Schuldenkrise:Schmidt und Steinbrück rügen Euro-Retter
Die SPD-Politiker sorgen sich um die Strategie Deutschlands und Frankreichs. Altkanzler Schmidt mahnt zu mehr Tempo und Entschlossenheit. Der frühere Bundesfinanzminister Steinbrück warnt vor einer Eskalation der Krise.
Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) sieht die bisherigen Versuche zur Rettung des Euro mit Sorge. "Es dauert ein bisschen zu lange, wie die gegenwärtig Regierenden in Berlin, in Paris und anderswo, damit umgehen", sagte der 92-Jährige am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Günther Jauch".
Ein Rettungsschirm nach dem anderen habe bisher nicht ausreichende Ergebnisse gebracht. Zugleich sei Griechenland in eine Depression gestürzt worden, von der man nicht wisse, ob dies die griechische Demokratie aushalten könne. "Die gegenwärtige Krise ist eine Krise der Organe der Europäischen Union", betonte Schmidt, nicht des Euro als Währung. Die Inflation sei niedriger als zu D-Mark-Zeiten.
Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sagte bei dem gemeinsamen Auftritt: "Die bisherige Krisenstrategie entpuppt sich zunehmend als erfolglos." Die Krise könne weiter eskalieren, weil man bei den Euro-Rettungsprogrammen an Grenzen der öffentlichen Zustimmung stoße und immer weitere harte Sparprogramme krisengeschüttelte Euro-Staaten nicht auf die Beine bringen würden.
Peer Steinbrück (l.) und Helmut Schmidt vor Beginn der Talkshow "Günther Jauch"
"Es fehlt ein umfassender Ansatz, um diese europäische Währungsunion zu verteidigen", kritisierte Steinbrück. Deutschland könne aber nur mit Europa gemeinsam den jetzigen Wohlstand verteidigen.
Schmidt sieht Peer Steinbrück unter anderem wegen seines Sachverstands in Finanzfragen als den geeigneten Kanzlerkandidaten der SPD an. Notwendig seien im Augenblick politische Führer, die in diesem Bereich Bescheid wüssten, sagte der 92-Jährige bei Jauch: "Er ist einer von denen, die wirklich wissen, worüber sie reden."
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