Videos zu drehen ist eine komplexe Angelegenheit, und die Handyfirma Nokia hat nie behauptet, besonders gut darin zu sein. In einem aktuellen Werbespot der Finnen für ihre neuen Smartphones spiegelt sich für einen Wimpernschlag der Kameramann in einer Fensterscheibe. Künstlerpech, aber selbst in Hollywood baumelt mal ein Mikro durchs Bild. Das Internet ist voll mit Seiten, die Filmfehler sammeln.
Allerdings erhebt Nokia den Anspruch, gute Telefone zu bauen - und bei einem Quartalsverlust von jüngst über 800 Mio. Euro wäre es auch mal wieder Zeit für ein besonders gutes. Diese Woche stellte Nokia in New York das neue Handymodell Lumia 920 vor, pries unter anderem die besonders scharfe Kamera Pure View an und die Stabilisierungstechnik OIS.
Welch fantastische Aufnahmen man machen kann, soll der Clip verdeutlichen: Eine Frau auf einem Fahrrad wird von einem Mann während der Fahrt gefilmt, augenscheinlich mit einem Nokia-Smartphone. Tatsächlich ist das Bild recht stabil. Dumm nur: Der Kameramann, der für einen Augenblick im Bild ist, hält in der Hand kein Handy- sondern ein Profi-Equipment. Trotzdem endet der Streifen mit der Einblendung: "This is Lumia."
Aufgedeckt hat die Peinlichkeit das IT-Blog The Verge und gleich genüsslich kommentiert: "Nokias Werbung für Pure View ist großartig. Zu schade, dass sie eine Fälschung ist." Eilig versuchte Nokia im eigenen Blog, die Geschichte einzufangen. Man habe lediglich die Technik IOS vorstellen wollen und entschuldige sich für die Konfusion. Man hätte besser einen Verweis eingeblendet, dass die Bilder nicht mit einem Lumia gedreht wurden. Klingt wie: Wir wollten zeigen, welch tolle Geräte wir uns vorstellen können.
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Immerhin zeigte Nokia in den USA ein IOS-Video, das tatsächlich mit dem Smartphone gedreht worden sein soll. Auch hier ist eine deutliche Verbesserung zu erkennen - verglichen mit Referenzaufnahmen. Wenn es dumm läuft, bleibt nun von der üppigen Produktshow beim Kunden nur die Kameraschummelei hängen, selbst wenn Nokia mit dem Lumia endlich wieder ein besonders gutes Telefon gelungen sein sollte.
Sollte es für den Handybauer allerdings zum Image-GAU kommen und das Lumia ein Flop werden, könnte man sich am Firmensitz in Espoo trösten: mit tollen Verkaufsschlagern, die man sich einfach vorstellen kann.