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Merken   Drucken   18.05.2011, 11:44 Schriftgröße: AAA

Strauss-Kahn in Haft: Franzosen wittern Sex-Komplott

Der Fall Strauss-Kahn wirkt zu absurd, um wahr zu sein. Das heizt Verschwörungstheorien an, vor allem in Frankreich. von Andreas Theyssen  Berlin
Es ist Donnerstag, der 28. April, ein Restaurant im zweiten Arrondissement von Paris. Antoine Guiral, Redakteur des linksliberalen Blattes "Libération", trifft IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn , genannt DSK, zum Hintergrundgespräch. Es geht um die mögliche Präsidentschaftskandidatur des Sozialisten, um dessen Duell mit Präsident Nicolas Sarkozy. Strauss-Kahn, so schreibt der Journalist jetzt, habe eine Verschwörung gegen sich gefürchtet: Sarkozy und dessen Helfer könnten versuchen, ihn fertig zu machen. In seinem Eifer, sich als Opfer zu stilisieren, so Guiral, entwickelt DSK sogar ein Szenario, spricht von einer Frau, "die auf einem Parkplatz vergewaltigt wurde, und der man 500.000 Euro oder 1 Mio. verspricht, um sich eine Geschichte auszudenken".
Knapp drei Wochen später ist das Szenario Realität, und es klingt genauso absurd, wie das von DSK skizzierte. Ein französischer Ex-Finanzminister, weltweit geachteter Banker, 62 Jahre alt, stürzt sich in seiner New Yorker Hotelsuite splitternackt auf ein Zimmermädchen und versucht, es zu vergewaltigen. Kann das sein?
Der Artikel in "Libération" hat eine Debatte losgetreten, vor allem in Frankreich: Wurde DSK Opfer eines Komplotts? Seine sozialistische Parteifreundin Michèle Sabban ist "von einer internationalen Verschwörung überzeugt". Ex-Ministerin Christine Boutin, eine Christdemokratin, hält es "für wahrscheinlich, dass man ihm eine Falle gestellt hat". Sogar der amtierende konservative Minister Henri de Raincourt sagt, es sei "unmöglich, nicht an eine Falle zu denken".
Verschwörungstheorien haben in Frankreich ein solides Fundament. Zum Beispiel, weil Polizei und Geheimdienste in der Vergangenheit den Regierenden gerne zu Diensten waren - auch mit illegalen Mitteln. Legendär ist die Aktion des französischen Geheimdiensts, der 1985 in Neuseeland das Greenpeace-Schiff "Rainbow Warrior" versenkte. Das Abhören politischer Gegner und kritischer Medien wie dem Enthüllungsblatt "Canard Enchainé" ist fast schon Tradition. Auch Strauss-Kahn vermutet bei dem Treffen mit Guiral, abgehört zu werden, und zwar auf Anweisung von Innenminister Claude Guéant, Sarkozys Ex-Wahlkampfchef. Dass Sarkozy DSK als Konkurrenten bei der Präsidentschaftswahl fürchtete, liegt auf der Hand. Bis zu seiner Festnahme führte Strauss-Kahn in allen Umfragen.
Luftaufnahme der New Yorker Gefängnisinsel Rikers Island   Luftaufnahme der New Yorker Gefängnisinsel Rikers Island
Der IWF-Chef wusste, dass er im Wahlkampf angreifbar sein würde. "Die Frauen, das Geld und mein jüdischer Glaube", seien die Punkte, an denen Gegner ansetzen könnten, sagt er Guiral. Ein paar Stunden nach ihrem Treffen wird er fotografiert, als er aus dem Porsche Panamera eines reichen Bekannten steigt. In den folgenden Tagen diskutiert Frankreich, wie reich ein Sozialist sein darf.

Teil 2: "DSK ist ein Mann mit einem Problem"

  • Aus der FTD vom 18.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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