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Merken   Drucken   07.10.2012, 19:07 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Euro-Sorgenkinder feiern Comeback

Dank steigender Exporte und mit der EZB im Rücken kämpfen sich Portugal und Irland langsam aus der Krise. Anleger fassen neues Vertrauen.
© Bild: 2012 AFP/PATRICIA DE MELO MOREIRA
Dank steigender Exporte und mit der EZB im Rücken kämpfen sich Portugal und Irland langsam aus der Krise. Anleger fassen neues Vertrauen.
von Frankfurt und Berlin

Im Schatten der akuten Brandherde Spanien und Griechenland tut sich Überraschendes an der Euro-Peripherie: Während Spanien weiter mit einem Antrag auf Hilfsgelder ringt und Griechenland das Geld auszugehen droht, tasten sich seit Wochen und Monaten fast unbemerkt Irland und Portugal dem Ende einer langen Durststrecke entgegen.

Auf dem Kopf die Guy-Fawkes-Maske, Symbol der Protestbewegung ...   Auf dem Kopf die Guy-Fawkes-Maske, Symbol der Protestbewegung Occupy, demonstriert ein Portugiese vor dem Parlament in Lissabon

Die Länder waren die ersten, die unter den europäischen Rettungsschirm schlüpften - Dublin Ende 2010, Lissabon im Frühjahr 2011. Und beide könnten jetzt die ersten sein, die es schaffen, ihre Staatsfinanzen in Ordnung zu bekommen - und deren Volkswirtschaften wieder wachsen.

Bei allen Risiken, die den Regierungen in Irland und Portugal noch bevorstehen, macht sich Zuversicht breit bei Anlegern, Analysten und den internationalen Kreditgebern. Letztere gewähren Portugal Hilfsdarlehen über 78 Mrd. Euro und Irland über 85 Mrd. Euro. Anders als in Griechenland sind bisher gravierende Nachverhandlungen der Hilfsprogramme mit der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ausgeblieben.

Als Musterschüler gilt vor allem Irland. "Solange keine neue Welle der Euro-Krise oder eine scharfe Rezession in den USA die Pläne untergraben, könnte Irland das EU- und IWF-Programm bereits weit vor dem eigentlichen Ende 2014 verlassen", sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Irland sei die erste Erfolgsgeschichte dieser Krise. Mit Blick auf Portugal sagt Reto Hünerwadel von der Schweizer UBS: "Ende des dritten Quartals können wir feststellen, dass Portugals Wirtschaft weiterhin auf dem richtigen Weg ist."

Das wachsende Vertrauen der Anleger ist an den Finanzmärkten ablesbar. Ende Juli wurde Dublin bei einem Anleihetausch erstmals seit zwei Jahren wieder Staatspapiere bei Investoren los. Die Rendite fünfjähriger Anleihen ist seit Juli von 5,5 auf 3,5 Prozent gesunken - das ist deutlich weniger, als italienische Schuldscheine derzeit kosten. Auch Portugals Zinsen über diese Laufzeit fielen rasant: von mehr als neun Prozent auf mittlerweile nur noch rund 6,5 Prozent.

Vergangenen Mittwoch nutzte Lissabon ebenfalls die Gunst der Stunde und ging mit einem Anleihetausch vor allem auf heimische Investoren zu - mit großem Erfolg. Portugals Schatzamt hat dadurch nach Berechnungen der US-Bank Morgan Stanley seinen Finanzierungsbedarf für 2014 um rund ein Drittel gesenkt.

Beiden Ländern hilft, dass sie mit Stützungskäufen der EZB rechnen können, falls sie sich frisches Geld am Kapitalmarkt leihen wollen und nicht nur über einen Anleihetausch neue Papiere begeben. Dies hatte Notenbankchef Mario Draghi erst vergangenen Donnerstag nach der jüngsten Sitzung des EZB-Rates nochmals betont. Die Eingriffe der EZB würden dann die Zinsen drücken, was den Regierungen die Schuldenaufnahme erleichtern würde. Laut Plan soll Portugal sich im zweiten Halbjahr 2013 wieder am Markt finanzieren können.

Doch nicht nur die Aussicht auf die Notenbankeingriffe hilft den beiden Ländern. "Im Gegensatz zu Griechenland könnte die Wirtschaftsleistung ihre Talsohle in Irland und Portugal erreicht haben", sagt Eric Chaney, Chefökonom der Axa-Gruppe.

Zwar kommt die irische Konjunktur noch immer nicht richtig in Gang, und die Arbeitslosigkeit gehört mit fast 15 Prozent zu den höchsten in der Euro-Zone. Doch inzwischen deuten Konjunkturfrühindikatoren vor allem wegen des wachsenden Exports wieder auf steigende Geschäfte hin - während sie in fast allen anderen Euro-Ländern auf Rezession deuten.

Portugals Bruttoinlandsprodukt ist laut UBS-Berechnungen seit Anfang 2008 um rund 6,4 Prozent eingebrochen. Wie in Griechenland haben die Portugiesen vor allem ihren Konsum und ihre Investitionen im Zuge der Sparpakete eingeschränkt. Mittlerweile steigen jedoch die Ausfuhren des Landes kräftig, unter anderem in die frühere Kolonie Angola.

Zugleich ist das Außenhandelsdefizit auf das niedrigste Niveau seit Mitte der 80er-Jahre geschrumpft. "Es dürfte nicht mehr lange dauern, und Portugal weist einen Überschuss aus", sagt UBS-Ökonom Hünerwadel. Hinzu kommt, dass die Troika dem Land Zugeständnisse macht und für Hilfskredite des Rettungsfonds EFSF nun geringere Zinsen anfallen.

Ein großes Risiko für beide Länder besteht jedoch darin, dass ihre Wirtschaft 2013 abstürzen könnte - als Folge nachlassender Exporte, weil anderswo die Rezession zurückkehrt.

  • Aus der FTD vom 08.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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