Wer die wahren Auftraggeber sind, ist bis heute unklar: "Wir brauchen verpflichtende Transparenzregeln, die Lobbyagenturen zur Offenlegung ihrer Auftraggeber und Finanzierung zwingen", fordert Nina Katzemich von Lobbycontrol.
BKP-Partner Kallmorgen wehrt sich: BKP trage die Kosten von NTSA selbst, erklärt Kallmorgen gegenüber der FTD. "Es war unsere Hoffnung, uns dadurch im Solarmarkt einen Namen zu machen."
Auch First Solar engagierte Lobbyagenturen und gut vernetzte Anwälte, um Einfluss auf die Abgeordneten zu nehmen. "First Solar stand als erster bei allen vor der Tür mit dem Argument, Kadmiumtellurid sei kein Kadmium und bei professioneller Entsorgung kein Problem", sagt Jo Leinen (SPD), Vorsitzender des Umweltausschusses im EU-Parlament. "NTSA ist später gestartet mit der Gegenthese, das Kadmium sei eine tickende Zeitbombe."
Tatsächlich gibt es Gutachten, die bei Kadmium in Solaranlagen kaum Gefahren sehen. Es gibt aber auch Wissenschaftler, die das Gegenteil erklären.
Die Debatte wird also weiter gehen: Im Frühjahr stimmt das Parlament über die Richtlinie über die Entsorgung von Elektroschrott ab. Dort drohen First Solar strenge Regeln - auch ohne Hühnerleichen.
Kadmiumtellurid
Der Stoff Cadmium ist krebserregend. Umstritten ist unter Wissenschaftlern, inwieweit die in Solarzellen verwendete Kadmiumtellurid-Verbindung auch ein Risiko für die Verbraucher und wie sicher das Kadmiumtellurid in den Glasschichten der Solarmodule vor dem Austreten geschützt ist.
Die Unternehmen Dünnschichtzellen werden größtenteils auf der Basis von Kadmiumtellurid-Halbleitern gefertigt. Fast die Hälfte davon liefert First Solar. Auch die Q-Cells-Tochter Calyxo setzt auf Kadmium, weil die Produktion günstiger als die Siliziumtechnik ist.