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Merken   Drucken   29.11.2011, 21:25 Schriftgröße: AAA

Energiewende: Gegenwind für Gaskraftwerke

Die Basis für stabile Stromnetze schrumpft: Nach der Energiewende stehen die Standorte Emden und Landesbergen des Versorgers Statkraft vor dem Aus. Die Netzagentur ist überrascht.
© Bild: 2011 dapd/Focke Strangmann
Exklusiv Die Basis für stabile Stromnetze schrumpft: Nach der Energiewende stehen die Standorte Emden und Landesbergen des Versorgers Statkraft vor dem Aus. Die Netzagentur ist überrascht. von Michael Gassmann  Düsseldorf
Die Energiewende wirbelt den deutschen Strommix durcheinander. Nun stehen überraschend zwei größere Gaskraftwerke des norwegischen Stomkonzerns Statkraft in Niedersachsen auf der Kippe. "Wir prüfen, ob wir die Kraftwerke Landesbergen und Emden erhalten können", sagte Jürgen Tzschoppe, Chef der deutschen Tochter Statkraft Markets, der FTD in Düsseldorf. Die Chancen stünden aber schlecht: "Momentan ist die Marktlage sehr schwierig."
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Die Basis für stabile Netze schrumpft damit. Dabei gelten gerade Gaskraftwerke als ideale Ergänzung für den Ausbau der Erneuerbaren, werden aber durch Windkraftanlagen im Norden verdrängt. Gaskraftwerke sind gut steuerbar und können Schwankungen bei Wind- und Solarstrom am besten ausgleichen.
"Wir werden möglicherweise mehr Netzeingriffe vornehmen müssen", sagte eine Sprecherin des Netzbetreibers Tennet. Der Ausfall zweier Gaskraftwerke im Norden sei aber zu verkraften: "Ginge es um Süddeutschland, wäre die Situation schwieriger." Wegen der hohen Windkraftkapazitäten in der norddeutschen Tiefebene kämen die Gaskraftwerke kaum noch zum Einsatz, begründete Tzschoppe den Schließungsplan. Früher seien die beiden Anlagen mit zusammen knapp 1000 Megawatt Leistung - fast so viel wie ein Kernkraftwerk - etwa 1000 bis 2000 Stunden jährlich in Betrieb gewesen, zuletzt liefen sie aber nur noch wenige Hundert Stunden. Chancen auf längere Nutzungsdauern bestehen kaum, da der Ausbau von leistungsstarken Windparks in Nord- und Ostsee vorangetrieben werden soll.
Die Bundesnetzagentur hat eine Schließung der Statkraft-Anlagen bisher nicht eingeplant. Nach dem letzte Woche vorgelegten Monitoringbericht rechnet die Behörde damit, dass bis Ende 2013 neben Atommeilern rund 3000 Megawatt Kohleleistung vom Netz gehen, aber keine Gaskraftwerke. Stromknappheit droht laut Netzagentur vor allem im Süden Deutschlands. Dort sollen alte Kohle- und Ölkraftwerke entmottet werden.
Der norwegische Staatskonzern Statkraft stützt sich zu 90 Prozent auf Wasserkraft, in Deutschland aber hauptsächlich auf Erdgasgeneratoren. Gegenwärtig ist ein neuer Block mit 430 Megawatt Leistung in Hürth bei Köln im Bau, der 2013 in Betrieb gehen soll. Es wird vorerst der letzte bleiben. "Wir haben derzeit über die bereits angelaufenen Projekte hinaus keine neuen Großprojekte für Gaskraftwerke auf dem Tisch", erklärte Tzschoppe. Die beiden Kraftwerke in Niedersachsen erwarb Statkraft 2009 von Eon, vier Jahre nach dem Einstieg in den deutschen Markt. Die Blöcke aus den 60er- und 70er-Jahren sind schon aufgrund ihres niedrigen Wirkungsgrads von 35 Prozent kaum wirtschaftlich. Moderne Anlagen wie in Hürth sind fast doppelt so effizient.
Doch angesichts hoher Gaskosten und relativ niedriger Strompreise seien selbst mit neuen Gaskraftwerken im Moment kaum auskömmliche Margen zu erzielen, so Tzschoppe. Er bestätigte damit Angaben deutscher Konzerne wie RWE . Danach müsste der Strompreis 85 bis 90 Euro je Megawattstunde erreichen, um Investments in neue Gaskraftwerke zu rechtfertigen - rund 50 Prozent mehr als momentan.
"Derzeit gibt es keine Preissignale, die auf den Bau neuer Kraftwerke hindeuten", bekräftigte Tzschoppe. "Das kann nur heißen, dass wir sie nicht brauchen." Damit widerspricht der Statkraft-Manager deutschen Stadtwerken. Deren Lobby VKU macht sich für den Bau subventionierter Kraftwerke stark. In einem staatlich gepäppelten Kapazitätsmarkt sollen danach die Anlagen immer dann einspringen, wenn zu wenig Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt wird. "Die Politik kann diesen Prozess beschleunigen, wenn sie den Unternehmen die dringend notwendigen Investitionsanreize zugesteht", forderte VKU-Chef Hans-Joachim Reck kürzlich. Die Staatshilfen sollten nur kleineren Stromerzeugern zugute kommen und bis 2016 ausgedehnt werden.
Statkraft, obgleich potenzieller Profiteur einer solchen Regelung, lehnt eine Beteiligung ab. "Investitionen auf der Basis von Subventionen in Technologien, die eigentlich im Markt stehen sollten, halte ich nicht für zielführend", sagte Tzschoppe. Generell seien Erzeugungskapazitäten in Deutschland nicht knapp. Plötzliche Stilllegung der Meiler im Hochspannungsnetz könnten aber "akute Probleme aufwerfen", heißt es in einem Statkraft-Positionspapier.
  • Aus der FTD vom 30.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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