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Merken   Drucken   25.01.2012, 12:14 Schriftgröße: AAA

Streit um Hitlers Hassschrift: Selbstzensur im Kampf um "Mein Kampf"

Aus Angst vor Beschlagnahmungen kommen die angekündigten "Mein Kampf"-Passagen doch nicht an den Kiosk. So lange der Rechtsstreit mit dem bayerischen Finanzministerium läuft, wird Hitlers Hetze mit einer Art Nebel überzogen.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Stephan Jansen
Aus Angst vor Beschlagnahmungen kommen die angekündigten "Mein Kampf"-Passagen doch nicht an den Kiosk. So lange der Rechtsstreit mit dem bayerischen Finanzministerium läuft, wird Hitlers Hetze mit einer Art Nebel überzogen.
Der britische Verleger Peter McGee will nun doch auf die Veröffentlichung von Passagen aus Hitlers Buch "Mein Kampf" verzichten. Die Auszüge aus dem Machwerk des Diktators, die McGee am Donnerstag seiner Wochenzeitung "Zeitungszeugen" beilegen will, sollen unleserlich erscheinen - nicht geschwärzt, aber mit einer Art Nebel überzogen. Der zugehörige Kommentar bleibe lesbar, aber nicht die Originalpassagen, schreibt McGee in einem Brief an seine Kunden. Der Brite will damit verhindern, dass das bayerische Finanzministerium, das die Urheberrechte an dem Buch hält, die Exemplare am Kiosk beschlagnahmt.
Das Ministerium, das als Rechtenachfolger des Eher-Verlags der Nationalsozialisten die Rechte an "Mein Kampf" geerbt hat, hatte gerichtliche Schritte angekündigt. Zu der neuen Ankündigung des Verlages wollte sich ein Sprecher am Mittwoch zunächst nicht äußern. Es werde jetzt Gespräche mit den Anwälten geben.
So lange das juristische Verfahren laufe, wolle McGee die Auszüge aus dem Buch nicht mit seiner Wochenzeitung veröffentlichen, sagte er. "Wir müssen sicherstellen, dass wir unsere Hauptveröffentlichung nicht in Gefahr bringen." Vor rund drei Jahren hatte das bayerische Finanzministerium schon einmal Publikationen der "Zeitungszeugen" am Kiosk beschlagnahmen lassen.
Auch damals ging es um die Frage der Urheberrechte. Der Verleger wehrte sich vor Gericht und gewann gegen den Freistaat in zwei Instanzen. "Die Aktion der Staatsregierung hat unserem Ruf sehr geschadet", betonte McGee. Auch finanziell sei der Schaden groß gewesen. Das wolle er nicht noch einmal erleben.
Dieses Mal ist die rechtliche Lage allerdings eine andere. Im Fall der Publikationen von 2009 - damals handelte es sich um den kommentierten Nachdruck von Nazi-Zeitungen - war das Urheberrecht bereits erloschen. Bei "Mein Kampf" ist das erst im Jahr 2015 der Fall, 70 Jahre nach Hitlers Tod. McGee beruft sich auf das Zitierrecht. Schließlich wolle sein Verlagshaus Albertas Limited nur Ausschnitte veröffentlichen, nicht das ganze Buch. "Wir müssen nicht bis 2015 warten".
"Bizarre Mystifizierung eines ekelhaften Buches"
Seiner Ansicht nach ist es längst an der Zeit, Hitlers Pamphlet auch in Deutschland lesen zu können. "Ausgerechnet in Deutschland ist es zu einer bizarren Mystifizierung diesen ekelhaften Buches gekommen. Und das liegt einzig und allein daran, dass man es hier nicht lesen darf."
Gegen seine Pläne hatte es auch von anderen Seiten Protest gegeben. Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, befürchtete Profitgier als Motivation für das Projekt. Auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) wandte sich gegen die Veröffentlichung.
  • dpa, 25.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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