Islamexperten kritisierten die Vorgehensweise. "Seebestattungen sieht das islamische Recht nur als Notlösung vor, wenn der Tod auf hoher See eintritt", sagte der Islamwissenschaftler Thomas Bauer von der Universität Münster. Obwohl es "eine große Seefahrertradition" von Muslimen im Indischen Ozean gebe, sei ein Fall wie das Seegrab für Bin Laden bisher nicht bekannt. "Dass jemand auf dem Land stirbt und dann auf See bestattet wird, ist kaum mit dem islamischen Recht in Deckung zu bringen. Das spricht dafür, dass die USA den Leichnam einfach schnellstmöglich verschwinden lassen wollen."
Die Tradition seh eine Erdbestattung vor, "bei der der Körper auf der rechten Seite liegt und das Gesicht in Richtung Mekka zeigt", sagte der Wissenschaftler. Bauer geht nicht davon aus, dass ein Bin-Laden-Grab an Land zu einer Wallfahrtsstätte geworden wäre. "Das ist nicht realistisch. Bin Laden gehörte innerhalb des Islams zur Sekte der Wahhabiten." Für sie sei die anonyme Bestattung die Regel. "Sie lehnen eine Heiligen- oder Gräberverehrung vehement ab."
Auch ohne Grabstätte sei weiterhin denkbar, dass der Terroristenführer in den Augen von Fanatikern zum Märtyrer verklärt werde. "So oder so kann es Leute geben, die ihn als Märtyrer bewundern." Dazu sei kein Grab nötig.