Vor einem Jahr war sich die Branche einig, dass 2010 noch einmal richtig schlimm werden würde. Doch seit ein paar Monaten geht es wieder aufwärts. Der wichtigste Beleg dafür sind die sogenannten Auflieger. Die Zahl der Containerfrachter, die in Buchten rund um den Globus stillgelegt sind, lag zu Hochzeiten bei mehr als 600. Heute sind es nur noch 174.
Es ist nicht lange her, da musste Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd von den Eignern mit rund 1,8 Mrd. Euro gestützt werden, das Ergebnis war tiefrot, und der Staat gab eine Bürgschaft über 1,2 Mrd. Euro. Die gesamte Branche verlor in der Krise laut Experten rund 20 Mrd. Dollar. Nun erhöht die größte deutsche Containerreederei ihre Prognose und will wieder signifikanten Gewinn einfahren. Die Bürgschaft nahm sie nie in Anspruch.
Auch der 2009 defizitäre Weltmarktführer A.P. Möller-Maersk hat seine Gewinnprognose angehoben: "Die Erholung ist deutlich stärker als noch vor zwei Monaten erwartet", hieß es. Wenn der Welthandel einbricht, sind die Linienreeder die Ersten, die leiden. Sie sind aber auch die Ersten, die vom Aufschwung profitieren. Schon im Auftaktquartal stiegen die Transportmengen bei Hapag um fünf, die Frachtraten um acht Prozent.
Frachtcontainer werden im Hamburger Hafen für den Export verladen.
Linienreeder transportieren Ware von einem Ort zum anderen - teils mit eigenen, zum Großteil mit gecharterten Schiffen. Nun erholt sich der Welthandel und den Reedern gelingt es, deutlich höhere Frachtraten, also Preise für den Containertransport, auszuhandeln. Knapp 70 Prozent der deutschen Schiffseigner erwarten laut einer Umfrage, dass die Frachtraten in diesem Jahr weiter steigen. Wie hoch sie sind, wird allerdings nirgends offiziell erfasst.
Mit einiger Verzögerung ist der Aufschwung auch bei den Charterreedern angekommen. Sie unterhalten keine eigenen Transportdienste, sondern kaufen Schiffe und vermieten sie dann an Linienreedereien wie Maersk oder Hamburg Süd. Seit einigen Monaten erholen sich die Mietpreise - die so genannten Charterraten - deutlich. In der Krise waren sie drastisch abgestürzt.
Zahlten die Linien laut dem Londoner Schiffsmakler Clarkson Anfang des Jahres für ein Containerschiff mit Platz für 1700 Boxen gerade einmal 4200 Dollar am Tag, waren es im Juni schon wieder 7800 Dollar. Bei größeren Schiffen fällt der Ratenanstieg noch deutlicher aus. Trotzdem reichen sie aber vor allem bei kleineren Schiffen weiterhin nicht aus, um neben den Betriebskosten auch Zins und Tilgung für das Bankdarlehen zu zahlen.
Hermann Ebel, Geschäftsführer des Fondshauses und Schiffseigners Hansa Treuhand, erwartet, dass die Raten für diese Schiffe erst von 2012 an wieder profitabel sein werden. Das trifft vor allem jüngere Frachter, die noch hoch verschuldet sind. Außerdem profitieren von dem Aufschwung nur die Eigner, die in den letzten Monaten ihre Schiffe neu vermieten konnten. Wer lang laufende Verträge zu niedrigen Raten abschließen musste, leidet weiterhin.