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Merken   Drucken   03.05.2011, 09:08 Schriftgröße: AAA

Tod des Terrorpaten: Bin Ladens hastige Seebestattung

In großer Eile haben die USA den Leichnam Al-Kaida-Anführers bestattet - irgendwo im Arabischen Meer. Die Prozedur soll muslimischen Regeln entsprochen haben. Doch Seebestattungen sind im Islam unüblich.
Das Grab von Terrorchef Osama Bin Laden bleibt ein Geheimnis. Die Leiche sei auf See im nördlichen Arabischen Meer bestattet worden, teilte die US-Marine mit. Damit habe verhindert werden sollen, dass sich sein Grab zu einer Pilgerstätte für Islamisten entwickeln könnte.
US-Flugzeugträger USS Carl Vinson   US-Flugzeugträger USS Carl Vinson
Nach Angaben der US-Marine wurden die sterblichen Überreste des Topterroristen an Bord des Flugzeugträgers "USS Carl Vinson" gebracht. Ein Offizier habe einige religiöse Ausführungen gemacht, bevor der Körper auf ein flaches Brett gelegt und dieses dann in Richtung des Wassers gekippt worden sei, berichteten Vertreter des US-Verteidigungsministeriums. In einem "beschwerten Sack" sei die Leiche im Meer versenkt worden. Die USA betonten, dass der Leichnam Bin Ladens gemäß islamischer Regeln behandelt worden sei. Unter anderem sei der Körper des getöteten Al-Kaida-Führers gewaschen worden. Bin Laden war nach gut zehnjähriger Suche in Pakistan aufgespürt und von einem US-Kommando erschossen worden. Nach US-Angaben traf ihn ein Schuss oberhalb des linken Auges, wodurch ihm ein Teil des Schädels weggeschossen worden sei.
Erste Videoaufnahmen Bin Ladens Versteck von innen
Die USA hatten es nach der Tötung eilig mit der Bestattung. Zunächst hieß es, dass die Leiche nach Afghanistan gebracht worden sei. Zur Identifizierung wurde eine DNA-Probe entnommen.
Für die US-Marine habe es sich dabei um Routine gehandelt, schließlich würde sie durchschnittlich 20 Seebestattungen monatlich durchführen. Dabei handele es sich für gewöhnlich um verstorbene Veteranen, Ruheständler und andere US-Bürger, sagte ein Sprecher der Marine.
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Islamexperten kritisierten die Vorgehensweise. "Seebestattungen sieht das islamische Recht nur als Notlösung vor, wenn der Tod auf hoher See eintritt", sagte der Islamwissenschaftler Thomas Bauer von der Universität Münster. Obwohl es "eine große Seefahrertradition" von Muslimen im Indischen Ozean gebe, sei ein Fall wie das Seegrab für Bin Laden bisher nicht bekannt. "Dass jemand auf dem Land stirbt und dann auf See bestattet wird, ist kaum mit dem islamischen Recht in Deckung zu bringen. Das spricht dafür, dass die USA den Leichnam einfach schnellstmöglich verschwinden lassen wollen."
Die Tradition seh eine Erdbestattung vor, "bei der der Körper auf der rechten Seite liegt und das Gesicht in Richtung Mekka zeigt", sagte der Wissenschaftler. Bauer geht nicht davon aus, dass ein Bin-Laden-Grab an Land zu einer Wallfahrtsstätte geworden wäre. "Das ist nicht realistisch. Bin Laden gehörte innerhalb des Islams zur Sekte der Wahhabiten." Für sie sei die anonyme Bestattung die Regel. "Sie lehnen eine Heiligen- oder Gräberverehrung vehement ab."
Auch ohne Grabstätte sei weiterhin denkbar, dass der Terroristenführer in den Augen von Fanatikern zum Märtyrer verklärt werde. "So oder so kann es Leute geben, die ihn als Märtyrer bewundern." Dazu sei kein Grab nötig.
  • FTD.de, 03.05.2011
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