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Merken   Drucken   19.10.2010, 06:54 Schriftgröße: AAA

Agenda: USA im Immobilienstrudel

Erneut erschüttert der Häusermarkt Amerikas Wirtschaft. Staatsanwälte überprüfen Millionen von Zwangsversteigerungen, weil viele Banken nicht im Besitz der Hypotheken sind. Das Chaos ist zurück - der Finanzwelt drohen milliardenschwere Verluste.
© Bild: 2010 Bloomberg
Erneut erschüttert der Häusermarkt Amerikas Wirtschaft. Staatsanwälte überprüfen Millionen von Zwangsversteigerungen, weil viele Banken nicht im Besitz der Hypotheken sind. Das Chaos ist zurück - der Finanzwelt drohen milliardenschwere Verluste. von Zacharias Zacharakis, Palm Beach
Alles ist noch an seinem Platz im Vorgarten von Israel Machado. Die beiden Palmen ragen neben der Garagenauffahrt in den unbewölkten Himmel über Florida. Der Rasen leuchtet saftig grün, die Hecken sind gestutzt. Noch kann Machado dieses Idyll auskosten, auch wenn er seit langer Zeit nicht mehr dafür zahlt.
Die Raten für die 400.000 Dollar schwere Hypothek auf das üppige Anwesen hat der Mann aus einem Vorort von Palm Beach seit Beginn der Wirtschaftskrise nicht mehr regelmäßig bedient. "Meine Reinigungsfirma für Schwimmbäder hat es hart getroffen in der Rezession", erklärt der 42-Jährige. Es dauerte nicht lange, da landete in seinem Briefkasten ein Schreiben der Bank: Zwangsvollstreckung.
Gegen eine Räumung bei derartigen Rückständen zu klagen galt bisher als aussichtslos. Allein im September haben nach Angaben des Datendienstleisters Realtytrac mehr als 100.000 Hypothekennehmer in Zwangsversteigerungen ihr Haus verloren. Doch in den vergangenen Wochen haben Anwälte und Ermittler gewaltige Unstimmigkeiten im Hypothekengeschäft ausgemacht. In vielen Fällen können die Banken nicht die notwendigen Dokumente für eine Zwangsvollstreckung vorweisen. Mitte der vergangenen Woche haben Generalstaatsanwälte in allen 50 US-Bundesstaaten angekündigt, gemeinsam gegen die Banken vorzugehen. Sie werfen den Instituten vor, auf illegale Weise Zehntausende eidesstattliche Erklärungen ausgefertigt zu haben, um damit in Zwangsversteigerungen nachzuweisen, dass sie die Halter der Hypotheken sind.
Die Angst vor einer neuen Bankenkrise geht wieder um. Seit 2007 haben Finanzinstitute in den USA etwa sechs Millionen säumigen Kreditnehmern ihre Immobilien per Zwangsversteigerungen wieder abgenommen. Sollte sich nun herausstellen, dass die Mehrheit dieser Rückabwicklungen ungültig war, kommen auf die Banken gigantische Kosten und Abschreibungen zu. An der Wall Street knickten die Kurse der großen Finanzunternehmen am Freitag um bis zu fünf Prozent ein. Die Erholung der gesamten US-Wirtschaft ist wieder einmal gefährdet.
Israel Machado ahnte nicht, dass die Rechtsverhältnisse für sein Haus ähnlich verworren sein würden, als er sich nach dem Räumungsbescheid einen Anwalt nahm. "Ich wollte die Bank einfach zurück an den Verhandlungstisch bringen, um eine Hypothek mit festen Ratenzahlungen zu bekommen", sagt der Mann aus Florida. Er beauftragte die Kanzlei Ice Legal aus dem benachbarten Palm Beach mit dem Fall.
Da Florida zu den 23 US-Bundesstaaten gehört, bei denen eine Räumung nur auf richterlichen Beschluss erfolgen kann, ging die Angelegenheit vor das örtliche Gericht. Für Machados Anwalt Christopher Immel wurde der Fall dann erst richtig interessant: "Wir haben die Bank nach den originalen Schuldverschreibungen für das Haus gefragt. Damit muss sie nachweisen, dass sie die Hypothek hält. Diese Papiere hat sie aber nicht vorzeigen können", sagt Immel. Also habe sich die Kanzlei genauer angesehen, warum die Dokumente fehlten. Vor Gericht kamen bemerkenswerte Fakten zutage.

Teil 2: 6000 Dokumente in der Woche - von einer Mitarbeiterin

  • Aus der FTD vom 19.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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