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Merken   Drucken   05.12.2011, 15:43 Schriftgröße: AAA

Versöhnungsprozess am Hindukusch: Der Schatten über der Afghanistan-Konferenz

Kommentar Wer zu viel will, verhindert Lösungen. Die USA sollten einsehen, dass sie auf Dauer keine Sonderstellung einnehmen können. von Elke Hoff
Elke Hoff ist sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion.

Eigentlich zeichneten sich die Probleme für die Bonner Afghanistan-Konferenz bereits bei der Vorgängerkonferenz in Istanbul ab: Statt einer vom Westen favorisierten Übereinkunft für einen notwendigen regionalen Sicherheits- und Stabilitätsmechanismus à la OSZE betonte das Abschlussdokument lediglich die zentrale Rolle der Vereinten Nationen sowie regionaler asiatischer Kooperationen, allen voran der Shanghai Cooperation Organisation mit China und Russland als wichtigsten Mitgliedern. Kein Wort von einer besonderen Rolle Europas, der USA oder gar der Nato, denn offensichtlich fürchtete man eine zu starke westliche Dominanz in einem solchen Prozess.
Elke Hoff ist sicherheitspolitische Sprecherin der ...   Elke Hoff ist sicherheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion
Ein Kernproblem, das den Versöhnungsprozess in Afghanistan inzwischen unübersehbar überschattet, ist der hartnäckige Versuch der USA, eine eigene Sonderrolle in der Region einzunehmen, und die ebenso hartnäckigen Manöver der Nachbarn Afghanistans, allen voran Pakistans, dies mit allen Mitteln zu verhindern.
Ginge es allein um Afghanistan, wäre die Sache relativ einfach: Die internationale Gemeinschaft müsste sich langfristig zur weiteren Ausbildung und Finanzierung der afghanischen Sicherheitskräfte und zum ökonomischen und institutionellen Aufbau des Landes verpflichten.
Aber es geht leider um mehr: um langfristige geostrategische Interessen der Amerikaner in der Region, um pakistanische Sicherheitsbedürfnisse und um die iranische Schreckensvision einer US-amerikanischen Präsenz vor der eigenen Haustür. Es geht um den sicheren Energietransport aus Zentralasien, um die Verhinderung iranischer Öl- und Gaslieferungen auf den indischen Subkontinent und um die Verteilung afghanischer Rohstoffe. Es dürfte kaum verwundern, dass ausgerechnet das brutale Hakkani-Netzwerk mit angeblich guten Kontakten zum pakistanischen Geheimdienst ein großes Vorkommen seltener Erden auf seinem hart umkämpften Territorium kontrolliert. China entwickelt sich inzwischen zu einem guten Freund Pakistans, und Russland hat Islamabad nach der Istanbul-Konferenz eingeladen, nun möglichst rasch Mitglied der Shanghai Cooperation zu werden.

Teil 2: Abkehr von doppelbödigem Taktieren

  • FTD.de, 05.12.2011
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