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Merken   Drucken   28.01.2012, 14:15 Schriftgröße: AAA

Weltwirtschaftsforum: Türkei trumpft in Davos auf

Auch dieses Jahr nutzen viele Nationen das Weltwirtschaftsforum, um Standortpolitik zu betreiben. Die Türken versuchen, ihr angekratztes Image wieder aufzubessern.
© Bild: 2012 Bloomberg/Kerem Uzel
Auch dieses Jahr nutzen viele Nationen das Weltwirtschaftsforum, um Standortpolitik zu betreiben. Die Türken versuchen, ihr angekratztes Image wieder aufzubessern. von Sven Clausen  Davos
Noch mehr europäisches Selbstbewusstsein als die Deutschen legen in Davos nur die Türken an den Tag. In einer Debatte über die Zukunft der Euro-Zone hielt sich Egemen Bagis, der EU-Minister des aufstrebenden Landes, nicht lange mit diplomatischer Zurückhaltung auf. Es sei jetzt mal Zeit für Zuversicht, sagte er. Ein neues Europa sei möglich, rief er dem Plenum zu. Eines mit einer jungen Bevölkerung, Wachstum und einer Nähe zu wichtigen Energiequellen. Und das könne dann natürlich nur ein neues Europa mit der Türkei sein. Denn genau das biete sein Land.
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Den prallen Optimismus stützte einige Stunden später der Vizepremier. Die Wirtschaft werde in diesem Jahr um vier Prozent wachsen, sagte Ali Babacan, wiederholte damit alte Prognosen und widersprach deutlich pessimistischeren Annahmen des Internationalen Währungsfonds. Der IWF ging zuletzt von einem Wachstum von nur noch rund einem Prozent aus - nach 8,3 Prozent 2011.
Auch im Kleinen verkündeten die Türken Großes. Der türkische Milliardär Ferit Sahenk kündigte Investitionen zwischen 200 und 300 Mio. Dollar in Griechenlands Marinewirtschaft an. Und auch einer anderen notleidenden europäischen Branche will sich der Aufsichtsratschef des Mischkonzerns Dogus annehmen. Er plane, in Osteuropa Anteile an Banken zu übernehmen, sagte er in Davos.
EU-Minister Bagis hatte eine Begründung für die neue Stärke seines Landes und schlug der EU vor, aus den türkischen Erfahrungen zu lernen. Im Grunde sei es ganz einfach gewesen: Die Türkei habe sich zuerst einer politischen Reform unterzogen, angestoßen durch die EU, um irgendwann einmal Beitrittsverhandlungen starten zu können.
Danach habe der IWF sein Land zu ökonomischen Reformen gezwungen. Das sei hart gewesen, aber auch kein Drama. "Ihr hattet härtere Zeiten, wir hatten härtere Zeiten", sagte er. "Europa ist immer noch der beste Ort auf der Welt. Und deswegen will mein Land auch weiter beitreten." Was Bagis verschwieg: Eine rechte Not verspürt Istanbul inzwischen nicht mehr. Der Mitgliedsantrag ist zwar weiterhin aktiv, sein Regierungschef Recep Tayyip Erdogan verfolgt ihn aber nur noch halbherzig.
Helle Thorning-Schmidt, Premierministerin Dänemarks und aktuelle Ratspräsidentin, jedenfalls wies jede Verantwortung von sich, die Bürger Europas neu für die EU zu begeistern. Das sei nicht die Aufgabe von Politikern. Sie müssten einzig dafür sorgen, dass die Institutionen funktionieren, Regeln eingehalten werden und das einfache, tägliche Leben der EU-Bürger sich verbessere, sagte sie in Davos. Und das heiße vor allem: "Wir müssen Jobs schaffen."
Da wollten Jyrki Tapani Katainen, Premier Finnlands, und Enda Kenny, sein irisches Pendant, nicht nachstehen. Europa habe die Chance, auf Dauer der größte Handelsblock der Welt zu werden, sagte Kenny. Da kann die Türkei nur helfen.
  • FTD.de, 28.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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