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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   17.06.2011, 12:55 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: Kenneth Rogoff - Vom Euro-Schneeball zur Lawine

Es sieht so aus, dass die derzeitige Strategie zur Rettung der Fast-Pleitestaaten mit einem Krach endet. Warum sollten die Griechen, Iren und Portugiesen jahrelang sparen, um die französischen und deutschen Bankensysteme zu stützen?
© Bild: 2010 Bloomberg
Kommentar Es sieht so aus, dass die derzeitige Strategie zur Rettung der Fast-Pleitestaaten mit einem Krach endet. Warum sollten die Griechen, Iren und Portugiesen jahrelang sparen, um die französischen und deutschen Bankensysteme zu stützen? von Kenneth Rogoff 
Kenneth Rogoff ist Professor für Ökonomie und Public Policy an der Universität Harvard und ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds.
Europa steckt in einer Verfassungskrise. Niemand scheint die Macht zu haben, eine sinnvolle Lösung der Schuldenkrise seiner Peripheriestaaten durchzusetzen. Statt die offensichtlich nicht zu bewältigenden Schuldenlasten Portugals, Irlands und Griechenlands (PIG-Staaten) umzustrukturieren, drängen Politiker und Entscheidungsträger auf immer größere Rettungspakete mit immer unrealistischeren Sparauflagen. Leider schieben sie damit das Problem nicht nur vor sich her, sondern wie einen Schneeball den Berg hinunter.
Die Gründung eines EU-Finanzministeriums...

 

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Es stimmt schon: Im Augenblick ist das Problem wirtschaftlich noch zu bewältigen. Das Wachstum der Eurozone ist ansehnlich, und nur 6 Prozent vom BIP der Eurozone entfallen auf die PIG-Staaten. Doch durch ihr stures Beharren, dass diese Länder es mit einer Liquiditätskrise und nicht mit einem Solvenzproblem zu tun hätten, gefährden die Vertreter der Eurozone das gesamte System. Wichtige Euroländer wie Spanien und Italien haben - insbesondere angesichts ihres anämischen Wachstums und eines klaren Mangels an Wettbewerbsfähigkeit - enorme eigene Schuldenprobleme. Das Letzte, was sie brauchen, ist, dass man den Leuten vormacht, dass bereits eine stillschweigende Transferunion besteht und Reformen und wirtschaftliche Umstrukturierung warten können.
Die Vertreter der Europäischen Union argumentieren, dass es katastrophale Folgen hätte, die Schulden eines Mitgliedslandes proaktiv umzustrukturieren. Was sicherlich stimmt, ist, dass es nach einer Umstrukturierung in Griechenland zu starken Ansteckungserscheinungen kommen wird. Diese lassen sich nur dadurch aufhalten, dass Deutschland eine feste, glaubwürdige Brandmauer errichtet, und zwar vermutlich um die Schulden der spanischen und italienischen Zentralregierungen.
Dies wäre genau die Art nüchterner Lösung, wie man sie in einem wirklich integrierten Währungsraum erleben würde. Warum also finden Europas Führungen diese Übergangslösung so unvorstellbar?
Vielleicht liegt es daran, dass ihnen die Steuerungsmechanismen fehlen, um schwierige Entscheidungen zu treffen und Gewinner und Verlierer auszuwählen. Die schwachen, fragmentierten Institutionen der EU können über Steuereinnahmen von nicht einmal 2 Prozent vom BIP der Eurozone verfügen. Im Wesentlichen erfordert jede Art von kühner Entscheidung Einstimmigkeit. Es heißt "Alle für einen und einer für alle" - unabhängig von Größe, Schuldenstand und Rechenschaftspflicht. Es hat keinen Sinn, einen Plan B zu entwerfen, wenn die Befugnis oder Fähigkeit, ihn auszuführen, fehlt.

Teil 2: Könnte Europa mit Glück davonkommen?

  • FTD.de, 17.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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