Der weltgrößte PC-Hersteller Hewlett-Packard streicht nach einem Gewinneinbruch weltweit 27.000 Stellen. Der US-Konzern stellte am Mittwoch nach Börsenschluss einen Plan vor, der den Abbau von etwa acht Prozent der Belegschaft vorsieht. Damit sollten bis zum Fiskaljahr 2014 etwa 3 bis 3,5 Mrd. Dollar jährlich gespart werden. Die Stellenstreichungen würden in diesem Jahr mit einer Sonderbelastung von 1,7 Mrd. Dollar auf die Bilanz drücken.
Für die deutsche Belegschaft bedeutet die Ankündigung erneut Unsicherheit, zumal HP wohl eher in Ländern mit hohen Lohnkosten Jobs abbauen dürfte als in Billiglohnstaaten. "Wir befürchten einen Arbeitsplatzabbau in Deutschland", sagte Johannes Katzan, Unternehmensbeauftragter für HP bei der Gewerkschaft IG Metall in Stuttgart, der FTD. Mit Massenentlassungen rechne er aber nicht. "Wir erwarten das die Abbaumaßnahmen für Deutschland erst im Spätsommer oder Herbst weiter konkretisiert werden", sagte Ingo Sturm, Betriebsratsvorsitzender der HP-Niederlassung in Bad Homburg. Der Betriebsrat werde versuchen, sozialverträgliche Lösungen wie Altersteilzeit oder die Verlagerung von Teilbereichen an andere Unternehmen durchzusetzen.
Hierzulande beschäftigt der IT-Konzern 10.400 Mitarbeiter. Würden die angekündigten acht Prozent auf Deutschland übertragen, müssten rund 800 Stellen gestrichen werden. Massenentlassungen seien an den deutschen Standorten unwahrscheinlich, hieß es auch aus dem Betriebsrat. Für die USA habe HP-Chefin Meg Whitman beispielsweise Altersteilzeitprogramme angekündigt.
Bis sie Konkretes erfahren, müssen die deutschen Mitarbeiter warten. Denn erst Mitte Juni trifft sich der europäische Betriebsrat, danach werden die Zahlen und Programme für die einzelnen Länder bekannt gegeben. "Das kann noch Wochen dauern", sagte ein Betriebsratsmitglied. Schon im vergangenen Jahr hatte die Ansage des damaligen HP-Chefs Léo Apotheker, die PC-Sparte zur Disposition zu stellen, in der Belegschaft für große Verunsicherung gesorgt.
HP droht die Marktführerschaft zu verlieren und sucht sein Heil im Sparen. Das US-Unternehmen hatte vor Kurzem angekündigt, die Drucker- und PC-Sparte zusammenzulegen. Das soll Verbesserungen bei Produktion, Einkauf, Kundendienst und Marketing bringen. HP will damit auch Grundlage für weiteres Wachstum schaffen. Der Konzern kämpft darum, sein Kerngeschäft mit PCs in den schwarzen Zahlen zu halten. Die Konkurrenz durch Tablet-Computer und Smartphones nagt am Absatz. Ein eigener Ausflug ins Tablet-Geschäft mit dem Touchpad erwies sich als Flop.
Whitman verteidigte ihren Sparkurs. Die Schritte seien schwierig, aber notwendig, sagte die Konzernchefin. Gleichzeitig überraschte sie mit der Ankündigung, dass Autonomy-Chef Mike Lynch den Technologiekonzern verlässt.
Whitmans im September gefeuerter Vorgänger Apotheker hatte Autonomy vergangenes Jahr für 12 Mrd. Dollar gekauft. Der deutsche Manager war für den teuren Kauf, für den er HP hohe Schulden aufbürdete, kritisiert worden. Bill Veghte, Strategiechef und Chef der Softwaresparte, übernimmt die Führung von Autonomy.
Für das zweite Quartal gab HP einen um drei Prozent niedrigeren Umsatz von 30,7 Mrd. Dollar bekannt. Damit fiel der Rückgang bei weitem nicht so stark aus wie erwartet. Der Überschuss fiel verglichen mit dem Vorjahr um 31 Prozent auf 1,59 Mrd. Dollar. Die HP-Aktie sprang nachbörslich um elf Prozent in die Höhe.
Die Softwaresparte steigerte den Umsatz im jüngsten Quartal insgesamt um 22 Prozent. Die darin enthaltenen Autonomy-Lizenzumsätze verzeichneten jedoch einen "erheblichen Rückgang", teilte HP am Mittwoch mit. "Um Autonomys Leistung zu verbessern", übernehme nun Veghte.
Whitman muss angesichts der Schwächen HPs gegensteuern. Die Umstrukturierung ziele darauf ab, die Zahl der verkauften Produkte zu reduzieren, die Preisstrukturen zu vereinfachen und die Werbung effizienter zu machen, sagte die HP-Chefin.
Auch andere Geschäftsfelder werden umgebaut. So wird die Vertriebsorganisation gestrafft und unter neuer Leitung zusammengefasst. Das Marketing wird über alle Geschäftsfelder hinweg vereinheitlicht, um die Marke zu stärken.
Am Vortag hatte der Rivale Dell enttäuschende Zahlen vorgelegt, der chinesische Rivale Lenovo dagegen ein rasantes Umsatzwachstum bekanntgegeben. Nach Angaben der Gesellschaft IDC hält HP die Marktführerschaft mit einem weltweiten Anteil von 18 Prozent, vor Lenovo mit einem Anteil von 13,4 Prozent und vor Dell mit 11,6 Prozent.
Ber, AG, Rtr