Google fällt an der Wall Street in Ungnade. Seit Ende Januar ist der Börsenwert des Suchmaschinen- und Werbespezialisten um zwölf Prozent gesunken, allein in der vergangenen Woche waren es 2,7 Prozent. Zählte das Papier lange zu den begehrtesten Aktien, hinkt es mittlerweile dem Markt hinterher und ist inzwischen auf den Stand von Anfang vergangenen Jahres gefallen.
Dabei hat Googles Kerngeschäft, die werbefinanzierte Internetsuche, fast alle Prognosen gehalten oder sogar übertroffen. Problematisch aber finden die Wall-Street-Analysten die Expansionspläne des Konzerns, die auf Widerstände der Konkurrenz stoßen. Seit dem Kauf des Videoportals Youtube beispielsweise ist Google in Urheberrechtsstreitigkeiten verwickelt, die sich als sehr teuer erweisen könnten. So wurde Youtube in der vergangenen Woche vom Medienkonzern Viacom wegen Urheberrechtsverstößen auf 1 Mrd. $ verklagt.
Auch andere Projekte haben noch keine Ergebnisse geliefert. Neben Testläufen bei Radio-, Fernseh- und Printwerbung hat Google eine ganze Reihe neuer Angebote wie etwa ein Online-Zahlungssystem aufgebaut, die aber noch nicht angenommen werden. Besucher werden hauptsächlich von Diensten wie dem E-Mail-Service Gmail, Nachrichtenseiten oder Finanzinformation angelockt und bringen damit Werbeeinnahmen, so Mark Mahaney, Analyst bei der Citigroup.
Ob sich aber die hohen Investitionen in neue Werbemärkte auszahlen, sei noch nicht erkennbar. Bisher habe Google "nicht positiv überrascht", so Mahaney. Bislang habe die Firma auf Gebieten wie der Radiowerbung wenig erreicht, obwohl sie seit mehr als einem Jahr kräftig investiert. Nicht nur in den klassischen Medien sucht Google nach neuen Werbeumfeldern: Erst am Wochenende hat das Unternehmen die kalifornische Firma Adscape für eine nicht genannte Summe gekauft. Der Spezialist für Werbung in Computerspielen soll einen schnell wachsenden Markt erschließen und auf die Spieler zugeschnittene Reklame platzieren. Auch Google-Konkurrent Microsoft drängt mit der Übernahme des Adscape-Rivalen Massive Inc. in die Spielewerbung.
Gleichzeitig plant Google offenbar den Einstieg ins Hardware-Geschäft: Von verschiedenen Seiten ist in den vergangenen Tagen die Entwicklung des sogenannten Google-Phones bestätigt worden - ein Handy für den Massenmarkt, das mit eigener Software bestückt würde. Insider sind aber noch nicht davon überzeugt, dass das Google-Phone tatsächlich kommt, und verweisen auf den angeblich geplanten Google-Computer, der nie erschienen sei. Auch Richard Windsor, Analyst bei den Finanzmaklern Nomura, ist skeptisch: Das Gerät würde nur geringen Erfolg haben und für Google teuer werden, da dem Unternehmen die Kontakte in die Telekombranche fehlten. Diese aber seien nötig, um das Gerät am Markt zu etablieren.
Analyst Jordan Rohan von RBC Capital Markets glaubt, dass Google für die Entwicklung neuer Geschäftsfelder länger benötigen wird, als viele Investoren vermuten. Letztlich aber werde das Unternehmen auch in den neuen Geschäftsfeldern erfolgreich sein.
Der Stillstand des Google-Aktienkurses kombiniert mit einem starken Gewinn aus dem Kerngeschäft hat dazu geführt, dass die Google-Aktie seit dem Börsengang 2004 noch nie so attraktiv war wie derzeit. Mit dem rund 30-Fachen des für 2007 erwarteten Gewinns liegt sie nicht weit entfernt vom Papier des Online-Auktionshauses Ebay, die mit dem 25-Fachen gehandelt wird und dessen Geschäft deutlich weniger dynamisch eingeschätzt wird als das von Google.
Das Ende der starken Kursentwicklung ist der Abschluss von Googles erster Wachstumsphase. Jetzt kommt Phase zwei - vielleicht.