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  26.09.2009, 10:00    

ThyssenKrupp: U-Boote im Niemandsland

Die Kündigung der U-Boot-Aufträge mit Athen hilft ThyssenKrupp, Verluste zu vermeiden. Doch eine Lösung für die Werft Hellenic Shipyards oder den Weiterverkauf der U-Boote zeichnet sich nicht ab. von Kirsten Bialdiga 
Seit drei Jahren wartet das Schiff auf seinen Einsatz. Monat für Monat verstreicht, nichts passiert. Die "Papanikolis", ein First-Class-U-Boot, das bis zu 400 Meter tief tauchen und drei Wochen lang unter Wasser bleiben kann, dümpelt im Kieler Hafen vor sich hin. Der Auftraggeber, die griechische Regierung, verweigerte die Annahme. Der Auftragnehmer, die ThyssenKrupp -Tochter Howaldtswerke Deutsche Werft (HDW), verweigerte die Abgabe.
Doch jetzt könnte Bewegung in das Patt kommen. Anfang der Woche kündigte HDW die U-Boot-Verträge mit dem Athener Verteidigungsministerium im Wert von über 2 Mrd. Euro. Die Griechen seien mit der Zahlung von 524 Mio. Euro im Rückstand, begründete ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) den Schritt.
"Das ist ein klares Signal an die Griechen", sagt ein Insider. Seit März 2005 komme der Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht in vollem Umfang nach. Es fließe immer nur gerade so viel Geld, wie es dem Baufortschritt bei den U-Booten entspreche. Um nicht in Vorleistung zu gehen und die Verluste aus dem Auftrag für den Konzern in Grenzen zu halten, habe HDW die Verträge jetzt kündigen müssen.
Das Brennstoffzellen-U-Boot Papanikolis ist eines von vieren, auf ...   Das Brennstoffzellen-U-Boot Papanikolis ist eines von vieren, auf deren Bezahlung ThyssenKrupp noch wartet
Daneben gibt es jedoch nach FTD-Informationen auch taktische Gründe für die Vertragskündigung zum jetzigen Zeitpunkt: In Griechenland wird am 4. Oktober eine neue Regierung gewählt. Laut Umfragen könnte die alte Administration abgelöst werden. Damit käme wieder die Pasok-Partei an die Macht, mit der ThyssenKrupp das Rüstungsgeschäft seinerzeit ausgehandelt hatte. Eine Kündigung der Verträge kurz nach Amtsantritt der neuen Regierung hätte die Beziehungen unnötig belastet, hieß es. ThyssenKrupp wollte sich dazu nicht äußern.
Seit Jahren kämpft der Konzernvorstand um die Bezahlung der neuen und der modernisierten U-Boote. Schon im September 2006 sollten die Griechen die "Papanikolis" abnehmen. Sie monierten jedoch technische Mängel - bis hin zu einem angeblich starken Schlingern beim Auftauchen des Bootes. Heute trägt das Schiff ein technisches Gütesiegel, doch Geld floss noch immer nicht. Daran konnte auch der Einsatz von Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht viel ändern.
Insgesamt hatten die Griechen sogar vier U-Boote der Klasse 214 mit Brennstoffzellenantrieb bestellt. Die drei übrigen wurden auf der griechischen Werft Hellenic Shipyards (HSY), einer HDW-Tochter, gebaut. Dort warten sie auf ihren ersten Testeinsatz zur See. Nachfolgeaufträge gebe es für HSY nicht, heißt es. In der Folge schreibt die Werft mit 1200 Beschäftigten in diesem Geschäftsjahr einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe. ThyssenKrupp stellt HSY nun zum Verkauf. Wegen der unklaren Situation kann sich das aber hinziehen.
Das trifft auch auf die U-Boote zu. Die Bundesregierung hätte gegen einen Weiterverkauf der "Papanikolis" nichts einzuwenden, heißt es. Auch gebe es bereits Interessenten für das rund 350 Mio. Euro teure Tauchboot. HDW in Kiel hat bereits die griechischen Kollegen nach Hause geschickt - um die "Papanikolis" komplett unter Kontrolle zu haben.
  • FTD.de, 26.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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