Frankreichs Plan B:Private Griechen-Rettung, staatlich garantiert
Frankreichs und Deutschlands Banken wollen sich mit einem komplizierten Konstrukt am Rettungspaket beteiligen. Letztlich sind es aber doch die Euro-Staaten, die für die private Summe gerade stehen. Eine Analyse.
von André KühnlenzFrankfurt
Frankreichs und Deutschlands Banken haben in groben Zügen eine Lösung gefunden, wie private Gläubiger am Rettungspaket für Griechenland beteiligt werden. Doch tatsächlich sind es eher die Euro-Staaten, die letztlich genau für den Beitrag einstehen, den die Banken und Versicherungen bis Mitte 2014 der Regierung in Athen leihen würden. Stimmen deutsche Politiker und die Finanzwirtschaft dem zu, was Paris Anfang der Woche vorgelegt hat, wird somit eine zentrale Forderung der Bundesregierung unterlaufen.
Gleichwohl sind positive Wirkungen zu erwarten: Die größten Profiteure wären griechische Banken: Sie bekommen auf 25 Mrd. Euro an Rückflüssen aus Staatsanleihen Athens mit Laufzeit bis 2014 eine Garantie der starken Euro-Staaten für 30 Jahre. Indirekt profitieren auch die Banken Frankreichs, wo einige Häuser stark bei griechischen Instituten engagiert sind. Die FTD erklärt die Eckpunkte des Modells.
Das französische Modell gilt nur für Anleihen mit Laufzeit bis 2014. Laut Vorschlag tilgt die griechische Regierung bis Mitte 2014 Anleihen über 85,5 Mrd. Euro vollständig. Der Datendienstleister Bloomberg gibt dabei 93,5 Mrd. Euro an. Wenn private Gläubiger, die knapp die Hälfe davon halten, ihre Rückflüsse nach Tilgung sofort wieder größtenteils in neue Anleihen anlegen, könnte der Regierung eine Summe von 30 Mrd. Euro bis 2014 zufließen.
Von je 100 Euro Tilgung können Investoren 30 Euro behalten. 70 Euro würden sie in neue Staatspapiere anlegen. Athen bekommt von den 70 Euro aber nur 49 Euro. Der Rest, 30 Prozent oder je 21 Euro, fließen in einen Sicherungsfonds. Dieser tilgt später mittels der Verzinsung die neuen Anleihen, falls Griechenland pleitegeht.
Der Sicherungsfonds legt anteilig von je 100 Euro Rückflüssen 21 Euro in Papiere bester Bonität an, die ebenfalls 30 Jahre laufen: Voraussichtlich werden dies Anleihen des Euro-Rettungsfonds EFSF sein. Inklusive der auflaufenden Verzinsung - derzeit also rund vier Prozent pro Jahr für erstklassige Euro-Anleihen - klettert das Vermögen des Sicherungsfonds nach 30 Jahren anteilig auf 70 Euro. Alle solventen Euro-Staaten garantieren dabei mit einer Summe von 49 Euro dafür, dass aus der Anfangsinvestitionen von 21 Euro eine Summe von 70 Euro wird. Diese 49 Euro sind genau der Betrag, den Athen von je 100 Euro Tilgung an die Banken direkt bis 2014 erhält.
Der Gläubiger hat den Nennwert der Anleihe sicher: Von anfänglich 100 Euro Rückflüssen behält der Investor am Anfang bereits 30 Euro. Nach 30 Jahren bekommt er die übrigen 70 Euro ebenfalls zurück, die er Griechenland geliehen hat: entweder vom Staat oder vom Sicherungsfonds.
Athen zahlt auf die neuen Anleihen jährlich 5,5 Prozent Zins, dieser kann auf 8,0 Prozent steigen, wenn die Wirtschaft wächst. Nach 30 Jahren kassiert der Investor für 70 investierte Euro zwischen 115,5 und 168 Euro.
Ein Teil der Schuldentilgung würde gestreckt. Kommt Athen 30 Jahre ohne Schuldenschnitt aus, dürfte der Regierung am Ende die Summe des Sicherungsfonds zufließen - nach jetzigem Plan 30 Mrd. Euro. Kommt es während der Laufzeit der neuen Anleihen zu einem Schuldenschnitt, müsste Athen wohl nur niedrigere Zinsen auf die Papiere zahlen - der Nennwert ist ja garantiert.
Die neuen Staatsanleihen sind für mindestens zehn Jahre zum Verkauf gesperrt. Lang laufende Staatsanleihen reagieren zudem sehr stark auf Veränderungen von Zinsen und Inflation. Kommt es zu einer Umschuldung, würden wohl vor allem die fälligen Zinsen stark sinken. Bei einem Schuldenschnitt um bis zu 60 Prozent Mitte 2014 müsste Athen für die restliche Laufzeit nicht mehr auf anteilig 70 Euro Zinsen zahlen, sondern nur noch auf 28 Euro. Der Investor bekäme aber am Ende die angelegten 70 Euro zurück, da die Summe dann beim Sicherungsfonds aufgelaufen ist.
Deutsche Politiker könnten eine echte Beteiligung privater Gläubiger fordern. Den Griechen könnte das Modell zu teuer werden, da bis zu 8,0 Prozent Zinsen anfallen. Ein Haken an dem Modell ist auch, dass es den Griechen nicht hilft, sich von ihrer Schuldenlast spürbar zu befreien. Außerdem besteht das Risiko, dass die veranschlagten 30 Mrd. Euro gar nicht zusammenkommen.
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