Die Idee ist eine Provokation, denn der Kommissar würde einen massiven Eingriff in die Souveränität des Landes bedeuten. Andererseits: Wie soll sichergestellt werden, dass nach zwei Jahren Krise endlich die Wende in Athen kommt?
"Es ist ausgeschlossen, dass wir das akzeptieren", hieß es prompt in griechischen Regierungskreisen. Es dürfte keine Regierung auf der Welt geben, die ihre Macht freiwillig in die Hände eines Kommissars geben würde. So etwas gibt es noch nicht einmal in einem Bundesstaat wie Deutschland im Binnenverhältnis zwischen Bund und Ländern, sondern lediglich auf kommunaler Ebene.
Das Thema ist mehr als heikel - und es besteht in der Bundesregierung keineswegs Konsens über den Vorschlag aus dem Haus von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). "Ich bin verärgert über den Ton in dieser Debatte", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) in Kairo: "Wir sollten eine Debatte führen, die ermutigt und nicht entmündigt."
Und auch Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker wies den Vorstoß zurück. Er sei "im Rahmen vertraglicher Regelungen" nicht abgeneigt, so etwas vorzusehen für den Fall, dass "ein Land sich dauerhaft außerhalb der Spur bewegt", sagte Juncker. "Aber ich halte es nicht für sehr glücklich, dass man dies nur in Bezug auf Griechenland tut."