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Merken   Drucken   31.01.2011, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Europa macht dicht

Mit Hilfe deutscher Polizisten und einem Grenzzaun will die Europäische Union den Strom illegaler Einwanderer nach Griechenland stoppen. Der Großeinsatz bringt Erfolge. Totgeschwiegen werden die unwürdigen Zustände in den Flüchtlingslagern.
© Bild: 2011 dpa Picture-Alliance
Mit Hilfe deutscher Polizisten und einem Grenzzaun will die Europäische Union den Strom illegaler Einwanderer nach Griechenland stoppen. Der Großeinsatz bringt Erfolge. Totgeschwiegen werden die unwürdigen Zustände in den Flüchtlingslagern. von Markus Bernath, Orestiada
Abends um halb zehn kommen die "Germani", die langen Kerle mit den gefütterten blauen Hosen. Vor der Polizeiwache in Orestiada macht sich die Nachtpatrouille fertig zur Abfahrt: Tornister mit Thermokameras werden angeschleppt, Taschenlampen am Gurt befestigt. Eine griechische Offizierin lehnt am Türstock und rasselt die Liste mit den Namen herunter, den deutschen und den griechischen; auch ein Grenzpolizist aus Litauen ist in dieser Nebelnacht dabei.
Die Männer gehören zu Frontex, der EU-Grenzschutztruppe, die seit 2004 die Außengrenzen der Union sichert mit dem Ziel, illegale Einwanderer zu stoppen. Seit Anfang November ist ein multinationales Team von 180 Polizeibeamten am Evros stationiert, dem Grenzfluss zwischen Griechenland und der Türkei. Die Gegend ist das wichtigste Einfallstor nach Europa, 40 Prozent aller Flüchtlinge ohne gültiges Visum gelangten zuletzt von hier aus auf EU-Gebiet: Iraker, Afghanen, Pakistani, Palästinenser, vor allem Afrikaner.
Die meisten Flüchtlinge gelangen über die Türkei in die EU. Ein ...   Die meisten Flüchtlinge gelangen über die Türkei in die EU. Ein Zaun bei Orestiada soll das verhindern
In manchen Nächten marschierten 200 bis 300 Menschen allein über den Grenzabschnitt im äußersten Norden, wo der reißende Evros auf türkischem Hoheitsgebiet verläuft. Hier gibt es Brücken, dahinter ein paar sumpfige Wiesen, dahinter beginnt Europa. "Scheunentor" haben die deutschen Grenzer diese 12,5 Kilometer getauft.
Gennaro di Bello war schon bei einem halben Dutzend Frontex-Einsätzen dabei, doch keiner, sagt er, war so hart wie dieser. Der Polizeihauptkommissar aus Düsseldorf leitet den Einsatz am Evros, seit seine Truppe hier Dienst tut, "sind die Zahlen stark zurückgegangen", sagt der Deutsche mit italienischen Wurzeln, und dabei schwingt Stolz mit.
Denn der Job an der Ostgrenze ist Knochenarbeit: stundenlange Märsche durch Flussniederungen, wo selbst Geländewagen nicht mehr durchkommen; tägliches Katz-und-Maus-Spiel mit den Flüchtlingen. Das Grenzland ist weit, es ist leer, es hat Platz für den ganzen feuchten Nebel der Ägäis, der in die Kleider kriecht und sich auf die Wangen legt wie ein nasses Handtuch.

Teil 2: In Lagerhallen gefercht

  • FTD.de, 31.01.2011
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