Boommarkt Bio
Der Schwindel flog vor einem Jahr auf. In Dutzenden Dörfern der indischen Provinzen Madhya Pradesh und Maharashtra, die vor allem vom Baumwollanbau leben, war gentechnisch verändertes Saatgut ausgesät worden. Die Farmer wissen, wie lukrativ das Geschäft ist: Gentechbaumwolle steigert kurzfristig die Erträge. Und Biobaumwolle ist meist teurer als konventionelle - um bis zu 50 Prozent.
Lokale Medien deckten auf, dass die gentechnisch veränderte Ware unter dem Bio-Label vermarktet wurde. Die indische Agrarbehörde Apeda schritt ein und belegte die beteiligten Firmen mit einem Strafgeld: Neben dem indischen Fairtrade-Unternehmen Raj Eco Farm waren dies die Zertifizierer Ecocert aus Frankreich und Control Union aus den Niederlanden. Ob die Zertifizierer die Ware wissentlich falsch auszeichneten oder nicht, ist unklar. Fakt ist: Mit den Siegeln von Ecocert und Control Union deklarieren europäische Handelsketten ihre Ware als "100 Prozent organisch". H&M wirbt mit der Produktlinie "Organic Cotton", die reine Ökobaumwolle verspricht. C&A und Tchibo versprechen ihren Kunden "100 Prozent Bio".
Tchibo spricht von einem "Gau" und kündigt an, ein unabhängiges Labor einzuschalten, um seine Ware zu überprüfen. Die Hamburger versichern ebenso wie C&A, dem Fall auf den Grund zu gehen. Ein C&A-Sprecher sagt, "wenn an den Vorwürfen etwas dran sei, sei das kriminell und ein juristischer Verstoß". H&M erklärt, man habe mit dem Zertifizierer gesprochen, "damit sich ein solcher Fehler nicht wiederholt".