Angehörige der Opfer des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik haben sich über den langen Vortrag des Angeklagten beschwert. Über ihre Anwälte forderten sie Breivik am Dienstag im Prozess in Oslo auf, seine Stellungnahme abzukürzen. Breivik las mit ruhiger Stimme eine auf 13 Seiten vorbereitete Rede vor - eine Mischung aus Selbstrechtfertigung und wirren politischen Statements.
Richterin Wenche Elizabeth Arntzen unterbrach ihn mehrmals und forderte ihn auf, seine Aussage zu mäßigen. Breivik dagegen sagte, er müsse seinen gesamten Vortrag halten, um seine Motive zu erklären. Mit gesenktem Blick las er von seinen Notizen ab und schien nicht in der Lage, von den vorbereiteten Formulierungen abzuweichen.
Breivik hat am Dienstag vor Gericht die Tötung von 77 Menschen im vergangenen Sommer verteidigt. "Ich habe den raffiniertesten und spektakulärsten politischen Angriff in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg unternommen", sagte Breivik. Er las die Zeilen von einer vorbereiteten Erklärung ab. Das Volk sei beschwindelt worden. Da eine friedliche Revolution nicht möglich sei, sei Gewalt die einzige Möglichkeit. Seine Attentate würde er wiederholen, sagte der rechtsradikale Islamhasser mit ruhiger Stimme. "Ja, ich würde das wieder machen."
Der 33-jährige Rechtsextremist hatte zu Prozessauftakt am Montag auf nicht schuldig plädiert. Er begründete seine Tat damit, dass er Norwegen vor der Einwanderung von Muslimen habe schützen wollen. Zentrale Frage in dem Prozess ist, ob das Gericht ihm Schuldfähigkeit attestiert. Bei einem Schuldspruch drohen ihm bis zu 21 Jahre Haft. Andernfalls könnte der Mann lebenslang in der Psychiatrie untergebracht werden.
Breivik sagte zu Beginn seiner Aussage, dass er seine Formulierungen aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen angepasst habe. "Halten Sie sich im Zeitrahmen und seien Sie vorbereitet, dass ich sie unterbreche, wenn Sie etwas sagen, das nicht der Sache dient", sagte Richterin Wenche Elizabeth Arntzen. Damit will sie offenbar verhindern, dass der Angeklagte die Verhandlung zur Verbreitung seines rechtsextremistischen Gedankenguts nutzt.
"Das waren keine unschuldigen Kinder, sondern politische Aktivisten, die für den Multikulturismus arbeiteten", sagte Breivik zu seinem Massaker in einem Jugendcamp auf der Fjordinsel Utøya. Dort hatte er nach eigenem Geständnis 69 Teilnehmer eines Sommerlagers kaltblütig erschossen. Breivik verglich die sozialdemokratische Jugendorganisation AUF mit der Hitlerjugend. Richterin Arntzen unterbrach ihn sofort und forderte ihn auf, seine Formulierungen abzuschwächen.
Ein Laienrichter wurde zu Beginn des Verhandlungstages für befangen erklärt. Seine öffentliche Reaktion nach den Terroranschlägen im vergangenen Sommer könne "das Vertrauen in ihn als Richter schwächen", sagte die Richterin. Der 33 Jahre alte Schöffe hatte zugegeben, einen Artikel der Zeitung "VG" im sozialen Netzwerk Facebook mit den Worten kommentiert zu haben: "Die Todesstrafe ist das einzig gerechte in diesem Fall!" .
Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung hatten gefordert, dass er vom Prozess ausgeschlossen wird. "Das könnte das Vertrauen des Gerichtes schwächen", sagte Breiviks Verteidiger Geir Lippestad. Ein Ersatzrichter rückt nun auf.
Das Gericht hatte bereits im Vorfeld des Prozesses zwei der fünf berufenen Laienrichter ausgeschlossen. Ein Mann wurde für befangen erklärt, weil sein Sohn Mitglied der sozialdemokratischen Jugend AUF ist. Diese Jugendorganisation der norwegischen Arbeiterpartei war eines der Hauptziele von Breiviks Attentaten im vergangenen Sommer. Im Ferienlager auf der Insel Utøya tötete der 33-Jährige kaltblütig 69 Menschen.