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Merken   Drucken   26.01.2011, 16:35 Schriftgröße: AAA

Zu starkes Wachstum: Überforderte Zulieferer zwingen VW zum Produktionsstopp

Der Wolfsburger Konzern arbeitet an der Kapazitätsgrenze. Die Nachfrage nach Autos ist so groß, dass Lieferanten nicht mehr hinterher kommen - mit bitteren Folgen. VW muss im Stammwerk vorübergehend die Bänder anhalten.
Volkswagen  kommt wegen des Nachfragebooms mit der Produktion nicht mehr nach. Aufgrund von Engpässen bei Lieferanten muss Europas größter Autobauer kommenden Montag die Bänder in Wolfsburg anhalten. Einige Lieferanten seien nicht in der Lage, das an der Kapazitätsgrenze produzierende Stammwerk ausreichend mit Teilen zu versorgen, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Auch die hauseigene Motorenproduktion komme mit bestimmten Aggregaten nicht hinterher. Deswegen habe kürzlich eine Sonderschicht an einem Samstag abgesagt werden müssen. Der Stopp am Montag betreffe alle drei Schichten.
Der Stillstand ist schmerzhaft für VW, dann die Absatzzahlen springen derzeit von Rekord zu Rekord, und manche Modelle haben monatelange Lieferfristen. Normalerweise rollen in Wolfsburg täglich 3000 Fahrzeuge von den Bändern. Wegen der weltweit hohen Nachfrage fährt das Werk derzeit auf Hochtouren.
Volkswagen profitiert wie kaum ein anderer Hersteller vom Absatzboom in China und den USA. Im vergangenen Jahr lieferte der Konzern weltweit erstmals mehr als sieben Millionen Fahrzeuge aus. Die Niedersachsen steigerten die Auslieferungen um 13,5 Prozent. Damit wuchs VW eigenen Angaben zufolge stärker als der Gesamtmarkt für Personenwagen, der um 11,3 Prozent zulegte.
Bis 2018 soll die Jahresproduktion auf über zehn Millionen Fahrzeuge steigen. Spätestens dann will der Wolfsburger Konzern weltgrößter Autobauer sein und den japanischen Rivalen Toyota bei Absatz und Profitabilität überholen.
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Mit der eintägigen Produktionspause will der Autobauer den Zulieferern Zeit verschaffen, um mit der Teilevorsorgung nachzukommen. Betroffen ist die Produktion des Topsellers Golf sowie des kleinen Geländewagens Tiguan und des Familienautos Touran. "Mit diesem arbeitsfreien Tag zu Beginn der Zeugnisferien in Niedersachsen wird die Materialversorgung des Werkes stabilisiert", sagte ein Sprecher. Kunden drohe aber keine Verzögerung bei der Auslieferung. Das Stammwerk exportiert viele Autos nach Übersee.
Welche Teile genau knapp sind, wollte der Sprecher auf Nachfrage nicht mitteilen. Es gehe aber um Produkte sowohl von Zulieferern als auch aus der eigenen Komponentenproduktion. Alle Lieferanten des Werkes erfüllten ihre Verpflichtungen voll. Aber die große Nachfrage nach VW-Autos führe dazu, dass "am Limit" produziert werde. VW hatte im Herbst ein großes Investitionsprogramm angekündigt. Der Konzern baut beispielsweise in Wolfsburg die Tiguan-Produktion aus und errichtet in Mexiko ein neues Motorenwerk.
Beim Stuttgarter Autobauer Daimler dagegen sind derzeit keine Engpässe absehbar. "Wir sehen derzeit bei uns keine Probleme in der Produktion", sagte ein Sprecher in Stuttgart. Die Lieferkette sei intakt. "Wir sind in engem Kontakt mit unseren Lieferanten", sagte der Sprecher. "Es ist klar, dass in der ganzen Industrie wegen der hohen Nachfrage die Kapazitäten stark ausgelastet sind."
Bei BMW gibt es derzeit keine Pläne, die Produktion zu unterbrechen. Es gebe zwar hin und wieder Engpässe, diese könnten aber bislang ohne größere Schwierigkeiten überbrückt werden, sagte ein Sprecher.
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  • FTD.de, 26.01.2011
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