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Merken   Drucken   16.12.2009, 21:19 Schriftgröße: AAA

Klimakonferenz in Kopenhagen: Konzernbosse auf dem Ökotrip

Umweltschützer sind das Anstehen in langen Schlangen gewöhnt. Die großen Firmenchefs müssen so viel Geduld für die gute Sache noch lernen. So manch einer gibt schon vorher auf und bleibt zu Hause. von Nikolai Fichtner  und Reinhard Hönighaus 
Kann man Vorstandschefs von Dax-Konzernen  stundenlang warten lassen, im Schneeregen? Als die Zuträger des Industrieverbands BDI selbst in der endlosen Schlange stehen, um ins Kopenhagener Konferenzzentrum zu gelangen, müssen sie das wirklich fürchten. Nach den Uno-Regeln sind Unternehmensvertreter auch nur "Nichtregierungsorganisationen" und müssen sich, wie die Ökos, anstellen. Eigentlich.
Aber irgendwie muss es der BDI geschafft haben, RWE-Chef Jürgen Großmann  und seinen Eon-Kollegen Wulf Bernotat  durch den VIP-Eingang zu schleusen. Und so sitzen sie am Dienstagabend auf dem Podium einer der vielen Nebenveranstaltungen auf dem Weltklimagipfel, neben BDI-Chef Hans-Peter Keitel  und Umweltminister Norbert Röttgen (CDU). Es geht um "nachhaltige Unternehmenskonzepte", man spricht englisch.
Die Botschaft der beiden: Wir sind auch grün. Ihre Energieeffizienz wollen sie verbessern, die Investitionen in Erneuerbare ausbauen. "Wir arbeiten daran." Aber, und das ist das Mantra hier, zu gleichen Wettbewerbsbedingungen, der Rest der Welt muss mitmachen.
Neben dem mächtigen Großmann sieht Röttgen aus wie ein schmaler Schuljunge, Typus Klassenbester, der die großen Jungs im Unterricht auch mal ärgert. Aber er sieht auch aus wie einer, der sich danach in der Pause ziemlich in Acht nehmen muss.
Er jedenfalls habe keine Angst vor dem Ziel, Deutschlands Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu drücken, sagt Röttgen den Energiebossen. Man müsse sich jetzt entscheiden, ob man alte Industrien schützen oder neue entwickeln wolle. "Und ich habe mich für den Weg der neuen Technologien entschieden." Dann muss Röttgen schnell weg, weiterverhandeln.
Lieber als mit den Chefs der Energieriesen, der alten Industrien, zeigt sich der Umweltminister mit dieser "neuen Industrie", mit Siemens  und Allianz . Die Botschaft: Klimaschutz bringt Wirtschaftswachstum. Es ist das Bündnis derer, die vom Klimaschutz profitieren - weil sie neue Technologien verkaufen, mit Emissionsrechten handeln oder die drohenden Unwetter und Überschwemmungen versichern.
Besonders diese Unternehmen sind es, die sich auf dem Klimagipfel ins Rampenlicht drängen - und knallhart für ihre Interessen lobbyieren. Die US-Konzerne General Electric  und Google  haben ranghohe Manager geschickt, um Delegierten aus aller Welt energiesparende Netztechnik zu zeigen. Ex-SAP-Vorstand Shai Agassi ist gekommen, er will mit seinem Unternehmen Better Place in Israel und Dänemark ab 2011 ein landesweites Ladenetz für Elektroautos ausrollen. Auf dem Klimagipfel hofft er, weitere Regierungen zu überreden, seine Geschäftsidee zu fördern.
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Gemeinsam mit dem französischen Autobauer Renault  hat Agassi Räume im nahen Radisson-Hotel angemietet. Wer will, kann mit einem der vier elektrisch betriebenen Konzeptautos von Renault auch einmal Probe fahren. Patrick Pélata, Chief Operating Officer von Renault, hat sein persönliches Ziel für diese Klimakonferenz fest im Blick: "Regierungsvertreter aus der ganzen Welt sind hier. Diese Leute entscheiden über die Infrastruktur in ihren Ländern", sagt Pélata. "Wir zeigen ihnen unsere Elektroautos und sagen ihnen, diese Autos werden in eineinhalb Jahren auf den Markt kommen - also baut endlich die Infrastruktur dafür auf!"
Da sich im Radisson viele afrikanische Regierungsdelegationen eingemietet haben, wirkt Pélata inmitten Trauben von Männern in wüstentauglicher Tracht etwas deplatziert Die Afrikaner bestaunen die futuristischen Elektrofahrzeuge. Mit wem Pélata und Agassi konkret über Subventionen für Batterietankstellen reden, wollen die beiden nicht verraten.
Sogar für traditionelle Logistikkonzerne wie die Deutsche Post  gibt es Wege, beim Klimagipfel dabei zu sein. Weil die Pakettochter DHL als Logistikpartner der Uno-Konferenz die Briefe der Delegierten verschickt, darf Post-Chef Frank Appel  am Donnerstag mit den Umweltministern der Industrie- und Schwellenländergruppe G20 frühstücken.
Aber nicht alle Vorstandschefs von Dax-Konzernen haben so viel Glück. Wegen des "unerwartet großen Ansturms von Regierungsvertretern", so teilte der BDI am Mittwoch mit, habe die Uno den Zugang für Nichtregierungsorganisationen so sehr eingeschränkt, dass eine für Donnerstag geplante BDI-Veranstaltung abgesagt werden müsse. Siemens-Chef Peter Löscher , BASF-Chef Jürgen Hambrecht  und ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz  wollten mit NGO-Vertretern über Klimaschutztechnik diskutieren. Nur Löscher will trotzdem kommen und in der Kälte anstehen. Die anderen haben ihre Reise nach Kopenhagen abgesagt.
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  • Aus der FTD vom 17.12.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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