Die meisten Flüchtlinge gelangen über die Türkei in die EU. Ein Zaun bei Orestiada soll das verhindern
In manchen Nächten marschierten 200 bis 300 Menschen allein über den Grenzabschnitt im äußersten Norden, wo der reißende Evros auf türkischem Hoheitsgebiet verläuft. Hier gibt es Brücken, dahinter ein paar sumpfige Wiesen, dahinter beginnt Europa. "Scheunentor" haben die deutschen Grenzer diese 12,5 Kilometer getauft.
Gennaro di Bello war schon bei einem halben Dutzend Frontex-Einsätzen dabei, doch keiner, sagt er, war so hart wie dieser. Der Polizeihauptkommissar aus Düsseldorf leitet den Einsatz am Evros, seit seine Truppe hier Dienst tut, "sind die Zahlen stark zurückgegangen", sagt der Deutsche mit italienischen Wurzeln, und dabei schwingt Stolz mit.
Denn der Job an der Ostgrenze ist Knochenarbeit: stundenlange Märsche durch Flussniederungen, wo selbst Geländewagen nicht mehr durchkommen; tägliches Katz-und-Maus-Spiel mit den Flüchtlingen. Das Grenzland ist weit, es ist leer, es hat Platz für den ganzen feuchten Nebel der Ägäis, der in die Kleider kriecht und sich auf die Wangen legt wie ein nasses Handtuch.