Europas größter Outdoorhändler Globetrotter rechnet mit einem harten Verdrängungswettbewerb und Pleiten in der bislang rasant wachsenden Branche. "Viele der großen Outdoormarken planen in den kommenden fünf Jahren mit einem Wachstum von mindestens 50 Prozent - das geht faktisch gar nicht", sagte Geschäftsführer Andreas Bartmann der FTD. Er stellt sich auf einen annähernd gesättigten Outdoormarkt ein. Zudem habe sich der Wettbewerb im Onlinehandel deutlich verschärft: "Wir konkurrieren heute mit Händlern, die kein Geld verdienen müssen, sondern nur auf Marktanteile aus sind", sagte Bartmann. "All das wird in den kommenden Jahren zu einem Sterben an Händlern und Marken führen."
Die Outdoorumsätze in Deutschland sind von 2006 bis 2011 um 44 Prozent gestiegen und betrugen im vergangenen Jahr Schätzungen des Marktforschungsinstituts Marketmedia24 zufolge 1,8 Mrd. Euro. Mit einem Anteil von gut 20 Prozent ist die Branche zum größten Segment im deutschen Sporthandel geworden. Nun rechnen Experten mit einer Abschwächung des Wachstums, was bei gleichzeitig steigendem Angebot zu einer Marktbereinigung führen wird: "Es verdienen immer weniger Unternehmen richtig Geld: Die Zahl der Spieler nimmt damit zwangsläufig ab", sagte Bartmann.
Als Verlierer dieser Entwicklung sieht der Globetrotter-Chef nicht nur lokale Händler, denen mit wenigen Filialen die Größe fehlt, um eigene Webshops zu betreiben. Auch großen Marken werde das abflachende Wachstum zu schaffen machen: "Es gibt Unternehmen, die unter extremem finanziellem Druck stehen. Jack Wolfskin etwa ist zu hohem Wachstum verdammt, damit die Eigner die Zinsen des hohen Kaufpreises bedienen können." Der deutsche Marktführer war im vergangenen Jahr für 700 Mio. Euro an den Finanzinvestor Blackstone verkauft worden. Der Umsatz Jack Wolfskins betrug zuletzt 355 Mio. Euro.
Bartmann macht keinen Hehl daraus, dass die steigende Zahl an Markengeschäften auch Globetrotter zu schaffen macht: "Wenn in direkter Nachbarschaft ein Monomarkengeschäft öffnet, dann merken wir in entsprechenden Produktgruppen eine deutliche Erosion der Umsätze." Schon jetzt drücke der Wettbewerb auf die Profitabilität. "Bislang fanden sich die Outdoorhändler mit Renditen von sechs bis acht Prozent in einer guten Position. Die dürften sich auf zwei bis drei Prozent reduzieren", so Bartmann.
Die verhaltenen Aussichten führen zur Kürzung von Investitionen. Es stehe ein Phase der Konsolidierung an, sagte Bartmann. Allerdings werde Globetrotter in Deutschland verstärkt mit kleineren Geschäften in neue Lagen expandieren. "Wir testen gewisse Dinge an", sagte Bartmann, "dabei kann es auch spannend sein, mal aus den Städten rauszugehen." Globetrotter, bisher nur in Ballungsräumen vertreten, will im nächsten Frühjahr an einer zentralen Anlaufstelle für Wanderer, Radfahrer und Skiläufer im Harz eine kleine Filiale eröffnen.
Trotzdem rechnet Bartmann mit weniger Wachstum. Hatte der Händler, der im Geschäftsjahr 2010/11 mit seinen derzeit sieben Häusern 230 Mio. Euro erlöste, zuletzt geplant, bis 2015 auf 340 Mio. Euro zu kommen, gibt er sich nun zurückhaltend: "Ich würde das im Moment etwas gedämpfter sehen." Vor allem das Onlinegeschäft - knapp die Hälfte der Globetrotter-Umsätze - habe durch die Konkurrenz einen spürbaren Rückschlag erfahren. "Im besten Fall liegen wir 2015 bei 350 Mio. Euro - im schlimmsten bei 300 Mio."