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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   16.06.2011, 11:00 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: Joseph E. Stiglitz - Der IWF braucht mehr als einen neuen Chef

Der Weltwährungsfonds muss ein faires und transparentes Verfahren festlegen, um einen kompetenten Direktor zu bestimmen. Dann spricht auch nichts gegen eine Französin.
© Bild: 2010 ftd.de
Kommentar Der Weltwährungsfonds muss ein faires und transparentes Verfahren festlegen, um einen kompetenten Direktor zu bestimmen. Dann spricht auch nichts gegen eine Französin. von Joseph E. Stiglitz 
Joseph E. Stiglitz ist Professor an der Columbia University und Nobelpreisträger für Ökonomie. Sein aktuelles Buch trägt den Titel Im freien Fall: Vom Versagen der Märkte zur Neuordnung der Weltwirtschaft.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird früher als erwartet einen neuen Geschäftsführenden Direktor bekommen. Seit über zehn Jahren übe ich Kritik an der Führungsstruktur des IWF, die durch die Wahl seines Chefs symbolisiert wird. Gemäß einer informellen Verständigung unter den größten Anteilseignern - der G8 - soll der Geschäftsführende Direktor von den Europäern gestellt und der zweitwichtigste Posten sowie die Spitze der Weltbank von den Amerikanern besetzt werden.
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Nach oberflächlicher Beratung mit den Entwicklungsländern haben die Europäer genau wie die Amerikaner ihre Kandidaten normalerweise hinter den Kulissen ausgewählt. Das Ergebnis war allerdings oft weder für den IWF gut, noch für die Weltbank oder die Welt.
Am berüchtigtsten war die Ernennung von Paul Wolfowitz zum Präsidenten der Weltbank, einem der Hauptarchitekten des Irakkrieges. Die dort von ihm getroffenen Entscheidungen waren nicht besser als jene, die dazu geführt haben, dass sich die Vereinigten Staaten auf dieses verhängnisvolle Abenteuer eingelassen haben. Nachdem er den Kampf gegen die Korruption ganz oben auf die Tagesordnung der Weltbank gesetzt hatte, trat er in der Mitte seiner Amtszeit nach dem Vorwurf der Günstlingswirtschaft zurück.
Als sich schließlich in der Folge der durch die USA verursachten Großen Rezession eine neue Ordnung abzuzeichnen schien, einigte sich die G20 (so dachte man zumindest) darauf, dass der nächste IWF-Direktor in einem offenen und transparenten Verfahren ausgewählt werden würde. Man ging davon aus, dass am Ende eines solchen Verfahrens fast sicher ein Geschäftsführender Direktor aus einem Schwellenland stehen würde.
Schließlich ist die Hauptverantwortung des IWF die Bekämpfung von Krisen, die meist Entwicklungsländern zu schaffen machen - über einhundert seit die katastrophale Politik der Deregulierung der Finanzmärkte und der Liberalisierung vor etwa 30 Jahren ihren Anfang genommen hat. Viele dieser Schlachten wurden von Helden in den Schwellenländern geschlagen.
Der Umgang mit Krisen erfordert große Sorgfalt. Im Jahr 1997 hat das Missmanagement der Krise in Ostasien durch den IWF und das US-amerikanische Finanzministerium Einbußen zu Rezessionen werden lassen und Rezessionen zu Depressionen. Eine derartige Leistung kann sich die Welt nicht noch einmal erlauben.
Heute droht die Krise in Europa, wo die Europäische Zentralbank ihren eigenen Bilanzen und denen europäischer Banken - schwer mit Schulden aus Irland, Griechenland und Portugal belastet - offenbar Vorrang vor dem Wohlergehen der Bürger dieser Länder einräumt. Eine Umschuldung ist hier höchstwahrscheinlich unumgänglich, doch nachdem die EZB zugelassen hat, dass die Banken über jedes Maß der Besonnenheit hinaus Fremdkapital aufnehmen und sich mit giftigen Wertpapieren beladen, warnt sie jetzt vor Umschuldungen oder Abschreibungen aller Art.

Teil 2: Umschuldung höchstwahrscheinlich unumgänglich

  • FTD.de, 16.06.2011
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