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Merken   Drucken   25.11.2010, 11:30 Schriftgröße: AAA

Kadmium in Solarzellen: Niederlage für Solarworld

Im Kampf gegen den größten Rivalen First Solar erleidet Solarworld-Chef Frank Asbeck eine Niederlage. Solarzellen werden weiterhin vom Verbot gefährlicher Stoffe in Elektrogeräten ausgenommen. von Kathrin Werner  und Reinhard Hönighaus 
Solarworld -Chef Frank Asbeck hat einmal eine Geschichte erzählt. Sie spielt auf einem Geflügelhof im Münsterland: Der Hof brannte ab - inklusive 58.000 Hühnern und einer Solaranlage auf dem Dach. Der Schutt, lästerte Asbeck, habe als Sondermüll entsorgt werden müssen. Wegen des Kadmiums in den Solarzellen. Die Module des Geflügelhofs stammten von First Solar , Asbecks größtem Rivalen.
Solarworld-Chef Frank H. Asbeck   Solarworld-Chef Frank H. Asbeck
Heute lacht man beim Marktführer aus den USA über Asbecks Attacke. Denn schon bald stellte sich heraus, dass der Schutt nur aus einem Grund Sondermüll war: wegen des Tierseuchengesetzes.
Asbeck kämpft schon lang gegen Kadmium und gegen First Solar. Am Mittwoch hat er in diesem Kampf eine Schlappe erlitten. Mit der überwältigenden Mehrheit von 640 zu drei Gegenstimmen beschloss das EU-Parlament, Solarpanels von der Richtlinie über gefährliche Stoffe in Elektrogeräten auszunehmen - ein Erfolg für First Solar. Die Richtlinie wäre einem Verkaufsverbot für die Amerikaner gleichgekommen.
Kursinformationen und Charts
  Solarworld 1,509 EUR  [-0.009 -0,59%
  First Solar 10 EUR  [-0.776 -7,20%
First Solars Dünnschichtmodule auf Basis von Kadmiumtellurid sind in der Produktion besonders kostengünstig: Ein Watt Leistung kostet nicht einmal 80 US-Cent. Die deutsche Konkurrenz dagegen setzt auf die teurere Siliziumtechnik: Auch ihre Module enthalten zwar Stoffe wie etwa Blei, die von der Richtlinie verboten würden. Allerdings, sagt Asbeck, sei es möglich, auf diese zu verzichten.
Es gehe Asbeck doch gar nicht um die Umwelt, sondern nur um einen Wettbewerbsvorteil, sagt First-Solar-Deutschlandchef Stephan Hansen: "Er versucht, sich einen Wettbewerber vom Hals zu schaffen, der kostengünstiger ist."
Dass die Debatte um Kadmium so hochgekocht ist, geht auch auf die Non-Toxic Solar Alliance (NTSA) zurück. Die Lobbygruppe gibt sich als gemeinnützige Initiative von Wissenschaftlern und Solarunternehmern, wird aber nach Recherchen der Organisation Lobbycontrol von der Agentur Bohnen Kallmorgen und Partner (BKP) gesteuert. NTSA warb bei Abgeordneten und Journalisten mit Briefen, Emails und Anrufen für ein Verbot aller giftigen Stoffe in Solaranlagen. Schnell verbreitete sich das Gerücht, Asbeck stecke hinter der Initiative. Solarworld und NTSA dementierten.
Wer die wahren Auftraggeber sind, ist bis heute unklar: "Wir brauchen verpflichtende Transparenzregeln, die Lobbyagenturen zur Offenlegung ihrer Auftraggeber und Finanzierung zwingen", fordert Nina Katzemich von Lobbycontrol.
BKP-Partner Kallmorgen wehrt sich: BKP trage die Kosten von NTSA selbst, erklärt Kallmorgen gegenüber der FTD. "Es war unsere Hoffnung, uns dadurch im Solarmarkt einen Namen zu machen."
Auch First Solar engagierte Lobbyagenturen und gut vernetzte Anwälte, um Einfluss auf die Abgeordneten zu nehmen. "First Solar stand als erster bei allen vor der Tür mit dem Argument, Kadmiumtellurid sei kein Kadmium und bei professioneller Entsorgung kein Problem", sagt Jo Leinen (SPD), Vorsitzender des Umweltausschusses im EU-Parlament. "NTSA ist später gestartet mit der Gegenthese, das Kadmium sei eine tickende Zeitbombe."
Tatsächlich gibt es Gutachten, die bei Kadmium in Solaranlagen kaum Gefahren sehen. Es gibt aber auch Wissenschaftler, die das Gegenteil erklären.
Die Debatte wird also weiter gehen: Im Frühjahr stimmt das Parlament über die Richtlinie über die Entsorgung von Elektroschrott ab. Dort drohen First Solar strenge Regeln - auch ohne Hühnerleichen.
Kadmiumtellurid
Der Stoff Cadmium ist krebserregend. Umstritten ist unter Wissenschaftlern, inwieweit die in Solarzellen verwendete Kadmiumtellurid-Verbindung auch ein Risiko für die Verbraucher und wie sicher das Kadmiumtellurid in den Glasschichten der Solarmodule vor dem Austreten geschützt ist.
Die Unternehmen Dünnschichtzellen werden größtenteils auf der Basis von Kadmiumtellurid-Halbleitern gefertigt. Fast die Hälfte davon liefert First Solar. Auch die Q-Cells-Tochter Calyxo setzt auf Kadmium, weil die Produktion günstiger als die Siliziumtechnik ist.
01:28:48 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Solarworld 1,509 EUR   -0,59%  -0.009
First Solar 10 EUR   -7,20%  -0.776
  • FTD.de, 25.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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