Weil sich Deutschland nicht dazu durchringen kann, seinen Bürgern die Wahrheit zu sagen, nämlich dass es ohne einen weiteren Schuldenerlass nicht geht. Und dass dies den deutschen Steuerzahler Geld kosten wird. Stattdessen einigt man sich wieder einmal auf einen Minimalkonsens - diesmal nach dem Prinzip Klingelbeutel: Jeder gibt den armen Griechen, was er will und politisch durchsetzen kann. In der Hoffnung, dass am Ende schon irgendwie genug Kapital zusammenkommt. Das ist keine Politik, das ist absurd.
Immerhin: Dieser bislang seltsamste aller Griechenland-Kompromisse verhindert - so er zustande kommt - das Scheitern des Euro-Finanzministertreffens. Und damit den unmittelbaren Staatsbankrott in Athen. Das ist eine gute Nachricht. Allerdings auch die einzige. Denn das wichtigste Ziel, das Vertrauen der Märkte und Investoren in die Stabilität des Euro wiederherzustellen, wird nicht erreicht. Das Signal, das die Finanzminister aussenden, lautet: Wir wursteln erst mal weiter, dann sehen wir, was kommt. Angesichts der Lage ist das zu wenig.
32 Mrd. Euro braucht Griechenland nach Berechnungen der Troika in den kommenden Jahren, um zu verhindern, dass die Staatsverschuldung unkontrolliert weiterwuchert. Ob und wie diese Summe durch die sich abzeichnende Benefizaktion zusammenkommt, ist völlig offen. Und damit ist jetzt nicht nur schwierig vorherzusagen, wie hoch die griechische Staatsverschuldung 2020 sein wird, sondern unmöglich. Sind 1 Mio. Euro Schuldenerlass so viel wert wie ein Ankauf griechischer Staatsanleihen in gleicher Höhe? Die Berechnungs- und Bewertungsschwierigkeiten, die jetzt folgen werden, sind ebenso absehbar wie der Konflikt darüber, ob wirklich jedes Euro-Mitgliedsland seinen fairen Beitrag zahlt.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Minister schon im nächsten Jahr wieder über neue Griechenland-Hilfen streiten werden. Ein Schuldenschnitt wäre eine transparente und faire Lösung für alle gewesen. Dass Deutschland sie blockiert hat, könnte sich noch bitter rächen.