Peugeot Citroën versucht es mit einer Neuordnung: Mit Stellenabbau und Werkschließung stemmt sich der französische Autobauer gegen die Krise. 8000 Mitarbeiter sollen das Unternehmen verlassen, außerdem macht PSA sein Werk in Aulnay-sous-Bois bei Paris dicht.
Im Werk Aulnay-sous-Bois arbeiten etwa 3300 Menschen an der Produktion des Kleinwagens C3. Die Fertigung dort soll ab 2014 stillstehen. Auch in Rennes fallen künftig 1400 der 5600 Jobs weg. Peugeot will damit auf die sinkende Nachfrage nach größeren Fahrzeugen reagieren. Im Konzern werden zusätzlich 3600 Beschäftige in verschiedenen Bereichen ihren Job verlieren. Der Kurs stieg nach der Ankündigung um 2,6 Prozent auf 7,34 Euro.
Peugeots Autosparte wird im ersten Halbjahr einen operativen Verlust von 700 Mio. Euro vorlegen, teilte das Unternehmen weiter mit. Der Konzern verbrannte demnach seit Mitte vergangenen Jahres monatlich 200 Mio. Euro.
Der Autobauer hatte bereits im November angekündigt, rund 6000 Stellen streichen zu wollen. Damit verlieren insgesamt 14.000 Peugeot-Mitarbeiter ihren Job. Der Autobauer leidet unter mangelndem Kundeninteresse in den schuldengeplagten Euro-Ländern. Im ersten Halbjahr gingen die weltweiten Auslieferungen um 13 Prozent auf 1,62 Millionen Autos zurück. In Europa sei der Absatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 Prozent auf 980.000 Fahrzeuge eingebrochen. Angesichts des Absatzeinbruchs im Kernmarkt dürfte kaum noch jemand an die Jahresprognosen glauben, die Einbußen nur im niedrigen einstelligen Bereich erwarten.
Konzernchef Philippe Varin versucht mit dem Sparprogramm, die tiefe Krise des Autobauers in den Griff zu bekommen. PSA ist ebenso wie sein Konkurrent Renault in Not geraten: Die Verkaufszahlen brechen seit Beginn der Euro-Krise ungebremst ein. "Die Hersteller ersticken regelrecht", warnt Carlos da Silva, Analyst beim Marktforscher IHS Automotive in Paris. Lobbyisten der 600.000 Mitarbeiter zählenden Branche flehen mittlerweile in dramatischen Appellen die neue sozialistische Regierung um Hilfe an. Die sucht fieberhaft nach Lösungen, um Jobs zu retten, ohne das Staatsdefizit ansteigen zu lassen. Frankreichs Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault kündigte an, die Regierung werde bis zum 25. Juli einen staatlichen Hilfsplan für die Autoindustrie präsentieren.
Wie Opel oder Fiat leiden die französischen Massenhersteller an ihrer Abhängigkeit vom Heimatkontinent - die sich besonders in Südeuropa rächt. Peugeot Citroën und Renault haben die Trends in Schwellenmärkten und im Premiumsegment vor Jahren verpasst. Jetzt bemühen sie sich, den Rückstand aufzuholen: Sie bauen, soweit es die Finanzen zulassen, ihr Geschäft in China, Russland und Brasilien aus. Sie imitieren, wie Citroën mit den DS-Modellen, die Premiumstrategie des Vorbilds Volkswagen . "Aber das hilft in einer Industrie mit sehr langen Zyklen kurzfristig wenig", sagt da Silva. Vor allem Renault habe jenseits des Nischenmarkts für E-Autos zu wenige attraktive Produkte, um gut durch schwere Zeiten zu kommen.
Die Krise greift die Cashbestände an. Eine aufwendige Präsentation des neuen Modells des Kleinwagens Clio, die im Juli in Genf geplant war, hat Renault aus Kostengründen abgesagt. Und PSA-Chef Varin hat schon im Winter ein Programm aufgelegt, damit die Konzernkasse flüssig bleibt: Um 1,5 Mrd. Euro zu erlösen, hat er den Konzernsitz und die Autovermietung Citer losgeschlagen. Ein Anteil am Logistiker Gefco wird ebenfalls verkauft. Auch 6000 Stellen wurden gestrichen.
In seiner Not greift Varin nach dem rettenden Strohhalm: Im Februar vereinbarte er eine Allianz mit der Opel-Mutter General Motors (GM), die sieben Prozent an PSA hält. Doch bis Synergieeffekte in Einkauf und Logistik wirken und gemeinsame Plattformen entwickelt sind, vergehen wertvolle Jahre.
Rivale Renault stellt sich schon darauf ein, dass die Krise zum Dauerzustand wird: "Drei bis vier Jahre Stagnation" erwartet Renault-Chef Carlos Ghosn.
PSA und Renault haben identische Probleme am Markt. Frustrierend für das PSA-Management um Varin ist, dass die Investoren dennoch stark unterscheiden: Während PSA ungeachtet des GM-Einstiegs seit Jahresbeginn ein Drittel an Wert verlor, legte die Renault-Aktie 24 Prozent zu. Die Anleger honorieren, dass Renault dank der Billigmarke Dacia und Beteiligungen am japanischen Hersteller Nissan und der russischen Lada-Mutter Avotvaz die eigene Schwäche abfedern kann. Auch für Peugeot Citroën gibt es noch Hoffnung: Seit Kurzem läuft der Clio-Konkurrent Peugeot 208 vom Band - und übertrifft die Verkaufsziele sogar leicht. Der Kleinwagen fährt nur geringe Margen ein. Aber er bringt, trotz allem, Geld in die Kassen. Und das ist, was für Varin in der Not zählt.