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Merken   Drucken   23.01.2012, 17:07 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Merkel muss mehr Geld zur Euro-Rettung bereitstellen

Ein Griechenland-Szenario in Italien wäre das Ende der Gemeinschaftswährung. Um die Gefahr zu bannen, muss Europa seine Brandmauer erhöhen. Daher ist es nur folgerichtig, dass die Kanzlerin den Forderungen von IWF-Chefin Lagarde nachgibt.
© Bild: 2012 DPA/DPA-Bildfunk/Jesco Denzel
Kommentar Ein Griechenland-Szenario in Italien wäre das Ende der Gemeinschaftswährung. Um die Gefahr zu bannen, muss Europa seine Brandmauer erhöhen. Daher ist es nur folgerichtig, dass die Kanzlerin den Forderungen von IWF-Chefin Lagarde nachgibt. von Wolfgang Proissl 
Als die Vizefinanzminister der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) am Wochenende in Mexiko-Stadt über die Euro-Krise berieten, war die Mehrheitsmeinung eindeutig. "Es gab Anerkennung für die Maßnahmen, die Europa ergriffen hat", sagte Mexikos Vizefinanzminister Gerardo Rodríguez, dessen Land 2012 die G20-Präsidentschaft innehat. "Aber es ist auch klar, dass noch mehr getan werden muss." Das dürfte auch Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), bei ihrem Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Sonntagabend in Berlin gefordert haben.
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Damit ist klar, wie die Fronten bei Verhandlungen über den Kampf gegen die Krise bis zum Finanzminister- und Notenbankertreffen der G20 in Mexiko-Stadt Ende Februar verlaufen werden. Mächtige Schwellenländer wie Brasilien und China, aber auch Industriestaaten wie Japan und Kanada werden von den Europäern fordern, die Mittel für ihre Euro-Rettungsfonds zu erhöhen und mehr für die IWF-Ressourcenerhöhung zu tun, als sie derzeit planen.
Die Logik dahinter: Die eigentlich reichen Europäer sollen nur dann auf internationale Hilfe hoffen dürfen, wenn sie selbst mehr zur eigenen Rettung tun. Die USA schließen sich diesem Appell an, obwohl sie selbst zusätzliche amerikanische Finanzmittel für den Weltwährungsfonds ausschließen. In der von Vorwahlkampf und Isolationismus geprägten öffentlichen Meinung gibt es keine Mehrheit für mehr US-Gelder, die über den Umweg des IWF den Europäer zugutekämen.
Es ist kein Zufall, dass sich Lagarde mit dem Ratspräsident und dem Kommissionschef der EU ausgerechnet bei Merkel in Berlin traf. Denn ein höherer Beitrag der Europäer für den IWF und die europäischen Rettungsfonds ist ohne Deutschland, dem einzigen großen Euro-Staat mit gesunder Konjunktur und soliden Staatsfinanzen, nicht machbar. Die Kanzlerin sollte diese Stärkeposition nutzen und im Interesse Deutschlands und der Euro-Zone einem größeren Engagement bei den Euro-Rettungsfonds und den IWF-Mitteln - unter klaren Bedingungen - zustimmen.
Finanzrisiken im Volumen von 1000 Mrd. Dollar
Ausgangspunkt der deutschen Überlegungen muss sein, dass die Existenzkrise der Euro-Zone nicht beendet ist. Die Reformpläne in Italien und Spanien lassen zwar hoffen - dank des Übergangspremiers Mario Monti in Rom und dem frisch gewähltem bürgerlichen Regierungschef Mariano Rajoy in Madrid. Auch aus dem Krisenstaat Irland kamen erste Erholungszeichen. Doch der wahrscheinliche Zahlungsausfall Griechenlands, die Riesenprobleme Portugals, der Verlust der Bonitätsbestnote für Frankreich und den vorübergehenden Euro-Rettungsfonds EFSF sowie die Gefahr sozialer Explosionen in einigen Ländern der Währungsunion zeigen, dass das Überleben der Euro-Zone weiter gefährdet ist.
Vor diesem Hintergrund schätzen die IWF-Mitarbeiter, dass weltweit Finanzrisiken im Volumen von 1000 Mrd. Dollar lauern. Die 390 Mrd. Dollar noch verfügbarer Krisenreserven würden dem Fonds nicht ausreichen, um sie zu vermeiden oder zu bekämpfen. Diese Warnung hat Fondschefin Lagarde am Montag bei einer Rede in Berlin bekräftigt. Am Dienstag wird der Fonds düstere Prognosen in den Aktualisierungen des IWF-Weltwirtschaftsausblicks und des Finanzstabilitätsberichts vorlegen und so die Dringlichkeit entschlossenen Handelns unterstreichen. Deshalb fordern Lagarde und ihre engsten Mitstreiter 600 Mrd. Dollar an zusätzlichen Mitteln von zahlungskräftigen Mitgliedsstaaten.

Teil 2: Warum Europa einen größeren Beitrag leisten sollte

  • FTD.de, 23.01.2012
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Kommentare
  • 24.01.2012 13:38:36 Uhr   WILHER: EURO gut und schön


    EURO gut und schön, es gibt keine Wechselkursveränderungen im Euroraum mehr.
    Schön für die deutsche Wirtschaft, katastrophal für die Volkswirtschaften anderer Länder
    und katastrophal auch für den deutschen Steuerzahler und Verbraucher, am denke nur an den Benzinpreis.
    Man wollte die Macht und den Geist der BUBA brechen, was vollständig gelang, besser als erwartet,
    und begab sich in die Abhängigkeit der deutschen Regierung und der
    deutschen Wirtschaft.
    Bin mir sicher, die Vorherrschaft der BUBAund der DM in Europa
    war den anderen Europäern (Ausnahme Frankreich) lieber als das, was sie heute in
    Europa erleben müssen.
    Aber man arbeitet daran, das deutsche Volksvermögen und Einkommen in Europa zu vergesellschaften.
    Wenn alle arm sind, geht es den meisten emotional besser als wenn
    man merkt, dem Nachbarn geht es gut, aber mir geht es schlechter.
    Also gut 20 Jahre, nachdem der Kommunismus aus Europa klanglos verschwand,
    kehrt er in gewandelter Form wieder.
    Wohl dem, der sich dem durch Flucht ins nichtsozialistische Ausland z.B. die Schweiz samt seinem Vermögen,
    entziehen kann. Den allermeisten Deutschen wird dies nicht gelingen.
    Und gerade die haben den Euro nicht gewollt. Es trifft wieder die Falschen.

  • 24.01.2012 10:43:08 Uhr   Tell: Fall für den Verfassungschutz?
  • 24.01.2012 10:15:41 Uhr   Oflelas: Konsequenz
  • 24.01.2012 08:16:20 Uhr   Michael Bertha: Nein, muss Frau Merkel nicht!
  • 23.01.2012 21:50:44 Uhr   healer: solide Staatsfinanzen lol
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