George Soros - der ewige Mahner
Die zu frühe Rückkehr zur Einhaltung der Maastricht-Kriterien - also ein scharfer Sparkurs - sei falsch, sagte Soros. Er kritisierte besonders die Bundesrepublik für ihre auf die Defizitreduzierung fixierte Haushaltspolitik. Zwar stehe die deutsche Wirtschaft wesentlich besser da. Soros warnte aber vor den Folgen der Sparpolitik auf andere Ländern wie etwa Spanien. "Es entsteht eine sehr gefährliche Situation, weil Deutschland eine Politik verfolgt, die für Deutschland gut, für andere EU-Staaten aber kontraproduktiv ist."
Dies berge die "Gefahr einer Deflationsspirale", betonte der Finanzexperte. "Die Folge wären Stagnation und zunehmende politische Spannungen in Europa." Die Euro-Krise habe die ganze EU dazu gebracht, der deutschen Steuerpolitik zu folgen. "Es hat sich gezeigt, dass Deutschland die Steuerpolitik bestimmt."
Soros äußerte sich vor dem Hintergrund der europäischen Schuldenkrise und den Bemühungen der EU-Länder, ihren Stabilitätspakt so zu reformieren, dass es nicht mehr zu solchen Notlagen kommt und Defizitsünder unter Druck gesetzt werden, ihren Haushalt zu sanieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatten sich in der vergangenen Woche auf eine Abschwächung der geplanten neuen Regeln geeinigt - und damit einen heftigen Streit in Europa ausgelöst. Sollte ein Land die Maastricht-Kriterien verfehlen, bleiben demnach künftig nach Beginn des Defizitverfahrens sechs Monate, um gegenzusteuern.