Vor gut 30 Jahren sorgten japanische Autos im Westen für Furore. Inzwischen gehören Asiens Hersteller zu den weltgrößten Marken. Diesen Erfolg will Honda nun wiederholen - im Markt für Geschäftsreiseflieger. Honda will ab Ende 2013 als erster japanischer Hersteller einen kleinen Jet mit Düsenantrieb ausliefern. Soeben lief die Serienproduktion an.
Die Modelle werden direkt im Schlüsselmarkt USA produziert und sind nicht als Billigimporte aus Fernost geplant. "Honda kommt mit einem Premiumprodukt und nicht mit einem Kampfpreis", sagt Zentraleuropa-Chefverkäufer Patrick Schwegmann in einem FTD-Gespräch. "Es könnte wie im Automarkt laufen. Erst wurden die Japaner unterschätzt, heute sind sie nicht mehr wegzudenken."
Mit Honda engagiert sich erstmals ein Japaner im Segment der kleinen Geschäftsreiseflieger mit Düsenantrieb, der sogenannten Very Light Jets, die mit einem Piloten auskommen. Die Kunden der Kleinjets sind Firmen, Charterunternehmen oder vermögende Privatpersonen.
Zwar sind auch andere japanische Konzerne in der Luftfahrt tätig, etwa Mitsubishi bei Regionaljets oder als Zulieferer für den Boeing 787 Dreamliner. Mit Honda tritt aber erstmals ein Japaner in ein Marktsegment, das bislang ausschließlich von westlichen Konzernen wie Cessna (USA), Embraer (Brasilien) oder Dassault (Frankreich) dominiert wird.
Das Wagnis kostet Honda angeblich mehrere Hundert Millionen Dollar. Der Konzern, der schon Motorräder, Autos, Roboter und Schiffsmotoren baut, fing im Flugzeugbau bei Null an. Bereits Ende der 80er-Jahre gab es Überlegungen für einen Honda-Flieger. 2003 flog der erste Prototyp. Erst zehn Jahre später soll nun die Erstauslieferung an einen Kunden erfolgen.
Die sehr lange Entwicklungszeit ist eine Mischung aus Gründlichkeit und kleineren Rückschlägen. So musste das eigens entwickelte neue Jettriebwerk - als Gemeinschaftsprojekt von Honda mit dem US-Hersteller General Electric - nach Problemen mit Eistests geändert werden. Das verzögerte die Auslieferung um rund ein Jahr. "Auch wenn der Erstflug zehn Jahre zurückliegt, ist der Jet nicht veraltet. Das Modell wurde ständig weiterentwickelt. Die Japaner machen nichts schnell", sagt Schwegmann. So gibt es jetzt modernste Garmin-Cockpitarmaturen mit Touchscreentechnik.
Der fast 13 Meter lange und 4,5 Mio. Dollar teure Jet soll insgesamt mit vielen Innovationen und einer ungewöhnlichen Konstruktion am Markt punkten. Die Triebwerke sind nicht wie üblich am Rumpf montiert, sondern sitzen oberhalb der Flügel.
Das bringe viele Vorteile, argumentiert Honda. So sei der Innenraum größer und damit komfortabler. Im Normalfall haben neben dem Piloten fünf Passagiere Platz, alternativ auch sechs. Zudem seien die Leistungsdaten besser als beim Wettbewerb. "Es ist der schnellste Jet seiner Klasse, bei niedrigerem Verbrauch und höherer Umweltfreundlichkeit. Das Modell soll durch Innovationen und Qualität punkten", sagt Schwegmann. Mit 420 Knoten Spitzengeschwindigkeit - rund 780 Stundenkilometer - sei es der schnellste Kleinjet seiner Klasse.
Bei dem einen Flugzeugmodell wird es wohl nicht bleiben. "Honda will sich als Hersteller im Luftfahrtmarkt etablieren. Es ist nicht nur dieses eine Flugzeug, sondern das erste einer ganzen Produktfamilie", sagt Schwegmann.
Seit der Honda-Jet ab 2008 am Markt angeboten wird, gingen über 100 Bestellungen ein, davon rund 20 Prozent aus ganz Europa. "Wenn die ersten Modelle fliegen, kommt die weitere Nachfrage. Einige warten erst ab", sagt Hondajet-Central-Europe-Manager Schwegmann.
Wie es heißt, sind für 2014 rund 70 Auslieferungen geplant, 2015 sollen es dann etwa 100 sein. Honda peilt mittelfristig einen Marktanteil von etwa 20 Prozent im sogenannten Light-Jet-Markt an.