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  FTD-Serie: Der Kummerspeck der Deutschen

Die Deutschen sind zu dick. Zwar streiten Experten darüber, wie groß das Problem mit dem Übergewicht tatsächlich ist. Viele Ärzte, Politiker oder Lehrer sprechen aber bereits von einer Volksseuche. Laut Robert-Koch-Institut sind 15 Prozent der Kinder zwischen drei und 17 Jahren übergewichtig und mehr als sechs Prozent fettleibig. Unsere Serie zeigt Ursachen, Hintergründe und Lösungsvorschläge.

Merken   Drucken   03.06.2009, 16:41 Schriftgröße: AAA

Lebensmittelkennzeichnung: Frosta knipst Mini-Ampel an

Sollen Kunden an den Farben Rot, Gelb und Grün erkennen, ob sie gerade ein gesundes oder ein ungesundes Lebensmittel kaufen? In Deutschland wehren sich bisher Industrie und Politik dagegen. Jetzt wagt sich Frosta vor - allerdings sehr zaghaft.
von Annette Berger (Hamburg)

Der Tiefkühlkost-Spezialist Frosta kennzeichnet einige seiner Produkte ab diesem Sommer mit einer Lebensmittelampel. Frosta sei damit der erste deutsche Hersteller, der die hierzulande umstrittene Farbskala auf seine Packungen aufdrucke, teilten am Mittwoch der AOK-Bundesverband, der Verbraucherzentrale-Bundesverband (VZBV) sowie die Nichtregierungsorganisation Foodwatch in Berlin mit.

Allerdings wird die Ampel bei Frosta nur einige Produkte kennzeichnen - nämlich 4 der insgesamt rund 50 Gerichte, sagte Vorstand Felix Ahlers. Ab August gehe es los. Sollte es aber ein Alleingang bleiben - und es keine gesetzliche Regelung geben - werde Frosta nach einigen Monaten prüfen, die Kennzeichnung wieder zu kippen, fügte der Manager hinzu.

Mit Frosta  macht jetzt eine Firma den Anfang, die bereits seit mehreren Jahren auf Öko-Werbung setzt und mit der Ampel vermutlich ihr Image polieren will. Seit 2003 gilt bei dem börsennotierten Tiefkühlkosthersteller aus Bremerhaven ein selbst auferlegtes "Reinheitsgebot": Verzichtet wird auf künstliche Aromen, Farbstoffe oder Geschmacksverstärker.

AOK, Verbraucherzentralen und Foodwatch forderten am Mittwoch außerdem, die Ampelkennzeichnung sowohl Deutschland als auch EU-weit zur gesetzlichen Pflicht zu machen. "Es kann nicht sein, dass die Bundesregierung und die Lebensmittelindustrie die Rechnerei den Verbrauchern überlässt", sagte VZBV-Vorstand Gerd Billen.

Zwar werde eine Nährwertampel nicht alle Ernährungsprobleme lösen, sagte Billen. "Aber sie wird für diejenigen, die darauf achten und die auf eine schnelle Information angewiesen sind - und das sind besonders Familien, die auch für die Kinder einkaufen -, doch eine erhebliche Erleichterung beim Einkauf darstellen."

Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode kritisierte die Lebensmittelindustrie als verantwortungslos. "Nestlé , Unilever  & Co. verkaufen verfettete und überzuckerte Produkte, verschleiern den Nährwertgehalt und bieten als Alibi Yoga-Kurse an, damit die Kunden ihre überzähligen Pfunde wieder loswerden."

In Großbritannien weit verbreitet

In Großbritannien gibt es die Ampelkennzeichnung - hier auf einer ...   In Großbritannien gibt es die Ampelkennzeichnung - hier auf einer Fleischpackung - bereits

Wer in den letzen Monaten in Großbritannien eingekauft hat, kennt die Nährwertampel: Auf Lebensmittelpackungen prangen drei Punkte in den Farben Rot, Gelb und Grün. Überwiegt Rot, ist das Produkt sehr fetthaltig, salzig oder süß - und damit eher ungesund. Gelb bedeutet mittelprächtig, und grün heißt: Es sind wenig Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker oder Salz enthalten. Zusätzlich wird der Anteil dieser Stoffe pro 100 Gramm angegeben. Das soll die Produkte vergleichbar machen.

Zwar ist die Ampel in Großbritannien nicht per Gesetz vorgeschrieben, sondern wird freiwillig von der Industrie verwendet. Die drei Punkte zieren aber inzwischen sehr viele Verpackungen in britischen Lebensmittelgeschäften und werden laut Umfragen von den Kunden als Orientierung geschätzt.

Teil 2: Gute Haxen, schlechte Haxen

  • FTD.de, 03.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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