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Merken   Drucken   30.01.2012, 21:35 Schriftgröße: AAA

Nach RWE-Abschied: Großmann will sich ins Private zurückziehen

Exklusiv Der Chef des DAX-Konzerns will sich ab Sommer weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Untätig will er trotzdem nicht bleiben: Großmann plant, wieder als Unternehmer zu arbeiten - in einem eigenen Konzern. von Sven Oliver Clausen  Davos und Michael Gassmann  Düsseldorf
Einer der prominentesten deutschen Top-Manager will sich noch in diesem Jahr weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückziehen. "Ich will hart daran arbeiten, wieder eine Privatperson zu werden", sagte Jürgen Großmann, seit 2007 Vorstandschef des Energiekonzerns RWE , der FTD. Der 59-Jährige gibt am 1. Juli seinen Posten an Peter Terium ab.
Jürgen Großmann in Davos   Jürgen Großmann in Davos
Zuletzt galt es als denkbar, dass Großmann in den Aufsichtsrat des Konzerns mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 53 Mrd. Euro wechselt, was für Ex-Vorstandschefs zwar aktienrechtlich schwierig, aber möglich ist. Großmann sagte, er strebe das nicht an, ebenso wenig wie Mandate in anderen Kontrollgremien: "Das ist für mich kein Thema. Ich bin auch so gut ausgelastet", sagte er. Der Multimillionär ist Eigentümer des Stahlherstellers Georgsmarienhütte und will zudem den Dortmunder Gebäudedienstleister RGM, der ihm zu 90 Prozent gehört und zuletzt rund 130 Mio. Euro umsetzte, internationalisieren. "Ich baue gerade ein neues Unternehmen auf. Das macht eine Menge Spaß", sagte er.
Deutschlands Energiekonzerne verlieren damit ihren wortgewaltigsten und bekanntesten Lobbyisten. Großmann ist von den Vorstandschefs der vier großen, in Deutschland aktiven Versorger Eon, RWE, EnBW und Vattenfall politisch mit Abstand am besten vernetzt. Zuletzt hatte er heftig gegen den raschen Ausstieg aus der Atomenergie und den Zeitplan für die Energiewende gewettert - allerdings ohne Erfolg.
Während des Interviews am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos verwies Großmann mehrfach darauf, dass er maßgebliche Entscheidungen seinem Nachfolger überlassen wolle, bei einigen Themen aber Kontinuität erwarte. So traf sich der RWE-Chef in Davos mit dem Präsidenten Aserbaidschans, um über Gaslieferverträge und die geplante Pipeline Nabucco zu verhandeln - die für Europas Versorgungssicherheit entscheidend sein könnten. Zuletzt waren Zweifel aufgekommen, ob RWE weiter den Bau von Nabucco verfolge oder auf andere Pipeline-Pläne setzt. "Die Zusammenarbeit mit Aserbaidschan entwickelt sich positiv. Es wird früher oder später eine Entscheidung geben, wie kaspisches Gas nach Westeuropa kommt. Dabei setzen wir weiter auf Nabucco. Da kommt es auf ein paar Wochen nicht an", sagte Großmann.
Durch die politisch erzwungene Energiewende fehlt dem RWE-Vorstand der unternehmerische Spielraum. Großmann hat deswegen entschieden, die Konzernaktivitäten auf Europa zu beschränken - anders als etwa Konkurrent Eon, der jüngst Millionen in Südamerika investierte. "Wir fühlen uns in einem uns bekannten Rechtsrahmen wohler. Zudem gibt es in Europa und der Türkei noch einiges an Wachstumsmöglichkeiten", sagte Großmann. Seit Monaten verkauft er Konzernteile, um Geld für Investitionen in regenerative Energien freizusetzen. Leise Sorgen bereitet ihm derzeit Ungarn, das am Rande einer Wirtschaftskrise steht und wo RWE beispielsweise die Hauptstadt Budapest mit Strom versorgt: "Wir beobachten die politische Lage genau. Die steuerliche Behandlung ausländischer Investoren wie RWE ist nicht zufriedenstellend. Unser Geschäft läuft aber normal weiter. Nach jetzigem Stand sind keine besonderen Maßnahmen erforderlich", sagte Großmann.
Kursinformationen und Charts
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Vor einigen Monaten hatte der RWE-Chef den Markt nach einem möglichen Fusionspartner abgesucht, um wieder mehr finanzielle Bewegungsfreiheit zu gewinnen, blieb aber erfolglos. Inzwischen macht der schwache Aktienkurs einen solchen Schritt für RWE zusehends unattraktiver; der Konzern würde voraussichtlich nur die Juniorrolle spielen können. Großmann will sich zu seinem Masterplan nicht mehr offiziell äußern. Allerdings gab er einen deutlichen Hinweis, dass der von ihm zusammengestellte Vorstand grundsätzlich weiterhin aufgeschlossen ist: "Mein Ziel war es immer, RWE zu internationalisieren, um nicht von einzelnen Märkten, vor allem Deutschland, zu stark abhängig zu sein. Wir sind alleine stark genug, diesen Weg zu gehen, aber auch Partnerschaften gegenüber aufgeschlossen, wenn sie Sinn machen."
19:27:55 Kursinformationen und Charts
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RWE 29,535 EUR   +0,17%  0.05
  • Aus der FTD vom 31.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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