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  09.11.2009, 18:40    

Mangelnde Liquidität: Analysten trauen GM Sanierung von Opel nicht zu

General Motors will seine Tochter allein wieder flott kriegen. Doch Experten sind skeptisch: Die Liquidität reiche nicht für Opel und das eigene Geschäft. Zumal die Kosten wohl höher liegen als gedacht. GM-Chef Henderson erklärt in Rüsselsheim, was er mit Opel vorhat. von Margret Hucko, Hamburg, Gregor Haake  und Annette Berger 
Die Sanierung von Opel könnte nach Experten-Einschätzung deutlich teurer werden als bislang bekannt und General Motors vor beinahe unlösbare Probleme stellen. Die US-Ratingagentur Moody's bezifferte die Kosten für Umbau und Betrieb der Europatochter am Montag auf 5,6 Mrd. Euro (rund 8,5 Mrd. $). Die Opel-Mutter veranschlagt nur 3 Mrd. Euro.
GM verfügt nach Einschätzung von Moody's trotz der Milliardenhilfen der US-Regierung nicht über ausreichend Liquidität, um das eigene Geschäft und zusätzlich die Sanierung von Opel zu stemmen. Insofern stehe GM vor der gleichen Ausgangslage, wie zu Beginn der Verkaufsverhandlungen: Den deutschen Autobauer zu behalten, ergebe für GM zwar strategisch Sinn. Gleichzeitig fehlten dem Konzern aber die Mittel, um die notwendige Sanierung zu finanzieren.
GM werde daher versuchen, die Unterstützung der deutschen Bundesregierung für seine Pläne zu erhalten. Sollten sich die Regierungen in Europa dem US-Konzern allerdings versagen, könnte GM nach Einschätzung der Experten nur der Ausweg bleiben, erneut nach einem Opel-Käufer zu suchen.
GM-Standorte Wo Opel überall Autos baut
Der unterlegene Opel-Bieter, das Konsortium aus dem Zulieferer Magna und der russischen Sberbank, bedauerte in einem der FTD vorliegenden Schreiben an die Opel-Mitarbeiter den Rückzieher des Herstellers aus Detroit. Man sei etwas enttäuscht. "Aber so ist das Geschäftsleben nun einmal, und wir von Magna akzeptieren diese Entscheidung selbstverständlich ohne jeglichen Vorbehalt."
Der US-Konzern hatte vergangene Woche entschieden, die Tochter Opel doch nicht an Magna und dessen russischen Konsortialpartner Sberbank zu verkaufen, sondern zu behalten und selbst zu sanieren. Dafür veranschlagt das Management in Detroit rund 3 Mrd. Euro. Ob GM Staatshilfen bei europäischen Regierungen beantragen wird, ist ungewiss. Allerdings hatte der Konzern bereits signalisiert, sich um eine solche Finanzspritze bemühen zu wollen.
Beim Spitzenpersonal baut der US-Konzern schon kräftig um: Für die von Carl-Peter Forster bekleidete Position des GM-Europe-Präsidenten wird es keinen direkten Nachfolger geben. "Wir suchen einen Chef für die Adam Opel GmbH und keinen GM-Europe-Chef", sagte ein Sprecher des Rüsselsheimer Unternehmens der FTD. Forster soll von dem als hartem Sanierer bekannten Nick Reilly abgelöst werden.
Forster verlässt den US-Autokonzern und hat nach Presseberichten Angebote mehrere Angebote aus der Branche. In Gesprächen sei er mit Tata Motors. Der Manager solle bei der Luxus-Marke Jaguar des indischen Autobauers eine führende Rolle bekleiden, hieß es. Ein Jaguar-Sprecher wollte das nicht kommentieren, wies die Spekulationen aber auch nicht zurück. "Es gibt derzeit keine freien Posten", hieß es aus Unternehmenskreisen, aber "so eine Struktur sei auch änderbar."
Forster hatte sich vehement für einen Verkauf Opels an den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna  stark gemacht und den Schwenk seines Arbeitgebers scharf kritisiert.
Mindestens 10.000 von mehr als 50.000 Jobs sollen bei Opel in Europa wegfallen. Der Betriebsrat und große Teile der deutschen Politik reagierten empört auf GMs Pläne - obwohl Magna einen Stellenabbau in etwa derselben Größenordnung geplant hatte.
Kursinformationen und Charts
  Magna International 41,275 EUR  [-0.065 -0,16%
  Daimler 33,325 EUR  [0.015 +0,05%
GM-Chef Fritz Henderson traf am Montag in der Rüsselsheimer Opel-Zentrale zu Gesprächen über die Zukunft des Autobauers ein. Zunächst habe der Amerikaner mit dem deutschen Management gesprochen, sagte ein Opel-Sprecher. Geplant sei außerdem ein Treffen mit dem Betriebsrat.
Zu den Inhalten wurde offiziell nichts bekannt, die Deutsche Presse-Agentur berichtete jedoch, der GM-Boss habe eine erste Fassung des Opel-Zukunftskonzepts mitgebracht. Ein solcher Plan ist Voraussetzung, um Staatshilfen zu beantragen. Begleitet wurde Henderson von Reilly.
Henderson kam nach Angaben aus Konzernkreisen mit einer Linienmaschine nach Deutschland. "Wir fliegen alle Linie", sagte ein Mitarbeiter. Im Vorjahr waren sein Vorgänger Rick Wagoner und andere Chefs großer Autokonzerne in den USA von Politikern scharf kritisiert worden, weil sie mit einem Business-Jet statt per Linienflug zu einer Anhörung im US-Senat nach Washington gereist waren, wo sie Milliardenhilfen forderten.
Ein Punkt bei den Gesprächen in Rüsselsheim dürften auch Personalien sein. Dem Vernehmen nach wird Reilly GMs Europageschäft nur vorübergehend leiten. Dauerhaft soll ein Manager aus dem deutschsprachigen Raum Opel führen. Reilly ist derzeit für das internationale Auftreten des Konzerns zuständig. Für den Opel-Aufsichtsratsvorsitz ist angeblich vorübergehend GM-Veteran Bob Lutz vorgesehen. Er wird jedoch von der deutschen Belegschaft abgelehnt. Offen ist, was mit dem Posten des Opel-Geschäftsführers passiert, den derzeit der Ingenieur Hans Demant besetzt.

Teil 2: Wie die neue Struktur des Europa-Geschäfts aussieht

  • FTD.de, 09.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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