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Merken   Drucken   26.11.2009, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Warm anziehen, Gazprom kommt!

Mit aller Macht drängt Gazprom auf den deutschen Markt. Nun will der russische Energiekonzern das Geschäft mit den Endkunden erobern. Deutschland begibt sich immer mehr in die Hände eines unberechenbaren Konzerns. von Michael Gassmann  Düsseldorf und Verena Diethelm, Moskau
Pfarrer Thomas Brödenfeld ahnt Böses. Kürzlich sinnierte der evangelische Geistliche von der Gnadenkirche Wesel über skurrile Namenswünsche in der Gemeinde. "Der Tag ist nicht fern", sagt Brödenfeld, "an dem der erste Schalke-Fan sein Kind 'Gazprom' nennen wird." Das sei nicht weit hergeholt: "Gazprom ist Hauptsponsor von Schalke 04 und deshalb in allen Köpfen drin."
In der Tat: Gazprom , der russische Gasgigant, ist hierzulande präsent wie nie zuvor. Hans-Joachim Gornig, Geschäftsführer der Konzerntochter Gazprom Germania, hat einen regelrechten Werbefeldzug gestartet. Sport, Spiel, Hochkultur - Gazprom mischt auf einmal überall mit. Man sponsert Fußballprojekte in Aachen und Dresden, veranstaltet Filmfestivals, kooperiert mit dem Europapark Rust und holt Tschaikowskis Oper "Eugen Onegin" ins Schloss Rheinsberg.
Die Charmeoffensive ist Teil einer Firmenstrategie, die vor allem nach Einfluss in Europa strebt. In Deutschland sind die Russen gerade dabei, dieses Ziel zu erreichen: In zehn Jahren wird das Land rund die Hälfte des deutschen Gases liefern. Und so ganz nebenbei baut das Unternehmen seine Macht im deutschen Energiemarkt aus, erhöht nach und nach die Anteile an den Gastransporteuren Wintershall und VNG. Zusammen kontrollieren die beiden bereits ein Drittel des Marktes.
Gazprom ist nicht irgendein Konzern. Er ist eines der politischsten ...   Gazprom ist nicht irgendein Konzern. Er ist eines der politischsten Unternehmen der Welt
Gazprom ist nicht irgendein Konzern. Er ist eines der politischsten Unternehmen der Welt, der verlängerte Arm des Kremls, die Herzkammer des russischen Machtanspruchs. "Einen mächtigen Hebel zur Einflussnahme auf den Rest der Welt", so bezeichnete einst Wladimir Putin Gazproms wichtigste Aufgabe. Neben dem Geldverdienen natürlich. In Deutschland ist dieser Hebel schon längst angesetzt. Das schürt auch Ängste. Die Russen sind nicht zimperlich, wenn es darum geht, Ländern den Hahn abzudrehen und Preise zu diktieren.
Gazprom-Statthalter Gornig, einst als Vize-Energieminister der DDR für den Pipelinebau zuständig, will die Skepsis nicht verstehen. "Wir sind eine ganz normale Firma", beteuert er.
Vor allem eine, die alles tut, um ihr schlechtes Image zu verbessern. Denn Gazprom hat ein Ziel: das Wachstum im Endkundenmarkt. Die Russen begnügen sich nicht mehr damit, Erdgas einfach bis an die Grenze zu liefern.

Teil 2: Konfortable Bedingungen für Mitarbeiter

  • Aus der FTD vom 26.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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