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Merken   Drucken   10.02.2012, 15:16 Schriftgröße: AAA

Rohstoffe: Industrie will ohne seltene Erden auskommen

Sie gehören zu den begehrtesten Rohstoffen der Welt - und sie sind teuer. Die Industrie will sich von der Preistreiberei befreien: Ein besseres Recyclingsystem soll die Versorgung sichern, bis es Alternativen gibt. von Lukas Schürmann  und Margret Hucko  Hamburg
Sie stecken in Handys und Windrädern, polieren Bildschirme und stärken Magnete: Die Elemente der seltenen Erden gehören weltweit zu den begehrtesten Rohstoffen. Am Mittwoch schloss Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) mit Kasachstan ein Abkommen, Ende Januar schon formierte sich eine Allianz, die deutschen Firmen den Zugang zu den Ressourcen erleichtern soll.
Doch während die Politik noch versucht, die Versorgung der Industrie über Rohstoffabkommen und -allianzen zu sichern, verfolgen die Unternehmen schon einen Alternativplan: Sie versuchen zunehmend, die teuren Elemente zu ersetzen. "Mittel- bis langfristig müssen wir Elektromotoren aufbauen, die ohne seltene Erden auskommen", sagt Wolfgang Güllich, Geschäftsführer von BMW Peugeot Citroën Electrification. Das Gemeinschaftsunternehmen entwickelt Komponenten für Elektro- und Hybridautos.
Begehrter Rohstoff Seltene Erden, aber überall drin
Zum Teil seien die Preise in den vergangenen Monaten um über 300 Prozent gestiegen. "Davon dürfen wir uns nicht abhängig machen", so Güllich. Bereits im letzten Jahr habe das Joint Venture solche Antriebe getestet. Auch Siemens -Forscher arbeiten an Elektromotoren ohne seltene Erden: Anstelle der üblichen Permanentmagneten, die besonders stark sind, aber auch besonders viele der begehrten Stoffe enthalten, wollen sie eine Eisenverbindung einsetzen.
Die Ironie: Seltene Erden sind gar nicht so rar, wie es ihr Name suggeriert. Weltweit gibt es allerdings nur wenige Minen, in denen sie wirtschaftlich gefördert werden können. Weil die fast alle in China liegen, versorgt Peking den Weltmarkt zu mehr als 95 Prozent. Die Folge: Die Preise haben sich allein im Jahr 2011 mehr als verzehnfacht, der Markt ist zwischen 2008 und 2011 von 2,4 Mrd. auf 27 Mrd. Euro gewachsen.
Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit wird nach Ersatz gesucht. Steven Duclos, Chefwissenschaftler beim Mischkonzern General Electric  (GE) setzt auf die Optimierung bereits bestehender Technologien: "Viele unserer Produktionsprozesse und Materialien stammen aus einer Zeit, als seltene Erden noch nicht kritisch waren." GE arbeitet etwa an Windturbinen, in denen Supraleiter Magneten mit seltenen Erden ersetzen. Je nach Produkt ließen sich "zwischen einigen wenigen und 100 Prozent" der teuren Stoffe einsparen. GE bemüht sich auch um ein besseres Recycling kostspieliger Bauteile - so wie Toyota.
Der japanische Konzern hat eine Taskforce gegründet, um - in Zusammenarbeit mit den Zulieferern - die Versorgung zu sichern. Diese Strategie sehe man auch bei vielen deutschen Unternehmen, sagt Sebastian Durst von der Beratung Roland Berger.
Für ihn hängt es erheblich von der zukünftigen Preisentwicklung ab, ob sich Alternativtechnologien auf Dauer durchsetzen: "Viele Unternehmen stellen sich die Frage: Lohnt es sich, jetzt viel Aufwand zu betreiben, um 2015 eine Lösung zu haben, wenn die Kosten bis dahin möglicherweise schon wieder sinken?" Für die günstigeren sogenannten leichten seltenen Erden könne dies durchaus der Fall sein, weil in nächster Zeit einige neue Minen erschlossen würden. Für schwere führe aber auch mittelfristig erst einmal kein Weg an China vorbei.
  • FTD.de, 10.02.2012
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