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28.07.2010, 10:18
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So will Dudley BP vor Untergang retten
Für den britischen Ölkonzern BP bricht eine neue Ära an: Mit Bob Dudley rückt erstmals ein Amerikaner auf den Chefsessel. Er ist die letzte Hoffnung des angeschlagenen Unternehmens - und soll etwas schaffen, was kaum zu schaffen ist.
von Kathrin Werner, Hamburg
und Titus Kroder, London
Dienstag, 7 Uhr, in Amerika beginnt ein neuer Tag. Ein blasser, ernster Mann steht im Aufnahmestudio des US-Senders ABC, das Programm "Good Morning America" geht auf Sendung. Es ist sein großer Tag, aber darüber will Robert "Bob" Dudley jetzt nicht reden. Stattdessen verkündet er seine Botschaft, noch mal und noch mal und noch mal: BP werde alles wiedergutmachen,
BP werde alles aufräumen, die Strände und den Golf, BP werde aus den Fehlern lernen. BP werde sich verändern.
BP-Manager Robert Dudley
Wenige Stunden zuvor hatte drüben in Europa sein Konzern verkündet, was die meisten Beobachter eh erwartet hatten: Bob Dudley wird ab Oktober neuer Vorstandschef des britischen Ölmultis und damit Nachfolger des unglücklichen Tony Hayward. Dass Dudley seinen ersten öffentlichen Auftritt des Tages im US-Frühstücksfernsehen hat, sagt alles: Erst einmal zählt nichts außer die Krise vor Amerikas Küste.
Der 54-Jährige übernimmt den wohl kniffligsten Managementposten, der derzeit zu vergeben ist. Nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko vor drei Monaten wankt der Konzern, Übernahmegerüchte haben die Runde gemacht, von Zerschlagung wird gesprochen, der Aktienkurs ist um 40 Prozent eingebrochen, BP rechnet wegen der Katastrophe bislang mit Kosten von 32 Mrd. Dollar. Ein Albtraum.
Dudley muss Investoren beruhigen, neues Vertrauen schaffen, Anteile verkaufen - und das überlebenswichtige US-Geschäft retten. Kurz gesagt: Er muss BP vor dem Untergang bewahren. Er ist die letzte Hoffnung - und gleichzeitig vielleicht nicht mehr als ein Übergangschef. Denn die Probleme, die er meistern muss, sind gewaltig.
Dudleys wichtigste Aufgabe ist das Krisenmanagement am Golf von Mexiko, das er schon vor ein paar Wochen übernommen hat. Er wird wohl wenig Zeit in der Londoner BP-Zentrale am schicken Saint James Square verbringen, dafür viel in den USA, wo sein Vermittlungsgeschick mehr gefragt sein wird denn je - in Fernsehinterviews, an den Stränden der Golfküste mit Fischern und kleinen Tourismusunternehmen. Und in Washington, wo noch entschieden wird, ob BP die Bohrlizenz in den USA behalten darf oder nicht.
Die USA sind überlebenswichtig für den Konzern. Jedes dritte Fass Öl fördert BP entweder im Golf von Mexiko oder in Alaska. Für die Briten ist Amerika die einzige Zukunft. Obwohl das Konzernkürzel einmal für "British Petroleum" stand, ist der größte europäische Ölmulti längst völlig auf die USA ausgerichtet. BP ist der größte Ölförderer des Landes, das Unternehmen hat 30 Prozent seiner Öl- und Gasreserven in Projekten in Nordamerika liegen, 40 Prozent des Kapitals sind dort investiert, und ein ebenso hoher Anteil des Umsatzes wird dort erzielt. Ohne Amerika ist BP nur eine Regionalmacht der Branche.
Teil 2: Der kleine Bob spielte da, wo jetzt das Öl angespült wird
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Aus der FTD vom 28.07.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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