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Merken   Drucken   20.02.2012, 11:00 Schriftgröße: AAA

Solarkraftwerk: Afrikaner verzichten auf Hilfe von Desertec

Die Regierungen in Nordafrika bauen Solarkraftwerke ohne Unterstützung des deutschen Vorzeigeprojekts. Desertec ist so komplex, dass es von lokalen Initiativen überholt wird - es herrscht ein Wirrwarr zwischen Industrie, Stiftung und Ministerien.
© Bild: 2012 Solar Millennium AG
Die Regierungen in Nordafrika bauen Solarkraftwerke ohne Unterstützung des deutschen Vorzeigeprojekts. Desertec ist so komplex, dass es von lokalen Initiativen überholt wird - es herrscht ein Wirrwarr zwischen Industrie, Stiftung und Ministerien. von Kathrin Werner  Abu Dhabi
Nordafrikas Wüstenstromkraftwerke entstehen ohne das deutsche Vorzeigeprojekt Desertec. Mehrere Länder in Nordafrika bauen oder planen große Solarkraftwerke mit der Zukunftstechnik mit Spiegeln, Concentrated Solar Power (CSP) - ganz ohne die Unterstützung der vor drei Jahren groß verkündeten Industrieinitiative um 13 Unternehmen aus Nordafrika und Europa, darunter die Münchener Rück , die Deutsche Bank , Siemens , RWE  und Eon .
In Algerien erzeugt bereits das Kraftwerk Hassi R'mel Sonnenstrom, in Kuraimat südlich von Kairo ist ein Solarkraftwerk am ägyptischen Netz. Weitere Desertec-unabhängige Projekte sind in Planung, unter anderem in Marokko. Paul van Son, Chef der Desertec-Initiative DII, verbucht einen Teil des arabischen Solarerfolgs für sich: "Unter anderem durch unsere Arbeit ist die Idee der Solarenergie in Nordafrika und im Nahen Osten salonfähig geworden", sagte er der FTD.
Funktionsweise eines Solarthermiekraftwerks im Tages- und Nachtbetrieb   Funktionsweise eines Solarthermiekraftwerks im Tages- und Nachtbetrieb
Desertec zählt zu den ehrgeizigsten Erneuerbare-Energien-Projekten überhaupt. Bis 2050 sollen in Nordafrika und dem Nahen Osten Hunderte Ökokraftwerke gebaut werden, die zusammen den Strombedarf in der Region fast vollständig decken - und dazu noch rund 15 Prozent des europäischen Verbrauchs. Investiert werden müssen bis zu 400 Mrd. Euro.
Allerdings ist das deutsche Desertec-Projekt so komplex, dass es in mehreren Ländern von lokalen Initiativen überholt wird. Das Hauptproblem der Deutschen: ein Wirrwarr der Zuständigkeiten.
Die Industrieinitiative DII, der van Son vorsteht, treibt eigene sogenannte Referenzprojekte voran. Daneben gibt es die Desertec-Stiftung, die bislang nur daran arbeitete, die Idee des Saharastroms zu verbreiten. Doch seit wenigen Wochen kürt auch sie Solarprojekte zu Desertec-Anlagen. Die Bauarbeiten für das Tunur genannte Projekt in Tunesien mit Desertec-Stiftungssiegel sollen im Jahr 2014 beginnen. Was eigentlich Desertec ist, weiß niemand mehr genau. "Uns ist auch nicht ganz klar, was die Stiftung bezweckt", so ein Sprecher der DII. Zudem spalten sich aus der Initiative nach FTD-Informationen vier Unternehmen ab, die allein Solarprojekte vorantreiben wollen: Schott, Deutsche Bank, Eon und die Münchner Rück.
Strom aus Spiegeln
Erzeugen Hohlspiegel bündeln das Licht auf ein parallel verlaufendes Glasrohr. Das konzentrierte Licht erhitzt das Öl in dem Rohr. Es wird in einen Wärmetauscher geleitet und verdampft dort Wasser. Der Dampf treibt Turbinen an, die Strom erzeugen.
Speichern Das Kraftwerk produziert zunächst Wärme. Die lässt sich in zwei Tanks voll Flüssigsalz speichern. Sind sie aufgeheizt, können mit der Salzhitze die Turbinen in der Nacht gut 7,5 Stunden lang laufen.
Das erste Referenzkraftwerk der Desertec-Initiative soll 2014 den ersten offiziellen DII-Strom nach Deutschland bringen. Dies sei realistisch, wenn wie geplant in Marokko nicht nur Kraftwerke mit der Spiegeltechnik CSP gebaut werden, sondern auch Fotovoltaikanlagen, die sich schneller errichten lassen, so van Son.
Für die Finanzierung des DII-Referenzkraftwerks habe die Bundesregierung einen Zuschuss zugesichert, sagte DII-Chef van Son. "Der Umfang der finanziellen Unterstützung vonseiten Deutschlands steht aber noch nicht fest." Kein Bundesministerium konnte diese Zusage bestätigen - ein weiterer Zuständigkeitswirrwarr, denn drei Behörden sind beteiligt: Das Umweltministerium verwies an das Wirtschaftsministerium, das Wirtschaftsministerium an das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Das wiederum verwies zurück an das Wirtschaftsministerium.

Teil 2

  • Aus der FTD vom 20.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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