Diesen Zahlen mag man es gar nicht zutrauen, an der Börse eine solche Begeisterung auszulösen. Zwar stiegen im zweiten Quartal Verkäufe und Umsätze bei Daimler , der Gewinn schrumpfte aber spürbar. Dennoch war das Papier des Autobauers am Mittwoch mit einem Plus von zuletzt 3,6 Prozent größter Gewinner im DAX , der selbst auf der Stelle trat.
Operativ verdiente Daimler zwischen April und Juni etwas mehr 2,2 Mrd. Euro - nach knapp 2,6 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg in den Frühjahrsmonaten um zehn Prozent auf 28,9 Mrd. Euro, der Absatz um acht Prozent auf 570.300 Fahrzeuge.
Marktbeobachter hielten es dem Autobauer zu Gute, etwas bessere Zahlen vorgelegt zu haben, als erwartet worden war. Von Bloomberg befragte Analysten hatten ein Ebit von genau 2,2 Mrd. Euro vorhergesagt. "Die Erwartungen wurden übertroffen", sagte Auto-Analyst Frank Schwope von der Nord/LB der FTD. Zudem trauten Investoren Daimler offenbar zu, gegenüber BMW und Audi aufzuholen - wenn auch das Ziel einer nachhaltigen Rendite bei Mercedes-Pkw von zehn Prozent ab dem nächsten Jahr überzogen wirke. Für das zweite Quartal lag sie bei 8,6 Prozent.
In den vergangenen Monaten wurde Daimler oftmals dafür kritisiert, dass die Stuttgarter im Rennen um den Spitzenplatz unter den deutschen Premiumautobauern eine schlechte Figur machen. Die Marke Mercedes kann bei der Ertragskraft nicht mit Audi und BMW mithalten, die Rivalen verkaufen mehr Autos und verdienen besser. Ob sich die Lage für Daimler tatsächlich gebessert hat, ist noch nicht klar. Denn für das zweite Quartal ist das Unternehmen der erste deutsche Autobauer, der seine Zahlen vorlegt.
Am Gewinn der Schwaben zehren in diesem Jahr hohe Kosten für neue Fabriken, Fahrzeugmodelle und Motoren. Mit diesen Investitionen erklärte das Daimler-Management auch den aktuellen Gewinnschwund. Daimler hatte im März ein neues Werk in Ungarn in Betrieb genommen, in Deutschland wird in den kommenden Monaten ebenfalls kräftig in die Fertigung investiert. 1,2 Mrd. Euro sollen in den Bau von Kompaktmodellen gesteckt werden, um in diesem Segment besser gegen BMW punkten zu können. Diese Summe war vor einigen Tagen genannt geworden.
Für das Gesamtjahr sehe sich der Konzern aus Stuttgart im Plan, das im Vorjahr erzielte operative Ergebnis von knapp 9 Mrd. Euro im laufenden Geschäft zu erreichen, versicherte Finanzchef Bodo Uebber, schränkte allerdings ein: "bei den selben Wechselkursen".
Konzernchef Dieter Zetsche kündigte an, angesichts der steigenden konjunkturellen Unwägbarkeiten die Ausgaben scharf zu kontrollieren und die Kosten weiter zu drücken. Überhöhte Bestände sollen vermieden werden. Die konjunkturelle Lage der kommenden Monate werde voraussichtlich schwierig werde - wegen der Staatsschuldenkrise und den Unsicherheiten über die Wirtschaftslage in China. "Die Risiken nehmen in der zweiten Jahreshälfte eher noch zu statt ab", sagte Zetsche in einer Telefonkonferenz. Einen Grund für eine Gewinnwarnung sehe er aber nicht.
Im ersten Halbjahr 2012 lieferte Daimler 6,9 Prozent mehr Mercedes-Fahrzeuge aus als im Vorjahreszeitraum und kam auf einen Rekordwert von 652.924 Autos. Dabei sei insbesondere die erneuerte B-Klasse gefragt gewesen, sagte Uebber. Auch die neue A-Klasse, die im September auf den Markt kommt, sei stark nachgefragt. Das Unternehmen habe schon jetzt mehr als 40.000 Bestellungen für dieses Fahrzeug. Am Dienstag hatte der schwäbische Konzern mitgeteilt, die A-Klasse auch bei dem Auftragsfertiger Valmet in Finnland bauen zu lassen. Zwischen 2013 und 2016 sollen dort mehr als 100.000 Fahrzeuge entstehen.
Die Stützen des Geschäfts sieht das Daimler-Management in den wachsenden Auslandsmärkten wie Amerika und Asien mit dem größten Einzelmarkt China, während der Heimatmarkt Europa Probleme bereitet. "Die Ergebnisentwicklung war im Wesentlichen durch das weitere Absatzwachstum vor allem in den USA und in Asien getrieben", heißt es im Zwischenbericht.
Goutiert wurden Daimlers starke Lkw-Zahlen. Die Stuttgarter sind der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller und stachen die Konkurrenten Volvo und Scania aus Schweden im zweiten Quartal mit kräftig gestiegenen Verkaufszahlen aus. Während Daimler rund um den Globus in den Monaten April bis Juni mit gut 122.200 verkauften Lkw den Absatz um 34 Prozent steigerte, hatten die Wettbewerber Schwierigkeiten.
Volvo kam im Frühjahr mit einem Absatzrückgang um zwei Prozent auf knapp 58.800 Lkw noch glimpflich davon, Scania musste hingegen im zweiten Quartal Einbußen bei den Auslieferungen von knapp 25 Prozent auf rund 14.300 Lkw wegstecken.