen.
Ein Militärfahrzeug wird durch Peking transportiert   Ein Militärfahrzeug wird durch Peking transportiert
Seinen riesigen Militärapparat ließ sich China (2009 ebenfalls auf Platz zwei) im vergangenen Jahr 119,4 Mrd. Dollar kosten. Chinas 2,3 Millionen Soldaten sollen nach Angaben der Regierung in Peking auch in 2011 moderne, auch offensiv einsetzbare Waffen der Dritten Generation bekommen. Sie erhalten auch weitergehende Aufgaben, um die Interessen der zweitgrößten Volkswirtschaft und globalen Handelsmacht zu schützen. Damit sind nicht nur konventionelle Streitmittel gemeint, sondern auch moderne Raketensysteme sowie die Abwehr von Cyberattacken.
Aufstrebende Militärmacht Chinas gepanzerte Faust
Noch ist Chinas Verteidigungspolitik nach Ansicht von Experten vor allem regional ausgerichtet. Die abtrünnige Insel Taiwan steht ebenso im Fokus wie der allgemeine Schutz der eigenen Grenzen. Gerade im rohstoffreichen südchinesischen Meer gibt es auch territoriale Auseinandersetzungen. Zudem geht es um strategische Interessen wie zum Beispiel die Rangelei mit den USA um die Vormachtstellung im Pazifik.
Das amerikanische Atom-U-Boot USS Chicago ankert im Yokosuka ...   Das amerikanische Atom-U-Boot USS Chicago ankert im Yokosuka Militärhafen in Japan
Mit Ausgaben in Höhe von 698,28 Mrd. Dollar stehen die USA nach wie vor an der Spitze des internationalen Rankings. Die Ausgaben der Vereinigten Staaten machen 43 Prozent aller Militärausgaben weltweit aus. Eskalierende Konflikte wie in Afghanistan und Libyen tragen zu den steigenden Kosten bei. Diese globale Spitzenposition wird die USA 2011 beibehalten. Nach Schätzungen des US-Verteidigungsministeriums kostet allein der Einsatz in Libyen am Tag 4 Mio. Dollar. Allerdings wurden 2010 einige Prioritäten beim Einsatz der Mittel verschoben.
Dabei bemüht sich Amerika um eine Kostenreduzierung in diesem Bereich. Einzelne Aufträge für Waffen wurden storniert und stattdessen ein stärkerer Fokus auf Informations- und Kommunikationstechnologie gelegt. Trotz eines hohen Staatsdefizits will auch die Regierung unter Präsident Barack Obama Ausgaben für Geheimdienste und innere Sicherheit auch in Zukunft einen Vorzug einräumen. Die Sipri-Experten glauben allerdings, dass der Rückzug aus dem Irak und aus Afghanistan Einsparungen zur Folge haben könnte.
  • FTD.de, 12.04.2011
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